Traumjob trotz CoronaVom Bankfachmann zum Hüttenwirt: "Ich bereue es keine Sekunde"

Selbstverwirklichung in der Krise – geht das? Martin Heidlmair hat es getan und nicht bereut – weil er knallhart rechnet.

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© (c) Daniel Hinterramskogler, https:/
 

Ein bisschen Installateur, ein klein wenig Techniker, dazu noch Koch, Wirt und beinhart im Rechnen oder ganz einfach „Der Hüttenwirt ist kein Job für Träumer.“ Martin Heidlmair muss es wissen.

Der 48-Jährige kündigte im Mai 2019 seinen sicheren Job als Geschäftsleiter einer selbstständigen Bank in Hinterstoder, um sich zuerst einmal eine Auszeit zu gönnen. „Ich wollte das alles so nicht mehr. Zwei Drittel meiner Arbeit waren Administratives, es blieb fast keine Zeit mehr für Kundenkontakt“, so der Naturbegeisterte, der 26 Jahre lang im Bankwesen tätig war, 15 davon in der IT. 

Nach einer kurzen Auszeit stieß Martin Heidlmair auf ein Inserat der Naturfreunde Linz – man suchte einen Pächter für das Rohrauerhaus  am großen Pyhrgas. Und so wechselte der 48-Jährige den Businessanzug gegen Bergstiefel und die Bankfiliale gegen die Schutzhütte auf 1308 Höhenmetern.

Aussteiger- und Umsteigerträume wie sie vor der Coronakrise oftmals zu lesen waren. Einfach aus der Tretmühle aussteigen, sich selbst verwirklichen und neu anfangen – den Reset-Knopf für das Ich und den Lebenslauf drücken.

Beinharte Rechnung

Ob Heidlmair bereut, kurz zuvor einen sicheren Job gegen die Selbstständigkeit getauscht zu haben? „Bereut habe ich es noch keinen Augenblick lang, aber vor allem auch, weil ich als Bankmensch alles genau durchgerechnet habe. Und zwar Winter ohne Schnee und Sommer mit viel Regen und davon habe ich dann auch noch einmal 25 Prozent abgezogen“, erklärt der Hüttenwirt, der auch Naturparkranger im Naturpark Kalkalpen tätig ist.

Ja, viele wollen etwas Ähnliches machen, weil sie eine romantische Vorstellung vom Leben heroben haben. Aber die Wahrheit ist: Man ist zwar in der Natur, aber man hat keine Zeit dafür.

Martin Heidlmair
Die durch Corona bedingte Pause nutzte er, um die Kachelöfen herzurichten und die Dichtungen auszutauschen. Geschichten wie seine locken natürlich Interessierte an, die auch gerne ihren Jobtraum verwirklichen würden. „Ja, die Menschen haben eine enorm romantische Vorstellung vom Leben heroben. Aber die Wahrheit ist: Man ist zwar in der Natur, aber man hat keine Zeit dafür.“

Österreicher suchen Zuhause nach Erholung

Seit Mitte Mai hat Heildmair nun wieder geöffnet – „und dann hat es uns gleich einmal die Grenzen aufgezeigt“. Denn durch den Lockdown und die schwierigen Reisebedingungen ins Ausland suchen Österreicher Zuhause die Erholung. „Das merkt man spätestens daran, wenn dir 150 Liter Suppe an einem Tag nicht ausreichen“, lacht der Wirt. Vor allem Radfahrer und Weitwanderer sind seine Gäste, liegt die Hütte doch auf dem Via Alpina, einem Weitwanderweg, der von Wien nach Bregenz führt. „95 Prozent meiner Gäste sind Österreicher, die in normalen Jahren schon wegfliegen, um Urlaub zu machen, sich heuer aber nicht drübertrauen.“

"Einfach machen!"

Rückblickend ist Martin Heidlmair also froh, sich für diesen Weg entschieden zu haben. „Mein Rat ist, einfach machen, aber mit beinharter Rechnung und einem detaillierten Plan. Ob nun Corona oder nicht ist aus meiner Sicht komplett egal.“ Einen kleinen Wermutstropfen gibt es aber leider auch hier: „Als ich auf der Bank gearbeitet habe, war ich fast mehr in der Natur als jetzt. Heute stehe ich vor allem in der Küche, aber ich mache etwas, das ich gerne tue. Außerdem versuche ich mir immer wieder einen Tag abzuzwacken, um auf den Berg oder wandern zu gehen.“

Kommentare (1)
johnfm
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39
Lesenswert?

Hüttenwirt

Ehrlich, ich finde diesen Mann super - er geht "seinen" Weg und nicht was ihm gesagt, oder noch schlimmer aufgetragen wird.
Ich wünsche ihm nur das Beste