Der Applaus kommt verlässlich. Er brandet auf, erfüllt das ausverkaufte Kulturhaus Weißenstein, er lässt die Anspannung der vergangenen Wochen abfallen. Wenn auf und hinter der Bühne alles gut gegangen ist, ist Zahltag und das mit Applaus. Seit 80 Jahren ist dieser Moment der Lohn für unzählige Stunden Arbeit bei der ATG Weißenstein, der ältesten noch aktiven Theatergruppe Kärntens. Heuer steht mit „Ladies Night“ die 170. Produktion bevor.

Dieter Nagelschmied und Silvia Barzauner sind zwei der unzähligen Akteure, die zweimal pro Jahr auf der Bühne in Weißenstein stehen
Dieter Nagelschmied und Silvia Barzauner sind zwei der unzähligen Akteure, die zweimal pro Jahr auf der Bühne in Weißenstein stehen © KK/ATG Weißenstein

Nicht alle Mitglieder stehen auf der Bühne

40 aktive Mitglieder zählt die Gruppe derzeit. Beim aktuellen Stück stehen sechs Schauspieler auf der Bühne, mehr als drei Dutzend sorgen im Hintergrund dafür, dass alles läuft, sei es der Bühnenbau, Technik, Maske, Kostüme, Organisation oder Gastronomie. „Die Freude am Theater und an der Gemeinschaft treibt uns an. Wir sind eine große Familie“, sagt Obfrau Silvia Barzauner, die 1976 das erste Mal auf der Bühne stand und heuer 50-jährige Mitgliedschaft feiert. In ihrer Familie ist diese Verbundenheit gelebte Tradition, schon ihre Eltern spielten bei der ATG Weißenstein, heute stehen auch ihre beiden Töchter auf der Bühne.

Eine Produktion entsteht in acht intensiven Wochen. Drei Mal pro Woche wird geprobt, jeweils zwei bis drei Stunden. Dazu kommen Bauarbeiten an der Bühne, Abstimmungen zur Technik, organisatorische Abläufe. Jede Inszenierung stellt andere Anforderungen, „einmal verlangt das Stück ein aufwendiges Bühnenbild, ein anderes Mal sind es musikalische oder technische Feinheiten, die Präzision fordern“, erklärt Dieter Nagelschmied, der seit 1991 regelmäßig auf der Bühne steht. Finanziert wird all das ohne öffentliche Förderungen, ausschließlich durch Kartenverkauf und Sponsoren.

170 Produktionen in 80 Jahren

Gegründet wurde die „Arbeitertheatergemeinschaft“ am 1. Dezember 1946, erst 1996 fand die Umbenennung auf den aktuellen Namen „Amateuertheatergruppe Weißenstein“ statt. Bereits im Jänner 1947 feierten die Mitglieder mit „Jessas da Storch“ ihre Bühnentaufe. In den folgenden Jahrzehnten wuchs das Repertoire stetig. 1958 wurde mit „Der verkaufte Großvater“ das bislang längste Stück mit über drei Stunden Spieldauer aufgeführt, 1989 markierte „Der Hirman ob Weißenstein“ als 100. Produktion einen Höhepunkt. 1998 ist seit der Gründung das einzige Jahr, an dem nicht gespielt wurde. Der Grund war der Umbau des Kulturhauses. Immer wieder setzte die ATG mutige Akzente, etwa im Jubiläumsjahr 2016 mit der im Stil eines Schwarz-Weiß-Films inszenierten „Mausefalle“. Ein emotionaler Höhepunkt war die Verleihung des Kärntner Landeswappens im März 2017 durch den Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ).

„169 Stücke in 79 Jahren – das schafft man nur mit Zusammenhalt und Verlässlichkeit“, betont Nageschmied. Zweimal jährlich – im März und im November – bringt die Gruppe ländliche Lustspiele und Boulevardkomödien auf die Bühne. Die Auswahl trifft der Regisseur, abhängig davon, wie viele Schauspieler zur Verfügung stehen. Ein Regisseur , der für über 50 Inszenierungen in Weißenstein verantwortlich zeichnete, war Adi Peichl, bekannt als tolpatschiger Concierge Malek in der Serie „Ein Schloss am Wörthersee“.

Jubiläumsjahr wird mit einer Boulevardkomödie eingeläutet

Die 80-Jahr-Jubiläumsfeierlichkeiten werden am 8. März mit allen ehemaligen Spielerinnen und Spielern eingeläutet. Zuvor hebt sich am 6. März erstmals der Vorhang für „Ladies Night“, die 170. Produktion der Theatergruppe. Drei arbeitslose Freunde in einer englischen Industriestadt stehen vor dem Nichts: kein Job, Geldsorgen, bröckelnde Beziehungen. Aus einer spontanen Idee entsteht ein waghalsiger Plan. Sie gründen eine Männer-Showtanzgruppe namens „Die Wilden Stiere“. Was folgt, sind turbulente Proben, schräge Typen beim Casting und jede Menge Selbstzweifel. Zwischen nackten Tatsachen und großer Nervosität entdecken die Männer jedoch auch Mut und Zusammenhalt. Und wenn dann wieder Applaus durch das Kulturhaus in Weißenstein hallt, wird die Geschichte der ATG weitergeschrieben.