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Matthias Trattnig"Kärntens Tourismus muss internationaler denken"

Ex-Eishockey-Profi Matthias Trattnig (40) hat das elterliche Hotel Linde in Maria Wörth übernommen. Er sieht enorme Herausforderungen für den Tourismus.

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Trattnigs Familie ist Platzhirsch in Maria Wörth - doch man zählt auch zu den letzten Betrieben an diesem prominenten Kärntner Platz © Raunig
 

Herr Trattnig, Ihre Eishockey-Karriere ist vorbei. Wie klappt der Übergang vom Profi-Sport zum Hotelier?
Matthias Trattnig: In den letzten Jahren sind die Grenzen bereits verschwommen. Ich wollte mich selbst nie nur als Eishockey-Spieler reduzieren. Auch, weil ich vor sieben Jahren Miet-Bungalows am See gebaut habe und bereits seit Längerem im elterlichen Betrieb Hotel Linde involviert gewesen bin. Ich muss jetzt weniger trainieren. Vielleicht löst aber der Eishockey-Saisonstart im September etwas aus.

Sie gelten in Maria Wörth als Platzhirsch. Hat es sich eigentlich mit diesem Hintergrund leichter Eishockey gespielt?
Ich habe im Sport immer alles gegeben. Viele stellen sich das so einfach vor. Wer aber einen Familienbetrieb führt, weiß, dass es kein Honigschlecken ist. Eishockey-Profi zu sein, mit einem täglichen Aufwand zwischen zwei und fünf Stunden, ist da vergleichsweise simpel. Und wenn man die touristische Entwicklung des Wörthersees betrachtet, hat niemand das Gefühl, als Hotelier auch nur ansatzweise finanziell abgesichert zu sein. Wir sind einer der Letzten in Maria Wörth. Am Wörthersee-Südufer herrscht aus touristischer Sicht großer Nachholbedarf.

Der Ort wirkt ziemlich beschaulich. Sind Sie vielleicht mit diesem Problembewusstsein allein?
Früher gab es 20 oder 30 Betriebe. Jetzt sind wir mit dem Vivamayr Gesundheitszentrum fast alleine. Ruhe ist ja ganz nett, aber davon kann man nicht leben. Diese österreichische Mentalität – man spricht ja oft von einer österreichischen Neidgesellschaft. Ich bin aber viel herumgekommen und sehe das ganz nüchtern: Wenn einer mehr hat oder etwas Neues versucht, profitieren auch die anderen davon.

Kann ein Hotelbetrieb hier gewinnbringend geführt werden?
Wir sind zum Glück kein klassisches Hotel, sondern haben zwei À-la-carte-Restaurants, vermieten vier Villen in der Bucht, haben See-Apartments und handeln mit Gartenmöbeln. Es braucht eben mehrere wirtschaftliche Standbeine.

Warum gibt es wenig Tourismus auf der Südseite?
Das lässt sich kaum mit diesem einen Grund erklären: Es passt das Gesamtpaket nicht. Klar, es ist alles wunderschön hier. Aber es wird zu wenig genutzt. Unter dem Pyramidenkogel gibt es nur eine Mountainbike- Strecke. Ein geschlossener Radweg um den See ist jedoch nicht vorhanden. Früher war etwa der Monte-Carlo-Platz in Pörtschach ein Szenetreff. Mit Beruhigung und schönem Wetter alleine sind es maximal sechs Wochen für den Tourismus.

Stichwort Beruhigung. Ja oder Nein zum GTI-Treffen?
Ich bin nicht dagegen, weiß aber, dass es viele Gegner gibt. Natürlich ist es ärgerlich, wenn man stundenlang im Stau steht. Andererseits: Welches Event bringt diese Wertschöpfung in der Nebensaison?

Und wie lautet Ihre Meinung zum Seilbahnprojekt von Pörtschach auf den Pyramidenkogel?
Ich bin der Meinung, dass der Pyramidenkogel diese zusätzlich prognostizierten Besucherzahlen gar nicht stemmen kann. Es braucht nicht eine Gondel, um dorthin zu gelangen. Da führt auch eine Straße hinauf. Außerdem beeinträchtigt eine Gondel über dem See das gesamte Erscheinungsbild.

Zur Person

Geboren: 22. April 1979 in Graz.
Familie: Ehefrau Pia, Töchter
Mila, Ella und Ruby.
Ausbildung: absolvierte einen Bachelor-Abschluss während seines USA-Aufenthalts (University of Maine), schloss 2016 ein MBA-
Fernstudium (International Management) in London ab.
Karriere als Eishockey-Profi: spielte in den USA, Schweden und Österreich. Sechs Meistertitel mit Salzburg.


Wäre das kein neuer Impuls, den Sie sich ja wünschen?
Man sollte sich grundsätzlich einmal die Trends ansehen. Viele Gäste reisen mit einem E-Mountainbike an. Diese Art von Tourismus würde die Saison deutlich verlängern. In Kärnten gibt es schon einige Strecken, die Initiativen von Paco Wrolich (Landes-Radsportkoordinator, Anm.) fruchten. Oder man setzt auf Yoga und Wassersportarten, wie Elektro-Surfbretter. Die Zeiten als Partyhochburg sind vorbei.

Ist der Tourismus zu regional ausgerichtet?
Ich glaube, er hätte gute Chancen, endlich international zu werden, wenn man sich ansieht, was Kärnten im Vergleich zum Rest der Welt zu bieten hat. Die Landschaft, der schöne See – das wird international geschätzt.
Und das wollen die Leute, wenn man von Tiefenentschleunigung spricht.

Denken Ihre jungen Branchenkollegen ähnlich?
Bei einigen Betrieben hat ein notwendiger Generationenwechsel nie stattgefunden, weil viele Junge sich das nicht antun wollten. Es gab Hotelprojekte wie Aenea, Schloss Velden oder Schloss Seefels. Aber nur, um Wohnungen zu erhalten. Man sieht also, dass Tourismus alleine nicht rentabel ist.

Hatten Sie jemals Zweifel?
Ich bin hier aufgewachsen und wir sind sehr glücklich über diesen einzigartigen Platz. Aber ich würde gerne auch etwas Gutes, Neues entstehen lassen.
Trattnig und Quendler im Gespräch Foto © Raunig


Das klingt nach Hotel-Umbau?
Sofern die Rahmenbedingungen stimmen, sofort. Wir werden aber nicht Geld investieren, weil der Platz so schön ist.

Haben Sie bei Ihren Projekten jemals Gegenwind verspürt?
Überhaupt nicht. Ich habe meine Villen bewusst dezent und sehr klein gebaut. Weil ich auf eine gewisse Klientel abziele. Beim Hotel könnte das vielleicht passieren. Die Linde steht auf einem der wohl prominentesten Plätze in Kärnten. Da gibt es viele Interessengruppen.

Ihr Plan?
Meine Vision wäre, etwas entstehen zu lassen, das den Ort in seinem Gesamtbild unterstützt. Die Leute sollen sagen: „Wow, da passiert etwas. Das ist neu.“

Sie sind Vater dreier Töchter. Was möchten Sie mitgeben?
Weltoffenheit. Auch sie sollten über einen breiten Horizont verfügen, ihren Interessen nachgehen und Spaß haben. Ein Grund für unsere Rückkehr aus Salzburg war die International School in Velden, ein sensationelles Projekt.

Zoomen wir vom Wörthersee weg. Wie beurteilen Sie die Gesamtentwicklung Kärntens?
Wenn ich nach Graz fahre, sehe ich reihenweise neue Bauten und Stadtteile, die sich plötzlich gemausert haben. Hierzulande hat sich leider weniger getan als anderswo. Minimundus ist neu (lacht).

Kommentare (3)

Kommentieren
fans61
4
8
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Dann soll Trattnig investieren

und nicht die Medien zulabern.
Und ein Herr Orasch ist mit Vorsicht zu genießen.

Antworten
umo10
8
3
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Pyramidenkogel

Man kann eh mit dem Auto rauffahren?!
Es ist wohl so wie es die bachmannGewinnerin so treffend im kleine-Interview gesagt hat: es ist uns leider wichtig, dass es jemandem gibt, den es noch schlechter geht als uns. Würde die Seilbahn von pörtschach über den See gondeln, hätte mariawörth nix davon! Das geht gar nicht. Da bauen wir lieber weitere 100 Parkplätze für Dieselstinker und sch.... auf den Klimawandel. Wie soll die Seilbahn betrieben werden? Es ist der Strom vom Kraftwerk Forstsee (nächster Erzeuger-Prinzip)

Antworten
GordonKelz
2
19
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BIN NICHT DIESER MEINUNG....

...es gibt unter den Touristen immer mehr, die genau das suchen, was Kärnten im Übermaß zu bieten hat. NATUR! Auf diese Schiene ist aufzubauen, das tut nicht nur den Touristen sondern auch den Einheimischen gut!
Gordon Kelz

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