Eine dicke Schneedecke liegt über der Landschaft. Die meisten Igel haben sich schon Anfang Dezember in ihre Nester verkrochen. Immer wieder kommt es aber vor, dass einzelne Tiere ihren Winterschlaf unterbrechen oder aufgeschreckt werden. "Das sind Todeskandidaten", sagt Ute Rosicky. Die Ferlacherin betreibt seit 26 Jahren eine Igel-Station. 70 Igelüberwintern derzeit in ihrem Haus und in einem Schuppen im Garten. "Alles ist voller Igel", schmunzelt Rosicky.
285 Igel hat sie im letzten Jahr gepflegt. "Im September und im Oktober waren es so viele wie noch nie zuvor", sagt sie. Schuld daran ist vermutlich der Klimawandel: "Im Frühling war es sehr feucht, es gab zahlreiche Frühgeburten", erklärt die Lehrerin.
Junge Igel ohne Winterspeck
Seit Jahresbeginn hat sie vier neue Tiere aufgenommen. Ein Teil der Igel hält im Keller Winterschlaf: "Männchen und Weibchen schlafen getrennt voneinander, damit sie nicht abgelenkt werden", schmunzelt Rosicky. Viele Igel sind aber ohnehin wach: "Das sind Jungtiere. Sie wiegen unter 500 Gramm und konnten sich wegen des geringen Nahrungsangebots im Spätherbst keinen Winterspeck anfressen", so Rosicky. Sie werden zwei Mal pro Tag mit Trockenfutter gefüttert. Die kleinsten von ihnen werden mit dem Fläschchen ernährt.
"Igel, die nach dem Wintereinbruch frei herumlaufen, sind meistens krank", weiß die Igelexpertin. Auch Schneepflüge können für die stacheligen Tiere lebensbedrohlich werden. "Wer jetzt Igel im Freien findet, sollte sie auf jeden Fall zum Tierarzt bringen", appelliert Rosicky.
Etwa ab März bis Mitte April erwachen die Igel aus dem Winterschlaf. Dann beginnt die Auswilderungsphase. "Ich setze die Tiere dann in kleinen Grüppchen in ganz Kärnten aus", erzählt Rosicky. Außer jene, die dauerhaft beeinträchtigt sind: "Ich habe zum Beispiel einen Igel, dem ein Fuß durch einen Rasenmäher abgetrennt wurde. Er hat in der freien Wildbahn keine Überlebenschance."
Überhaupt bittet Rosicky Gartenbesitzer um mehr Rücksicht. "Der Trend zum Golfplatzrasen und Insektengift bedeuten für Wildtiere ein Todesurteil. Sie finden keine Nahrung und kein Versteck mehr, und sterben im schlimmsten Fall an Vergiftung oder Nahrungsmangel."