Er habe keinerlei Verständnis für „die Präpotenz“ der Behörde. Es brauche schon „ein hohes Maß an Dummheit“, um weder auf E-Mails noch auf persönliche Kontaktversuche zu reagieren. Das schreibt ein renommierter Brandschutz-Sachverständiger über die Feuerpolizei der Stadt Klagenfurt. Adressat seines Schreibens ist eine andere Abteilung der Stadt: der Eigenbetrieb „Klagenfurt Wohnen“, der für die Gemeindewohnungen zuständig ist.

Dort wurden zwischen 2021 und 2022 mehr als 400 Brandschutztüren unsachgemäß verbaut. Damit ist die Brandschutzsicherheit nicht gewährleistet und eine Gefährdung von fast 800 Mieterinnen und Mietern kann nicht ausgeschlossen werden. Im Rathaus ist dieser Missstand seit eineinhalb Jahren bekannt, trotzdem warten die Betroffenen nach wie vor vergeblich auf eine Sanierung. Jene Professionisten, die für den Pfusch verantwortlich sind, bestehen darauf, ihre Leistung erbracht zu haben. Immerhin wurden die dafür in Rechnung gestellten 700.000 Euro vom Eigenbetrieb bezahlt - obwohl es nie eine Fertigstellungsmeldung gab.

Angst vor dem Ernstfall

Untätig blieb man bei „Klagenfurt Wohnen“ dennoch nicht. Gemeinsam mit dem Sachverständigen wurde im vergangenen Jahr ein Verfahren entwickelt, um die Türen brandschutztauglich zu machen. Nachdem der Hersteller seine Zustimmung erteilt hat, fehlt nur noch das Ok der Feuerpolizei. Darauf wartet „Klagenfurt Wohnen“-Geschäftsführer Gerhard Scheucher seit Dezember vergeblich. „Wir bekommen keine Antwort. Wenn die Behörde unserem Sanierungsverfahren für die Wohnungstüren nicht zustimmt, könnte das im Brandfall zum Bumerang werden. Ich bin als Geschäftsführer in der Letztverantwortung. Insbesondere, wenn ein Unglück passiert“, schrieb Scheucher am Dienstag an Bürgermeister Christian Scheider (FSP). Sollte keine Abstimmung möglich sein, müssten sämtliche Türen demontiert und neu eingebaut werden. Das würde Kosten von über einer Million Euro verursachen, während sich das Instandsetzungsverfahren mit „nur“ 150.000 Euro zu Buche schlägt.

Ein Mitarbeiter, der unter Verdacht steht, für viele Missstände bei „Klagenfurt Wohnen“ verantwortlich zu sein, arbeitet seit Kurzem bei der Feuerwehr
Ein Mitarbeiter, der unter Verdacht steht, für viele Missstände bei „Klagenfurt Wohnen“ verantwortlich zu sein, arbeitet seit Kurzem bei der Feuerwehr © Markus Traussnig

Verdächtiger kam bei Feuerwehr unter

Brisant ist der Fall auch aufgrund einer Personalie: Der Berufsfeuerwehr, zu der die Feuerpolizei gehört, wurde vor einigen Monaten eine frühere Führungskraft von „Klagenfurt Wohnen“ zugeteilt, gegen die strafrechtlich ermittelt wird. Dem Mann wird vorgeworfen, mit Unternehmen zusammengearbeitet zu haben, die Rechnungen für nicht erbrachte Leistungen legten – darunter ein Ziviltechniker, der die Fertigstellung der Brandschutztüren hätte bestätigen sollen. Es gilt die Unschuldsvermutung. Es gibt noch weitere Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft Klagenfurt geht von einem Schaden von mehr als fünf Millionen Euro aus. Der Akt wurde im Jänner der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) angeboten, von dieser jedoch nicht übernommen.

Warum wurde der Mitarbeiter nicht suspendiert, sondern lediglich versetzt? Das bleibt offen. Die Kleinen Zeitung schickte Bürgermeister Scheider sowie den Abteilungen Wohnen und Feuerwehr einen umfangreichen Fragenkatalog. Als Antwort wurde lediglich folgender Satz übermittelt: „Bürgermeister Scheider und Wohnungsreferent Vizebürgermeister Patrick Jonke werden zur Klärung einen Abstimmungstermin mit den beiden Fachbereichen einberufen.“