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Religionen

Jeder fünfte Pflichtschüler in Villach ist Moslem

Kärnten wird vor allem in den Städten immer multikultureller. Landesschulrat und Religionsgemeinschaften reagieren darauf mit interreligiösen Projekten – mit Erfolg. Christlich-muslimisches Freundschaftsbuch ist fast ausverkauft.

Vor allem in städtischen Schulen ist Religionsunterricht für muslimische Kinder verbreitet
Vor allem in städtischen Schulen ist Religionsunterricht für muslimische Kinder verbreitet © Elmar Gubisch
 

Während im einen Raum über die Bibel geredet wird, wird nebenan der Koran gelehrt. In vielen Kärntner Schulen gehört das mittlerweile zum Alltag. In den Städten habe die römisch-katholische Religion ihre Monopolstellung verloren, sagt Landesschulratspräsident Rudolf Altersberger. In Villach etwa ist jeder fünfte Pflichtschüler Moslem. „Da Kärnten über viele ländliche Regionen verfügt, ist das bei uns aber noch nicht so spürbar“, sagt Birgit Leitner, Schulamtsleiterin der Diözese Gurk. Auch besuchen nach wie vor rund 95 Prozent der Schüler mit römisch-katholischem Glauben den Religionsunterricht – im österreichweiten Vergleich sei das beachtlich.

Zahlen

20 Prozent aller Pflichtschüler in Villach sind Muslime, 49 Prozent römisch-katholisch und 15,1 Prozent evangelisch. In Klagenfurt sind 61,3 Prozent der Pflichtschüler katholisch, 15 Prozent Moslems und 6,5 Prozent evangelisch.

72 Prozent der Pflichtschüler in Kärnten sind römisch-katholisch, 10 Prozent evangelisch, 8,2 Prozent Moslems. Bei den AHS sind 85,6 Prozent römisch-katholisch, 11,3 evangelisch und 2,2 Moslems.

Quellen: Landesschulrat für Kärnten, Schulabteilung des Landes.

Auf die neuen religiösen Herausforderungen, die sich durch die zunehmende Interkulturalität in den Kärntner Städten ergeben, reagiert man dennoch – und das höchst erfolgreich. Das christlich-muslimische Freundschaftsbuch, das Bischof Alois Schwarz, Superintendent Manfred Sauer und Esad Memic von der islamischen Glaubensgemeinschaft im Dezember präsentiert haben, ist beinahe ausverkauft. „Wir haben es über die katholische Aktion österreichweit angeboten. Von den 10.000 Exemplaren haben wir nur noch etwa 1000“, sagt Leitner.

In Lehrerausbildung verankern

Auch in der Lehrerausbildung will man neue Wege gehen. „In Zukunft müssen Lehrer interreligiöse Kompetenz nachweisen. Wir versuchen, das in die Lehrerausbildung zu bekommen“, sagt die katholische Schulamtsleiterin. Reger Austausch unter den Religionslehrern findet schon jetzt statt. So gebe es regelmäßige Treffen, die abwechselnd von den katholischen, evangelischen und muslimischen Lehrern organisiert werden und zu denen Vertreter aller Religionsgemeinschaften eingeladen werden – in Kärnten sind das mehr als 30.

Muttersprachen

Kinder an den Kärntner Schulen haben mehr als 60 verschiedene Muttersprachen:Afrikaans, Ägyptisch, Albanisch, Afghanisch, Arabisch, Armenisch, Assyrisch, Bengalisch, Bosnisch, Bulgarisch, Chinesisch, Dari, Englisch, Fiji, Finnisch, Französisch, Georgisch, Griechisch, Hindi, Holländisch, Indonesisch, Isländisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Kosova, Kroatisch, Kurdisch, IKA/Nigeria, Lettisch, Lingala/Kongo, Lingual/Angola, Litauisch, Mazedonisch, Mongolisch, Pashto, Persisch, Philippinisch, Polnisch, Portugiesisch, Punjabi, Punjan, Romanes, Rumänisch, Russisch, Schwedisch, Serbisch, Serbokroatisch, Singalesisch, Slowakisch, Slowenisch, Spanisch, Suaheli, Syrisch, Tadschik, Tagalog, Thailändisch, Tschechisch, Tschetschenisch, Türkisch, Ukrainisch, Ungarisch, Urdu/Pakistan, Usbekisch, Vietnamesisch, Yoruba

Quelle: Landesschulrat für Kärnten

Den interreligiösen Austausch forciert man auch in den Berufsschulen. „Schüler sprechen dabei mit katholischen, evangelischen und muslimischen Religionslehrern über bestimmte Jahresthemen, wie Abtreibung, Euthanasie, oder Eingriff in die Genetik“, sagt Altersberger. Obwohl die Teilnahme freiwillig sei, sei das Interesse groß. Von der Idee, Religions- durch Ethikunterricht zu ersetzen, hält er wenig: „Da sind die Auffassungsunterschiede zu groß. Manche wollen das nur für Kinder, die kein Bekenntnis haben. Andere wollen das für alle.“ Interreligiöse Kompetenz in der Lehrerausbildung zu verankern, hält er für sinnvoll.

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Danke für Ihr Verständnis.

mapem
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Eh klar ...

und zum BZÖ-Prozess ist das Forum wieder mal zu!

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frdotter
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Muttersprache: Österreichische Gebärdensprache

Leider wurde bei der Aufzählung der Muttersprachen die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) vergessen. Diese ist verfassungsmäßig anerkannt (Artikel 8, Absatz 3 B-VG). Leider ist das Bildungsministerium immer noch säumig, der ÖGS-Sprachgemeinschaft dieselben Rechte zuzuerkennen wie den Verwender_innen der österreichischen gesprochenen Minderheitensprachen und der Migrantensprachen. Deshalb hoffe ich, dass dieser Fehler Schlamperei war und nicht politisch vorauseilender Gehorsam gegenüber dem Ministerium.

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411879RUSS
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Ausbildung und Bezahlung?

Mich würde interessieren, wie die Ausbildung von Islam - Lehrern aussieht. Werden sie gleich bezahlt wie katholische und evangelische Religionslehrer? Diese haben eine mehrjährige Ausbildung an pädagogischen Hochschulen.

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t4iodsg2mub0cw7fz3r9qcw2dogdsv2z
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Mal sehen...

Die Uni Wien plant, ab Herbst 2016 ein islamisch-theologisches Studium anzubieten, um als islamische/r Religionslehrer/in an höheren Schulen tätig sein zu können....

Und ich dachte, da werden Strohalme gezogen.....

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