Der Ruf nach der Bergrettung erklang im Vorjahr in Osttirol häufiger als je zuvor. Insgesamt 208 Mal mussten die Bergretter ausrücken. Damit stiegen die Einsatzzahlen im Vergleich zu 2023 – da waren es 154 – enorm und erreichten ein Rekord-Niveau, was sich bereits durch den Höchststand im Sommer abzeichnete. Bezirksleiter Peter Ladstätter: „Das lag auch am guten Wetter. Zwar gab es im September einen kleinen Wettereinbruch, aber der Oktober war wieder schön. Dann gehen die Leute natürlich mehr in die Berge.“ Starke Anstiege gab es laut Ladstätter vor allem in den immer beliebter werdenden Bikeparks in Lienz und Kals.

Weiterhin viele Arbeitsunfälle im Forst

Der Bergretter aus dem Defereggental weist darauf hin, dass durch die alpine Landschaft in Osttirol das Einsatzspektrum extrem breit gefächert ist: „Wir werden zu jedem Einsatz im freien alpinen Gelände gerufen. Bei uns ist aber neben nahezu jedem Weg, neben jeder Straße freies alpines Gelände. Wenn jemand 100 Meter neben dem Weg liegt, sind zunächst wir gefragt, ehe wir zum Beispiel an das Rote Kreuz übergeben.“ Daher stehen neben klassischen Bergeinsätzen auch Sucheinsätze, Assistenzeinsätze bei Verkehrsunfällen oder Waldbränden sowie Arbeitsunfälle im Gelände auf der Tagesordnung. So auch einer der dramatischsten Einsätze des Jahres, als oberhalb der Schildalm im Tauerntal ein Raupenbagger abstürzte. Der Fahrer überlebte das Unglück nicht.

Peter Ladstätter leitet die Bergrettung in Osttirol
Peter Ladstätter leitet die Bergrettung in Osttirol © Ruggenthaler

Weiterhin auf hohem Niveau bewegen sich die Einsätze im Forst: „Durch die aufwendigen Arbeiten in Folge des Borkenkäferbefalls der vergangenen Jahre haben auch die Unfälle deutlich zugenommen“, sagt Ladstätter, der dabei auf die tödlichen Gefahren hinweist: „Es gibt da eine Richtzahl: Auf 200.000 aufgearbeitete Festmeter Holz kommt ein Toter.“

Die Ski-Hochtourensaison könnte problematisch werden

Mit Sorge blickt Ladstätter auf die noch gar nicht begonnene Ski-Hochtourensaison in der Venediger- und Glocknerregion: „Hier werden voraussichtlich mehrere Probleme zusammenkommen. Aufgrund der wenigen Schnees sind die Gletscherspalten nicht gefüllt, wodurch wir eine besonders hohe Gefahr von Spaltenstürzen befürchten. Zudem begleitet uns den ganzen Winter ein Altschneeproblem mit ungünstigem Schneedeckenaufbau sowie extremen Windverfrachtungen. Die Lawinengefahr dürfte daher massiv bleiben.“

Das Lucknerhaus in Kals ist beliebter Ausgangspunkt für Hochtouren, etwa auf den Großglockner
Das Lucknerhaus in Kals ist beliebter Ausgangspunkt für Hochtouren, etwa auf den Großglockner © Lucknerhaus.at

Landesweit leichter Rückgang der Einsätze

Anders als in Osttirol gab es landesweit einen leichten Rückgang: Zu 3499 Einsätzen wurde die Bergrettung Tirol gerufen, 159 Einsätze weniger als im Jahr 2023, jedoch häufiger als in den Jahren davor. Auf den Bezirk Lienz und seine acht Ortsstellen Defereggen, Kals, Lienz, Matrei, Obertilliach, Prägraten, Sillian und Virgen entfielen sechs Prozent der Einsätze, wobei die 536 Osttiroler Bergretter rund ein Sechstel der Fläche Tirols betreuen. Die häufigsten Einsätze verzeichnete der Bezirk Kitzbühel mit 24 Prozent, vor Imst (13 Prozent), Reutte und Schwaz (je zwölf Prozent).

Die meisten Unfälle passierten absolut gesehen nach wie vor durch Stürze und Ausrutscher beim Wandern mit 27 Prozent der versorgten Patienten. Danach folgt das Skifahren mit 23 Prozent, neun Prozent der Patienten waren mit dem (E-)Mountainbike unterwegs.

Der Trend der letzten Jahre zeigt die Wetterabhängigkeit der Einsätze der Bergrettung Tirol. In den Sommermonaten Juli und August sowie im „Skimonat“ Jänner mussten die Bergretter so oft ausrücken, wie nie zuvor in diesen Monaten. Generell sieht Ekkehard Wimmer, Landesleiter der Bergrettung Tirol, skeptisch in die Zukunft: „Die Einsätze bleiben auf hohem Niveau. Sollten die Einsatzzahlen in den nächsten Jahren weiter steigen, ist es eine große Herausforderung, dies weiterhin ehrenamtlich abzuwickeln.“

Ladstätter sieht dies für Osttirol trotz des starken Anstiegs weniger dramatisch: „Natürlich ist es herausfordernd, aber wir geben unser Bestes und es bleibt machbar. Ich denke, dass wir jetzt eine Spitze erreicht haben und rechne nicht mit einem weiteren deutlichen Anstieg.“