Wenn Christoph Hubmann heute über sein Leben spricht, klingt da kein Pathos mit, kein Selbstmitleid. „Ich war vom ersten Moment an motiviert, das Beste daraus zu machen“, sagt der 41-Jährige. Und man glaubt ihm. Trotz seines Schicksals hat er weder seine Lebensfreude noch seinen Humor verloren, nach jenem Unfall, der die Familie von einem Tag auf den anderen noch enger zusammenschweißte.
Im März 2023 verunglückte der Familienvater bei einem Rodelausflug mit seiner Tochter. Er kam von der Strecke ab, blieb liegen und spürte seinen Körper nicht mehr. Die Diagnose: Tetraplegie, eine Querschnittlähmung, bei der alle vier Gliedmaßen betroffen sind. Glück im Unglück: Bei den Untersuchungen wurde ein Gehirntumor entdeckt, der erfolgreich operiert werden konnte. Seither ist Hubmann auf den Rollstuhl angewiesen. Ein zweiter Sturz in der Reha brachte zusätzliche Nervenschmerzen, die ihn bis heute begleiten. „Viele glauben, man spürt halt die Füße nicht. Aber das ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit.“
Was folgte, waren Monate der Reha und ein radikaler Umbau. Das Reihenhaus wurde adaptiert, das zukünftige Auto technisch aufgerüstet. 105.000 Euro kostete allein der Umbau des Wagens. Gesteuert wird heute mit Handgas, Speziallenkung und Sprachbefehlen. „Alles, wofür man normalerweise Finger braucht, sage ich dem Auto einfach.“ Trotz aller futuristischer Technik, dauert es jedoch seine Zeit, bis er im Auto sitzt und losfahren kann. „Schnell ins Geschäft fahren, spielt es bei mir eher nicht“, scherzt der zweifache Familienvater.
Er gibt wichtige Tipps und intime Einblicke in sein Leben
Hubmann war und ist IT-Techniker und er beschloss früh, sein neues Leben nicht nur zu organisieren, sondern sichtbar zu machen. Auf dem Onlineportal rollforward.at dokumentiert er seit kurzem seinen Alltag im Rollstuhl und das humorvoll, und manchmal sogar provokant. „Ich sehe mich nicht als Influencer", sagt er und lacht. „Aber wenn ich mit meinen Erfahrungen jemandem helfen kann, dann mache ich das.“
Seine Plattform richtet sich an frisch Verletzte und deren Angehörige. Dort geht es um Förderungen, Hautpflege, Blasen- und Darmmanagement, Reisen, Autoumbauten und um psychischen Fragen. „Meine Frau hat am Anfang nicht gewusst: Wo fange ich an? Was beantrage ich? Wen kann ich fragen? Genau da will ich Antworten liefern.“
Er träumt von einer verspäteten Hochzeitsreise nach Hawaii
Dabei setzt Hubmann bewusst auf Humor. „Wenn ich nicht darüber lachen kann, frisst es mich auf." Auch schwierige Themen wie chronische Nervenschmerzen oder Harnwegsinfektionen beschreibt er offen. „Man leidet permanent – Brennen, Stromschläge, Kribbeln. Aber man lernt, damit umzugehen." Seine Familie ist dabei immer seine Stütze gewesen. „Wo ich heute wäre, wenn ich sie nicht hätte, weiß ich nicht“, und blickt seine Frau an. Es ist ein intimer Moment voller Liebe.
Er schreibt auch über Flugreisen mit eigenem Sitzpolster, über Hitze, die für Querschnittgelähmte gefährlich werden kann, über Missverständnisse im Alltag. „Die Leute sind meist nicht böse. Sie wissen es einfach nicht." Genau deshalb will er aufklären – ohne erhobenen Zeigefinger. Die nächste Reise ist schon geplant. Es geht in den Osterferien nach Dubai. „Ich habe die 50 Grad Hitze in der Türkei überlebt, obwohl ich nicht mehr richtig schwitzen kann, dann sind die 30 Grad in Dubai ein Klacks“, erklärt Hubmann. Einen Traum möchte er sich noch erfüllen. „Meine Frau und ich hatten nie eine Hochzeitsreise. Ich trainiere, damit wir irgendwann nach Hawaii fliegen können.“