Die Liebburg ist das Aushängeschild der Stadt Lienz. Der historische Prunkbau beherrscht die südliche Kulisse des Hauptplatzes. Doch rund 40 Jahre nach dem Umbau zum Rathaus nagt der Zahn der Zeit inzwischen deutlich sichtbar an der Fassade. Das Amtsgebäude muss dringend saniert werden. Der Gemeinderat hatte im Budgetvoranschlag für das laufende Jahr 80.000 Euro für diese Arbeiten vorgesehen.
Kosten von mehr als 200.000 Euro übersteigen den Haushaltsplan
Mit dieser Summe dürfte jedoch nur ein Drittel der notwendigen Restaurierung bedeckt sein. Die Stadt hat fünf Firmen um eine Angebotslegung gebeten und ihnen dazu ein detailliertes Leistungsverzeichnis übermittelt. Bestbieter war schließlich die Malerei Michael Musner aus Leisach mit einem Kostenvoranschlag über knapp 230.000 Euro. „Die Firma Musner hat uns in einem Begleitschreiben weiters Anmerkungen übermittelt, die wir mit dem Denkmalamt besprochen haben“, führte die Bürgermeisterin Elisabeth Blanik (SPÖ) in der jüngsten Gemeinderatssitzung aus. Die Denkmalschützer stimmten der Materialauswahl des Bestbieters zu. Außerdem sicherte Michael Musner der Stadt zu, dass die Restaurations-Werkstätten Pescoller aus Bruneck die fachgerechte Ausführung der Arbeiten überwachen werden. Das teuerste Angebot lag mehr als 100.000 Euro über jenem des Bestbieters.
Die Schäden an der Außenhaut des Gebäudes sind längst nicht mehr zu übersehen. Blanik: „Wenn man sich die Wand Richtung Stadtlabor anschaut, fällt einem das sofort auf.“ Gemeinderat Manuel Kleinlercher (FPÖ) wies auf offenkundige Mängel auf der gegenüberliegenden Gebäudeseite hin. Die Schäden wurden per Drohne und im Zuge einer Begehung begutachtet. Die notwendigen Arbeiten sollen noch heuer beginnen, die Liebburg wird dazu eingerüstet. Der zweite Teil der Restaurierung erfolgt erst im nächsten Jahr. Auch die Abrechnung soll auf die beiden Rechnungsjahre verteilt werden.
Die Stadtverwaltung hat Ansuchen um Fördergelder gestellt
Die Stadtverwaltung hat zur Teilfinanzierung Förderanträge gestellt, und zwar an das Bundesdenkmalamt, an die Kulturabteilung des Landes Tirol und an die Landesgedächtnisstiftung. Noch sind keine Rückmeldungen eingelangt, doch die Stadt dürfe mit einer Unterstützung im Bereich von zehn bis bestenfalls 50 Prozent rechnen, führte die Bürgermeisterin aus. Auf die Frage Kleinlerchers, ob die Fassade nicht großflächig ausgebessert, vielleicht sogar der Putz erneuert werden müsse (“Man weiß ja nicht, was daherkommt)“, antwortete Blanik: „Die Liebburg ist ein denkmalgeschütztes Gebäude. Aus meiner Erfahrung mit dem Bundesdenkmalamt bei der Tamerburg weiß ich, dass man in einem solchen Fall mit kleinen Pinseln und Werkzeugen vorgeht.“
Die Liebburg ist ein ehemaliger Ansitz am Hauptplatz. Sie wurde Anfang des 17. Jahrhunderts erbaut und war von 1608 bis 1653 Wohnsitz der Freiherren von Wolkenstein-Rodenegg. Seit 1988 dient sie als Rathaus der Stadt Lienz.