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Kärnten

Viel Milch, kein Grund zur Freude

Moderner Stall mit Melkroboter: Franz Pleschiutschnig hat viel investiert und ist nun Opfer des Milchpreisverfalls.

© Helmuth Weichselbraun
 

Als Franz Pleschiutschnig den wohlbestallten Hof in Ruden vor 23 Jahren von seinem Vater übernahm, erhielt er für einen Kilogramm Milch umgerechnet über 45 Cent. So ein Traumpreis liegt heute in weiter Ferne, übersteigt er doch den Höchstpreis der letzten Jahre von 42 Cent. Die Realität 2016 ist triste: Der Milchpreis sank als Folge der Abschaffung der Milchquoten auf 28 Cent pro Kilogramm, nicht nur für Franz Pleschiutschnig eine an die Substanz gehende Katastrophe.

Vor zwei Jahren, als der Preis gut war, begann der Landwirtschaftsmeister mit dem Bau des neuen Stalles in modernster Folienbauweise und stockte auf 55 Rinder der Rassen Schwarzbunte und Rotbunte auf. Der Altstall, der nicht mehr den Richtlinien entsprach, wird nun für das Jungvieh verwendet.

Ruden: Bauernhof Pleschiutschnig

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Helmuth Weichselbraun
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Die ausgewachsenen Rinder leben in einem hellen, sauberen „Kaltstall“ mit einem Westfalia-Melkroboter, den sich der Bauer zugelegt hat, um flexibler zu sein und körperliche Anstrengungen für sich und seine Frau zu minimieren. Durch das computergesteuerte Robotersystem muss nicht mehr morgens und abends pünktlich gemolken werden, die Kühe können sich melken lassen, wann immer sie wollen. Ihre Milchleistung und Daten hat der Bauer, der die Berglandmilch beliefert, vorher ins Programm eingegeben.

Die Kühe gehen, ausgerüstet mit Computerchips am Fuß und angelockt durch Kraftfutter durch sensorgesteuerte Selektionstore und stellen sich in der Schlange an, bis sie drankommen. „In der Nacht ist mehr Verkehr als am Tag“, erzählt Pleschiutschnig, der mittels Infrarotkamera und Monitor genau verfolgen kann, ob der Roboterarm die Zitzen findet und wie viel Milch in den Tank kommt. Im Büro wird das „Herdenmanagement“ gemacht.

„Die körperliche Tätigkeit im Melkstand fällt weg, dafür muss ich viel mehr kontrollieren und Zahlen auswerten.“ Ein Urlaub mit Gattin Gertrud, mit der er drei Kinder hat, ist trotz Roboter nicht drin, es muss immer jemand in Reichweite sein, wenn der Computer eine Alarm-Meldung auf das Handy schickt.

Kosten nicht gedeckt

Bei einem Stalldurchschnitt von 9500 Liter pro Kuh und Jahr hätte sich die Investition für Stall und Roboter, der alleine schon 150.000 Euro gekostet hat, bei einem Milchpreis von 34 Cent in 15 Jahren amortisiert, hat Pleschiutschnig ausgerechnet. Er wollte seinem Sohn eine Zukunft als Vollerwerbslandwirt sichern.

Doch nun können nicht einmal die laufenden Kosten gedeckt werden. „Bei diesem Milchpreis verdiene ich nichts, ich lege zu jedem Liter Milch Geld dazu“, beschreibt der Landwirt die drastische Situation. Sein Arbeitserlös betrage gleich viel wie damals, als er zwanzig Kühe weniger hatte. Der Betrieb muss Reserven angreifen. „Wir müssen überall sparen“, sagt Gertrud Pleschiutschnig. Damoklesschwert ist die kommende Neuberechnung der Sozialversicherung durch die neue Einheitswertfeststellung. Schon jetzt muss der Betrieb 3400 Euro im Quartal aufbringen.

„Vor 25 Jahren waren die Produktionskosten niedriger, der Holz- und Maispreis höher. Da haben wir Maschinen gekauft. Das ist vorbei“, schildert Franz Pleschiutschnig. Die Hauptschuld an der Misere liege beim Handel, der die Weltmarktsituation ausnütze und den Milchpreis drücke. „Der Konsument hat nichts davon.“ Wenn sich der Milchpreis nicht bessere, werde niemand mehr einen Hof übernehmen wollen. Vor 50 Jahren habe es im Bezirk Völkermarkt 1500 Milchlieferanten gegeben, heute seien es noch 140. „Wir hoffen, dass wir die Kraft haben, trotzdem weiterzumachen.“

ELKE FERTSCHEY

Kommentare (3)

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atbn21x9ftwasqjv57cydtpcs5puonxu
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Aber für die Kälber wird trotzdem noch...

...Milchpulver zugekauft! Wenn man der Aussage des Bauern Glauben schenken darf, dann jammert dieser wohl auf hohem Niveau! Kein wirtschaftlich denkender Unternehmer würde "dazu zahlen"..

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Momi60
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Der einheimische Mensch kann nicht auf einmal so viel mehr Milch kaufen und verbrauchen, wie die Bauern sich wünschen zu erzeugen. Sie müssen einfach... nun, einfach ist es nicht... zurückrudern.

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Sand2
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Blind auf mehr Quantität los Investieren.

Da Papa wird's scho richtn
Da Papa wird's scho richtn
Des ghört doch zu den Pflichten

Papa = der Bund, heute die EU.

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