Fachkräftemangel trotz Arbeitslosigkeit – was paradox klingt, kennzeichnet nach wie vor den Tiroler Arbeitsmarkt. Besonders Personen mit geringer Qualifikation oder verschiedensten Vermittlungseinschränkungen sind von Arbeitslosigkeit betroffen. Deshalb beschloss die Landesregierung auf Antrag von Arbeitslandesrätin Astrid Mair (ÖCP), über 1,5 Millionen Euro an Zuschüssen für sieben sozialökonomische Betriebe bereitzustellen. Zwei davon befinden sich in Osttirol, genauer in Lienz: die Tischlerei „Schindel und Holz“ sowie die Secondhand-Boutique und Änderungsschneiderei „Gwandolina“.

Bunte Möglichkeit der Beschäftigung

Gwandolina wird getragen vom 1997 gegründeten Verein SOFA (Soziale Osttiroler Frauenprojekte für Arbeitssuchende). Frauen finden dort für die Dauer von einem Jahr einen Arbeitsplatz. In den verschiedenen Betriebsbereichen und durch sozialpädagogische Beratung wird eine „bunte Möglichkeit der Beschäftigung und Qualifizierung“ geboten, was die Chancen am Arbeitsmarkt erhöht. Bereits 1990 wurde der Verein OSPA (Osttiroler Sozialprojekt für Arbeitssuchende) ins Leben gerufen, der den Betrieb Schindel und Holz betreibt. Aktuell arbeiten 22 Transitarbeitskräfte, drei Lehrlinge und 20 Schlüsselkräfte in der Tischlerei mit angeschlossenem Verkauf sowie Mobilservice.

Die Secondhand-Boutique Gwandolina ist am Europaplatz in Lienz zu finden
Die Secondhand-Boutique Gwandolina ist am Europaplatz in Lienz zu finden © Janzen

Die Gesamtkosten der sozialökonomischen Betriebe belaufen sich heuer auf rund 21,7 Millionen Euro. Die Eigenerwirtschaftung liegt bei etwa 50 Prozent, der restliche Finanzierungsbedarf verteilt sich auf die Fördergeber Land Tirol und Arbeitsmarktservice Tirol sowie Finanzierungspartner wie Sozialministeriumsservice und Gemeinden. „Die sozialökonomischen Betriebe stellen eine unverzichtbare Unterstützung für langzeitarbeitslose Personen zur Arbeitsmarktintegration dar“, erklärt Mair.

Landesrätin Astrid Mair ist zuständig für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Tirol
Landesrätin Astrid Mair ist zuständig für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Tirol © Land Tirol / Sedlak

Im Jahresschnitt beschäftigen die sozialökonomischen Betriebe Tirols rund 200 Transitarbeitskräfte. Der Anteil an Personen, die am „ersten Arbeitsmarkt“ wieder Fuß fassen, liegt bei rund einem Drittel. Mair verweist auch auf die psychosoziale Bedeutung: „Im Zuge dieser Tätigkeiten finden langzeitarbeitslose Menschen nicht nur wieder ins Arbeitsleben zurück, sondern erlangen ein neues Selbstbewusstsein durch die erbrachten Arbeitsleistungen.“