Das heurige Jahr steht europaweit im Zeichen der Erinnerung: 80 Jahre nach der Befreiung vom NS-Regime mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Quer durch Kärnten setzen sich Institutionen und Vereine mit diesem Thema in Form von Ausstellungen, Vorträgen und vielem mehr, auseinander, so zum Beispiel auch der slowenische Kulturverein KPD Šmihel in St. Michael ob Bleiburg/Šmihel pri Pliberku. Der Verein um Obmann Silvo Jernej erinnert – wie auch andere slowenische Kulturvereine – im Besonderen an die zwangsweise ausgesiedelten Kärntner Sloweninnen und Slowenen.
Im Gebiet der Pfarre St. Michael ob Bleiburg/Šmihel und in der Gemeinde Feistritz ob Bleiburg/Bistrica pri Pliberku – über diese beiden Gebiete erstreckt sich der Tätigkeitsbereich des KPD Šmihel – wurden am 12. April 1942 insgesamt 24 slowenische Familien in verschiedene Lager nach Deutschland zwangsdeportiert. Die Deportation betraf in diesem Fall 164 Personen, davon 54 Kinder. „Wir arbeiten seit dem Frühjahr 2024 an einem Erinnerungs- und Gedenkprojekt, das die lokale Geschichte, die handelnden Akteure und die verschiedenen Opfergruppen beleuchtet“, erklärt Jernej.
Gedenkweg von Feistritz nach Hof
Das Projekt basiert auf mehreren Säulen: So gab es bereits Workshops mit Künstler Albert Mesner in Volksschulen und Workshops in den 4. und 7. Klassen des slowenischen Gymnasiums in Klagenfurt. Außerdem gab es Vorträge und in diesem Rahmen findet auch die Veranstaltung „Skupno na poti – Gedenkweg“ am 27. April, um 14 Uhr, statt. „Treffpunkt ist der Werkhof Bistrica, von dem aus wir fünf Familien besuchen und aus persönlichen Erzählungen vom Schicksal der Ausgesiedelten erfahren. Der Weg führt bis nach Hof“, erläutert der Obmann. Interessierte sind herzlich willkommen, am Gedenkweg teilzunehmen.
Denkmal an der Friedhofsmauer
Am 17. Mai wird schließlich das Denkmal „spuren – sledovi“ an der Friedhofsmauer in St. Michael enthüllt, das von Albert Mesner unter Beteiligung von Volksschulkindern gestaltet wurde und das als „Zeichen der Wertschätzung“ für die Ausgesiedelten gesehen werden soll. „Diesen Menschen wurde die Würde, der Name und die Lebensgeschichte geraubt. Wir wollen ihnen damit ihre Namen und einen Teil ihrer Lebensgeschichte wiedergeben“, so Jernej.
Publikation im Herbst
Im Herbst 2025 soll zum Abschluss des Gedenkprojekts eine zweisprachige Publikation veröffentlicht werden, für die die Psychotherapeutin Gitka Opetnik, die das Projekt wissenschaftlich begleitet, Interviews mit lebenden Vertriebenen und deren Nachkommen geführt hat. „Die traumatischen Ereignisse der Aussiedlung begleiteten meine Mutter bis an ihr Lebensende. Jeden Abend, lange bevor es dunkel wurde, zog sie die Vorhänge in der Küche zu. Die Angst, jemand könnte sie sehen, verstärkte sich mit dem Alter“, lautet etwa ein Auszug aus einem Interview. Oder: „Das Essen im Lager war sehr schlecht. Wenn es dunkel wurde, ging meine Mutter heimlich aus dem Lager und holte bei einem Bauern Milch. Ohne diese Milch hätten wir Kinder diese Zeit nicht überlebt.“ Die Publikation wird auch eine Zusammenfassung der im Rahmen des Gedenkprojekts gehaltenen Vorträge beinhalten.