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Sommergespräche

Tonč Feinig: "Magere Jahre waren mir wurscht"

Passt Jazz zu slowenischer Volksmusik und Brauchtum? Für Pianist Tonč Feinig schon, der sie miteinander verschmilzt.

© Foto: KLZ/Weichselbraun
 

Wenn man Sie googelt, findet man die Bezeichnung Pianist, Komponist und Produzent. Sänger ist nicht dabei, obwohl Sie auch eine Gesangsausbildung haben. Warum nicht?

TONČ FEINIG: Wegen meiner Scheu davor. Ich muss mich immer besonders überwinden, bevor ich mich hinstelle und singe. Das Klavier ist mein sicherer Hafen. Das Singen hingegen ist für mich, als würde ich mich nackt auf die Bühne stellen.

Dennoch gibt es ein Projekt, für das Sie auch singen werden?

FEINIG: Ja, aber es muss noch reifen. Ich werde es erst vorstellen, wenn es so weit ist.

Wie haben Sie Ihren Stil als Musiker gefunden?

FEINIG: Das Studium am Konservatorium in Den Haag war sehr auf Purismus ausgerichtet. Was natürlich super ist, um die Basis zu erlernen. Ich habe später Sachen revidiert. Man reift als Mensch und merkt, dass gewisse Sachen schlichtweg ein Blödsinn sind oder dass man sie anders sieht, weil man aus einer anderen Tradition kommt.

Wie hat sich das bei Ihnen gezeigt?

FEINIG: Mein Zuhause Suetschach ist zweisprachig. Mein Vater hat einen slowenischen Chor geleitet. Diese Volksmusik und dieses Brauchtum habe ich in mein Jazzer-Dasein integriert. Das große Thema in Kärnten ist die Gespaltenheit und diese will ich auflösen, indem ich das Jazz-Idiom mit der Volksmusik verschmelze. Aber in meiner Musik habe ich trotzdem keine politischen Lieder - das bin ich einfach nicht.

Wie beurteilen Sie die politische Situation in Kärnten?

FEINIG: In den letzten 20 Jahren ist sehr viel Potenzial vernichtet worden, zum einen geistig und - wie wir jetzt sehen - auch finanziell. Ich hoffe, dass nun einigen die Schuppen von den Augen fallen. Aber das dauert sicher noch.

Ist Kärnten nach all den Skandalen jetzt auf einem guten Weg?

FEINIG: Ja. Wenn ich jetzt mit einem Politiker auf Konzerten oder Veranstaltungen spreche, stelle ich einen großen atmosphärischen Wandel fest. Da gibt es Leute wie Rolf Holub, Peter Kaiser und Wolfgang Waldner, die dich als Person und das, was du machst, schätzen. Ein Harald Dobernig hat mit mir nichts anfangen können. Natürlich wird es jetzt weniger Geld für Kultur geben. Aber das ist gar nicht wichtig. Wichtig ist, dass man geschätzt wird.

Wie sehen Sie als Kärntner Slowene den Umgang der Politik mit der Volksgruppe?

FEINIG: Vieles hat sich in den letzten zehn Jahren zum Positiven gewendet. Vielleicht spielte dabei eine Rolle, dass Österreich und später auch Slowenien zur EU gekommen sind. In Kärnten wurde immer versucht, aus der Thematik Minderheit politisches Kapital zu schlagen. Ich hoffe, dass sich das ändert.

Sie sind im Jahr 2000 nach Kärnten zurückgekehrt. Wäre eine Stadt wie Wien als Musiker nicht naheliegender gewesen?

FEINIG: Sicher. Ich wollte auch jahrelang nach New York. Aber ich bin doch sehr mit der Heimat verbunden. Ich spiele sehr viel in Österreich, Slowenien und Italien - irgendwie ist das meine Region.

Sie arbeiten immer wieder mit sehr unterschiedlichen Musikern - von den "Welken Nelken" über "Naked Lunch" bis zur Singgemeinschaft Oisternig. Woher kommt diese Vielfalt?

FEINIG: Ich habe keine Scheuklappen und möchte einfach interessante Sachen machen.

Sie haben auch für Theater und Film Musik gemacht. Was ist Ihnen lieber?

FEINIG: Fürs Theater habe ich viel mehr gemacht. Aber ich kann gar nicht sagen, was mir von beidem lieber ist. Generell spiele ich am liebsten mit meinem Trio meine Sachen. Aber man hat auch von Live-Auftritten irgendwann genug. Wenn du Film- oder Theatermusik machst, ist es umgekehrt. Du bist Wochen zu Hause und willst nur noch raus.

Wann kam Ihnen erstmals in den Sinn, Musiker zu werden?

FEINIG: Ich habe mit zwölf Jahren in einer Kinderband gespielt und eine Platte von Miles Davis gehört. Das war ein Impuls. Da wusste ich, das will ich.

Hat Ihr Vater, der selbst sehr musikalisch war, Sie dabei unterstützt?

FEINIG: Mein Vater wollte, dass ich einen anständigen Beruf ergreife. Er war Lehrer am Slowenischen Gymnasium und später Inspektor im Landesschulrat. Aus seiner Sicht wäre es logisch gewesen, in seine Fußstapfen zu treten. Das war eben das Sicherheitsdenken der Kriegsgeneration.

Aber Sie wollten nicht?

FEINIG: Nein, die einzige Konzession von mir war, dass ich in Holland auch Pädagogik- und Didaktik-Fächer belegt habe.

War es schwer, sich zu etablieren?

FEINIG: Seit zwei, drei Jahren läuft es gut. Aber es hat magere Jahre gegeben.

Ließ Sie das jemals an Ihrer Berufswahl zweifeln?

FEINIG: Nein. Ich bin bis zur Existenzaufgabe gegangen und mit einem Euro in der Früh zum Zielpunkt Frühstück einkaufen gegangen. Das war mir wurscht.

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