Im rechteckigen Komplex wurde Geschichte geschrieben. Wortwörtlich, war „Onkel Tom‘s Hütte“ in der Mießtaler Straße für Klagenfurter Journalisten die „Zentrale“ für ihre informelle Informationsbeschaffung. Alles, was in Stadt und Land Gesprächsthema war, wurde dort besprochen und die „Schreiber“ mit Informationen, auch von Mitarbeitern aus der benachbarten Landesregierung, versorgt. Diese Tage liegen lange zurück, eine Rückkehr ist ausgeschlossen. Denn das Ende von „Onkel Tom‘s Hütte“ ist besiegelt.
Der Bagger rollte schon an, die Bauzäune stehen, die Abrissarbeiten am Gebäude laufen. Ziemlich genau drei Jahre hat das geschichtsträchtige Kult-Beisl bereits geschlossen. „Der Vorbesitzer hat die Hütte in den 30er-Jahren einfach aufgestellt. Erst später hat man gemerkt, dass der Grund der Stadt gehört“, erzählte Rudi Kues im Jahr 2013 der Kleinen Zeitung, als er die Lokalität von Fritz und Lissy Rajer übernahm. 1976 wurde aus einem Greißler ein Gasthaus, 1988 wurde es mit dem mittlerweile im Minimundus befindlichen Teehaus aus Tadschikistan ergänzt. Mehrere Wirte-Wechsel folgten, im Jahr 2014 übernahm schlussendlich Melitta Pollak von Hans Tischler die Hütte. Ihr Vertrag mit der Stadt Klagenfurt lief im September 2021 aus, ein Nachfolger wurde nicht gefunden. Grund dafür war unter anderem ein Rechtsstreit, den Pollak gegen die Stadt führte.
Rechtsstreit um „Onkel Tom‘s Hütte“ ging für die Stadt aus
Sie profitierte von einem Superädifikat mit der Stadt. Dieses erlaubt die Errichtung eines Gebäudes auf fremdem, in diesem Fall auf städtischem Grund. Als ihr Vertrag auslief, forderte sie für das Gebäude eine Ablösesumme von 20.000 Euro. Die Stadt blieb hart, ließ den Fall rechtlich ausfechten und ging als Sieger hervor. „Alles ist Eigentum der Stadt“, sagt Facility Management-Stadtrat Max Habenicht (ÖVP). Somit blieb Klagenfurt die Ablösezahlung erspart, gleichzeitig verfiel das Gebäude.
Im aktuellen Zustand wäre das Lokal nicht betriebsfähig, eine Komplettsanierung hätte rund 500.000 Euro gekostet. Geld, das die Politik nicht investieren möchte, vor allem wenn sich kein neuer Betreiber findet. Zwei Jahre lang verhandelte man mit potenziellen Nachfolgern, denen die Stadt sogar ein saniertes Lokalgebäude mit einer „symbolischen Pacht“ angeboten hätte. Die Versuche blieben aber erfolglos. „Im Sinne der Entsiegelung wird das Gebäude jetzt abgerissen. Onkel Tom‘s Hütte ist eine Institution, so leicht ist uns diese Entscheidung auch nicht gefallen“, sagt Habenicht. Per Umlaufbeschluss segnete der Stadtsenat im September den Abriss ab.
Abriss kostet 30.000 Euro
Auf der kleinen Fläche entsteht somit Platz für Neues. Was genau, ist noch unklar. Die Infrastrukturanschlüsse bleiben bestehen, davon könnten temporäre Gastronomie-Konzepte wie Streetfood- oder Kaffee-Trucks profitieren, schlägt Habenicht vor. Die Abrissarbeiten kosten 30.000 Euro und werden aus dem laufenden Facility-Management-Budget gestemmt.