Wirt Wolfgang Ladstätter kämpft, wie viele seiner Kollegen in Osttirol, mit akutem Personalmangel. „Man findet kaum noch Leute, die Bock haben auf Gastro. Wer Lust verspürt, soll sich bitte bei mir melden.“ Ladstätter bewirtschaftet die Hochsteinhütte auf 2023 Metern Seehöhe. Die Hütte gehört dem Alpenverein.

Die Hochsteinhütte ist ein beliebtes Wanderziel und auch mit dem Auto erreichbar
Die Hochsteinhütte ist ein beliebtes Wanderziel und auch mit dem Auto erreichbar © KK/Alpenverein

Selbstbedienung und eingeschränkte Öffnungszeiten

„Aus der Not heraus stellen wir gerade auf Selbstbedienung um“, führt der Hüttenwirt aus. Das bedeutet, dass die Gäste ihre Bestellungen selbst bei der Getränkeausgabe aufgeben, und zwar entweder auf der Terrasse, oder innen an der Bar. Man bezahlt sofort, die Getränke und Mahlzeiten werden dann zum Tisch serviert. „Sechs bis sieben Leute sind trotzdem notwendig, damit Qualität und Geschwindigkeit der Küche aufrecht bleiben. Und die Gäste haben durchweg Verständnis“, erklärt der Gastgeber. Besonders häufig gewünschte Schmankerln sind Deferegger Schlipfkrapfen von Lydia Nöckler und das Knödeltrio, entweder mit Sauerkraut oder in der Suppe. „Regionale, ehrliche Küche“, so beschreibt Ladstätter sein kulinarisches Angebot.

Der Personalmangel zwingt den Hüttenwirt zu angepassten Öffnungszeiten: In der Nebensaison bleibt die Hochsteinhütte montags und dienstags geschlossen, sowie im Juli, August und bis Mitte September weiterhin am Montag zu. Gastbetrieb ist von 10 bis 17 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten finden Wanderer und Biker auf der Terrasse einen Kühlschrank mit Getränken vor. Für diese Erfrischung vertraut der Wirt auf die Ehrlichkeit seiner Besucher und stellt eine Kasse auf. Ladstätter selbst fährt nur einmal in der Woche für den Einkauf ins Tal. Seine Mitarbeiter pendeln dagegen täglich über die Mautstraße von Bannberg aus zu ihrem Arbeitsplatz. Nur für Abendreservierungen und das beliebte Sonnenaufgangs-Frühstück gibt es auf Vorbestellung beim Service weiterhin keine Einschränkungen: „In diesem Fall bleiben meine Leute natürlich auf der Hütte.“

Das Aus für den Skibetrieb am Hochstein wird zu spüren sein

Das endgültig verkündete Aus für den Winterbetrieb am Hochstein trifft den Hüttenwirt zwar nicht massiv, weil die dritte Sektion des Skigebiets, ein alter Schlepplift, ohnehin nur nach reichlichen Schneefällen und für wenige Wochen in Betrieb gehen konnte. „Trotzdem werden wir einen Besucherrückgang spüren. Ich mache mich vom Liftbetrieb und der Rodelbahn in die Stadt unabhängig und tüftle gerade an meinem zukünftigen Konzept.“

Im Nahbereich der Hütte befindet sich die Friedensglocke
Im Nahbereich der Hütte befindet sich die Friedensglocke © KK/Privat

Nach der Sommersaison plant der gelernte Tischlermeister den Umbau von fünf Doppelzimmern. Zwei sollen sich dank des außergewöhnlichen Panoramablicks auf die Bergketten rund um den Lienzer Talboden besonders empfehlen. „Im Winter wird es keinen Tagesbetrieb geben, das geht sich aufgrund der niedrigen Frequenz unmöglich aus“, erklärt Ladstätter. Stattdessen schnürt er Pakete mit drei Übernachtungen von Donnerstag bis Sonntag in der kalten Jahreszeit: „Möglich sind hier oben zum Beispiel Schneeschuhwanderungen. Wegen der unvergleichlichen Lage auf dem Gebirgsplateau ist das ungefährlich. Ich stelle mir Mini-Urlaube vor: Zum Entspannen in netter Gesellschaft am Berg, bei guten Weinen, leckerer Küche nach Wunsch und völlig befreit vom Alltagsstress.“ Auf der Hütte bereitet Ladstätter seinen Gästen einen „analogen“ Empfang: Er empfiehlt Brettspiele anstatt Displays und Musikinstrumente statt Klängen „aus der Konserve“.

Die Hochsteinhütte ist Ausgangspunkt für leichte Wanderungen im Hochgebirge
Die Hochsteinhütte ist Ausgangspunkt für leichte Wanderungen im Hochgebirge © KK/Privat

„Kunst am Berg“ macht die Hochsteinhütte zum Veranstaltungsort

Ein persönliches Anliegen ist dem Gastwirt „Kunst am Berg“. Am Sonntag, dem 29. Juni, lädt der Maler und Musiker Rolo Geisberg zu einer Live-Performance auf der Hochsteinhütte. Auf einem Bankerl hinter dem Haus können die Besucher ein akustisches Kunstwerk anhören: Der verstorbene Lienzer Produzent, Moderator und Schriftsteller Andreas Weiskopf liest seinen Text „Die Erschöpfung“, musikalisch unterlegt mit einer Komposition von Geisberg. „Schauen wir auf das, was wir haben in Osttirol“, meint Ladstätter. „Und nicht auf das, was wir vermeintlich haben müssten.“