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Neuer FilmWarum Rob Fusion den Boden unter den Füßen verliert

Traum und Wirklichkeit in Klagenfurt. Im Film "Traman" von David Hofer mit den Hauptdarstellern Michael Kuglitsch und Nadine Zeintl verschwinden Grenzen. Weltpremiere ist am 13. Dezember in Villach.

Das Handy ist bei Robert Fuschnig alias Rob Fusion sogar beim Begräbnis der Mutter dabei © KK/Traman
 

Es gibt ein Bild, das sich eingeprägt hat: Das Land hat viele Filmtalente, aber diese finden hier keine Arbeit. Natürlich stimmt das: Viele professionelle Filmschaffende sind von Kärnten nach Wien "ausgewandert". Das Bild ist aber auch falsch. Es gibt ihn, den Kärntner Film, und es gibt sie, die Filmemacher, Schauspieler, Techniker, die hier leben und arbeiten und etwas schaffen, das großartig sind.

Den Beweis dafür kann man am Donnerstag, 13. Dezember, im Villacher Stadtkino sehen. Dort hat an diesem Tag "Traman" (Kärntnerisch für Träumen) seine Premiere. Und auch wenn der 82-minütige Film eine Geschichte erzählt, die an vielen Orten spielen könnte – zwei Menschen, ein Mann und eine Frau, mit Problemen, treffen aufeinander, der Mann schafft sich eine eigene Welt in den Sozialen Medien und driftet immer mehr in diese Scheinwelt ab, die Frau kämpft mit ihrer Bulimie –, ist sie doch an konkreten Orten in der Stadt und am Wörthersee angesiedelt, im Lokal Gates, im 151er oder der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum (mit einem Gastauftritt von Primar Herwig Oberlerchner).

"Traman" ist der zweite lange Film von David Hofer, der vor allem als Cutter kein Unbekannter ist. "Manaslu – Berg der Seelen", seine jüngste Zusammenarbeit mit Regisseur Gerald Salmina, läuft am Freitag, 14. Dezember, einen Tag nach der "Traman"-Premiere, in der Klagenfurter CineCity an.

Der Regisseur

David Hofer.
Der Klagenfurter Regisseur, Cutter, Kameramann (39) hat mit "Traman" – nach "Valossn" (2016) und mehreren Kurzfilmen – seinen zweiten langen Film gedreht. Bekannt ist er auch als Schauspieler (Major Conrad in der Trilogie "Red Santa Down", 2006, "Yellow Cape Town", 2007, "Planet USA", 2013, von Florian Lackner) und als Cutter von Lackner und Gerald Salmina, u.a. "Streif: One Hell of a Ride" (2014), "Manaslu" (2018).
Firma.
Hofer ist selbstständig, vor allem als Cutter: David-Hofer-Filmproduktion, david.htfilm@gmail.com

"Traman" hat den unvorstellbar geringen Betrag von 3000 Euro – so viel gab es von der Carinthian Film Commission als Drehbuchförderung – gekostet. Das merkt man dem Film keine Sekunde lang an. Das Drehbuch ist ein dramatischer, manchmal absurder Tanz Richtung Abgrund. Die Kamera findet immer neue Bilder für das Leben dieses tragischen Robert Fuschnig und seines Alter-Egos Rob Fusion. Der Schnitt von Hofer ist große Klasse.

Erklärbar wird diese "Eine-Million-Euro-Optik" (Hofer ohne zu übertreiben) aber vor allem durch die Leidenschaft für das Projekt, das von Sommer 2017 bis zum Sommer 2018 entstand. Alle sind mit vollem (Körper-)Einsatz dabei, als Beispiel seien hier die Hauptdarsteller genannt, Michael Kuglitsch, der auch als Co-Regisseur gearbeitet und für die Rolle seinen Körper im Fitnessstudio "traktiert" hat, und Nadine Zeintl, die wie die von ihr dargestellte Sunita an Bulimie leidet. Keine leichte Kost, aber auch kein Film frei von Humor (Fuschnigs Mutter liebt zum Beispiel die Fernsehserie "Der Hautarzt vom Wörthersee").

Fusion (Michael Kuglitsch) im Fitnessstudio Foto © KK/Traman
"Traman" ist auch ein Beispiel dafür, dass in Klagenfurt – rund um Hofer, Kuglitsch und Florian "Flo" Lackner, der auch an diesem Film beteiligt war – eine "Szene" entstanden ist. Alles begann vor gut zwei Jahrzehnten in Welzenegg. Nur ein paar Straßen voneinander entfernt wohnten damals drei filmverrückte Teenager. Sie alle haben auf Wegen und Umwegen – Hofer etwa ist gelernter Bäcker, hat als Tellerwäscher, Koch, Dachdecker gearbeitet, um sich sein Hobby zu finanzieren – zum Film gefunden.

Die Erwartungen an "Traman" sind hoch. Hofer und Kuglitsch hoffen auf einen Verleih, der den Film ins Kino bringt. Fix ist auf alle Fälle der Start in der "Official Selection" beim "Snow-dance Independent Film Festival" Ende Jänner 2019 im bayerischen Landsberg. "Traman" ist für die Karriere der Beteiligten hoffentlich ein großer Schritt nach vorne, auf alle Fälle ist er ein Endpunkt: "Unter solchen Umständen werde ich keine Filme mehr machen", sagt Hofer. Die Selbstausbeutung hat ihre Grenzen. Kuglitsch fügt hinzu: "Es wäre schöne, wenn wir alle, die gratis gearbeitet haben, das nächste Mal für ihre Arbeit bezahlen könnten."

Der Film

Traman.
Österreich 2018, 82 Minuten. Regie: David Hofer (Co-Regie: Michael Kuglitsch, Gastregie: Florian Lackner). Buch: A. W. Grill. Treatment: Hannes Krakolinig. Darsteller: Michael Kuglitsch, Nadine Zeintl, Dagmar Hellberg, Oliver Vollmann, Sandra Pascal u.v.a. Produktion: Abbild Filmproduktion, Karim Shafik, Co-Produzent: Hofedit, David Hofer. Weltpremiere.
Donnerstag, 13. Dezember, 20.30 Uhr, im Rahmen des K3 Filmfestivals im Stadtkino Villach. Infos: www.k3festival.com/de

 

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