Fleißige Hände samt schwerem Gerät und dem einen oder anderen Laufmeter Maschinenschnee haben in den vergangenen Tagen viel geschafft: In den Osttiroler Tälern sowie im Lienzer Talboden sind aktuell zehn Rodelbahnen mit in Summe rund 20 Kilometern Strecke im Betrieb, auch wenn der bis dato letzte Schneefall am 24. Dezember dafür alleine nicht gereicht hätte. Die niedrigen Temperaturen sorgen jedoch allerorts für sehr gute Bedingungen.

Rodeln im Herzen der Dolomiten

Schon am Christtag konnte in Tristach Armin Zlöbl, „Herr“ über die Naturrodelstrecke ab der Dolomitenhütte, deren Öffnung verkünden. Zwar bisher nur im oberen Abschnitt von der „Dolo“ bis zum Kreithof, aber so sind es bereits stolze 4,2 Kilometer auf 585 Höhenmetern. Und es soll noch weiter hinab gehen: „An der ‚unteren‘ Naturrodelbahn bis zum Sportplatz Tristach arbeiten wir. Leider kam dafür zu wenig Naturschnee, aber wir schauen, was wir bewerkstelligen können“, sagt der Obmann der Straßeninteressentengemeinschaft. Aktuell wird zumindest fleißig Schnee im unteren Abschnitt produziert.

Achtung: Wie in den Vorjahren gelten zwischen Dolomitenhütte und Kreithof spezielle Kfz-freie Rodelzeiten, nur zu denen darf man sich bergab auf den Schlitten schwingen – ansonsten „gehört“ die Dolomitenstraße etwa den Traktoren zur Holzbringung. Die Zeiten und alle Infos auch zu den angebotenen Shuttle-Diensten finden sich unter www.rodelnintristach.info.

Highlight im Talboden

Pünktlich zu Silvester vermeldete auch die Naturrodelbahn Lienzer Dolomiten in Leisach freie Bahn. „Ein bisschen Naturschnee, viele fleißige Hände, jede Menge PS, die finanzielle Unterstützung der Gemeinden Amlach und Leisach sowie des Tourismusverbandes Osttirol haben es möglich gemacht, die Naturrodelbahn endlich wieder zu öffnen“, so die Betreiber per Facebook – nachdem sich in den vergangenen zwei milden Wintern nur ein Band aus Schneematsch und brauner Erde von der Starthütte bis zum Zielbogen zog.

Die bis 22 Uhr beleuchtete Naturrodelbahn Lienzer Dolomiten ist nur etwas mehr als einen Kilometer lang, sie gilt dank ihrer kurvenreichen Charakteristik mit sieben gut gesicherten Kehren auf rund 160 Höhenmetern dennoch als Highlight im Lienzer Talboden – und befindet sich im Topzustand. Für den Aufstieg benötigt man circa eine halbe Stunde, von der auf rund 850 Meter Höhe gelegenen Vereinshütte aus genießt man einen Panoramaausblick auf die Stadt Lienz und die ins Winterkleid gehüllten „Schattseit‘n“-Gemeinden Tristach, Amlach und Leisach.

Kurze Familienstrecke in Dölsach

Klein, aber fein geht es im Lienzer Becken mit der unweit der Naturbrennerei Kuenz gelegenen Rodelstrecke in Dölsach, genauer gesagt Gödnach, weiter. Vor allem Familien kommen auf der kurzen, prima hergerichteten Strecke mit 700 Metern Länge auf ihre Kosten. Die 80 Höhenmeter Aufstieg erfolgen gemütlich am Rand der direkt neben der Rodelbahn befindlichen Straße. Die Rodelstrecke Alter Rabantweg Nikolsdorf („Buchenschuss“) ist bei sehr guten Verhältnissen ebenfalls offen: Auf rund einem Kilometer Länge lassen sich 130 Tiefenmeter hinab rodeln, Highlight ist die Fahrt durch einen 120 Meter langen, beleuchteten Tunnel.

Tragischerweise ereignete sich in der Nähe der Nikolsdorfer Strecke am Neujahrstag ein folgenschwerer Unfall. Ein 63-jähriger Osttiroler fuhr mit seiner 58-jährigen Gattin zusammen auf einer Rodel auf einer oberhalb der eigentlichen, mit Planken geschützten Rodelbahn verlaufenden Forststraße talwärts In einer leichten Linkskurve kamen die beiden von der Straße ab und stürzten rund 75 Meter über steiles, felsiges Gelände ab. Der Mann erlag an der Unfallstelle seinen Verletzungen, seine Frau wurde mit schwersten Verletzungen mittels Tau geborgen.

Generell gilt auch auf den meisten Rodelbahnen selbst erhöhte Vorsicht, da abseits der Strecken oft kaum oder kein Schnee liegt. Auch die „natürlichen“ Wände aus Schnee seitlich der Strecken fehlen, sodass selbst harmlose Stürze ernste Folgen haben können.

„Bahn frei“ im Villgraten- und Defereggental

Am Talschluss des Villgratentals lockt die erst kürzlich mit dem Tiroler Gütesiegel ausgezeichnete Rodelbahn Kalkstein. Sie führt ab der bewirtschafteten Badl-Alm auf 1640 Meter Höhe bis hinab zur Alpenpension (1,5 Kilometer, 80 Höhenmeter). Zwei Rodelstrecken warten in St. Jakob im Defereggental auf Kufenflitzer. Glanzstück ist die beleuchtete Bahn ab der Alpe Stalle oberhalb von Maria Hilf. 1,8 Kilometer auf 190 Höhenmetern sind derzeit laut Infos des Tourismusverbandes Osttirol befahrbar. Rodelfreude für die ganze Familie gibt es auf der Oberweissen-Bahn. 300 sanfte Meter stehen parat, der Aufstieg ist sogar für die Kleinsten unter den Kleinen gut machbar. Schlitten kann man im täglich bewirtschafteten Oberweissen Hittl ausleihen. Für die Erwachsenen gibt es zudem eine Sonnenterrasse zum Relaxen, während die Kinder immer im Blickfeld bleiben.

Auch in der Nationalparkregion wird gerodelt

Von der bewirtschafteten Würfelehütte im Virgental kann man eine 2,1 Kilometer lange, beleuchtete Schlittenfahrt genießen
Von der bewirtschafteten Würfelehütte im Virgental kann man eine 2,1 Kilometer lange, beleuchtete Schlittenfahrt genießen © TVB / Würfelehütte

Länger ist man in Kals unterwegs. Die beleuchtete Strecke Fallwindes vereint romantischen Aufstieg und urige Einkehrmöglichkeit in der Rodelhütte mit einer 1,5 Kilometer langen Abfahrt. Auch die Rodelstrecke im Skigebiet Großglockner Resort ist freigegeben. Für diese ist eine bequeme, kostenpflichtige Auffahrt mit der Gondelbahn zur Mittelstation Gorneralm samt Rodel möglich. Es gilt jedoch zu beachten, dass es sich bei der Strecke über 4,1 Kilometer auch um einen Skiweg mit entsprechendem „Verkehr“ handelt. Im Tal angekommen, offerieren sich gemütliche Einkehrmöglichkeiten beim Temblerhof oder in der Gamsalm. Zu guter Letzt: Oberhalb von Virgen bietet die beleuchtete, 2,1 Kilometer lange Bahn ab der kultigen Würfelehütte (bewirtschaftet, Rodelverleih um drei Euro) gute Bedingungen.