16 Straßen in Villach werden mit Zusatztafeln wider das Vergessen versehen. Das ist nach einer Prüfung des Historikers Werner Koroschitz vom Verein „Industriekultur und Alltags-geschichte“ jetzt bestätigt. Der Historiker wurde von der Stadt Villach beauftragt, historisch belasteten Straßennamen im Stadtgebiet zu prüfen. „Geschichte lebendig und sichtbar machen, dabei nichts beschönigen und nichts auslöschen. Das ist das Ziel des Projektes“, sagt Bürgermeister Günther Albel (SPÖ).

Nach akribischer Recherche hat Koroschitz eine umfangreiche Liste vorgelegt. Bei 16 der angeführten Namen ist die historische Belastung derart stark, dass die Stadt Villach in den kommenden Tagen zusätzliche Informationstafeln anbringen wird. Es handelt sich um Personen, deren Verstrickung mit dem NS-Regime deutlich über das übliche Maß an Opportunismus und Mitläufertum hinausgegangen ist. Ein Beispiel ist etwa die Ottokar-Kernstock-Straße. Sie ist nach einem Literaten benannt, der ob seines kriegsverherrlichenden und deutsch-völkischen Schaffens als ideologischer Wegbereiter des Nationalsozialismus gilt. „Straßennamen sind Teil des kollektiven Gedächtnisses einer Stadt. Mit der Namensgebung wird ein bestimmtes Geschichtsbild vermittelt und somit auch Geschichtspolitik betrieben“, erklärt Historiker Koroschitz die Bedeutung des Projekts.

Bereits vor den Zusatztafeln für belastete Straßennamen hat die Stadt Villach im Vorjahr begonnen, rund 270 informative Ergänzungstafeln bei anderen Straßenschildern anzubringen. Sie sollen als grundsätzliche Information für die Bevölkerung dienen.