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Kärntner des Tages

Ossi Huber: Ein Leben mit Sterz und Humus

Der 58-jährige Ossi Huber, Geburtshelfer etlicher Bands und stets in mehrere Musikprojekte verstrickt, kennt den inneren Frieden und ist exzessiv in Bewegung.

© KK/Privat
 

Vor zwei Wochen hätte man in einem Münchner Bierzelt eine Stecknadel fallen hören. So neugierig waren die über 2000 Konzertbesucher, "was eine Kärntner Band zu sagen hat", erzählt Ossi Huber vom Auftritt mit "Humus". Im Anschluss spielte übrigens "Smokie", mit "Needles and Pins" Kult der 1970er Jahre.

Aber nicht nur das, was "Humus" zu sagen hat, stammt aus der Feder des 58-Jährigen. Über 150 Songs und über 120 Gedichte von Ossi (eigentlich Oskar wie sein Vater) Huber sind bei der Urheberrechtsgesellschaft Literar-Mechana gemeldet. Schließlich ist der gebürtige Feldkirchner seit seinem 14. Lebensjahr einschlägig unterwegs.

Seine erste Band hieß "Universe" und heizte seinerzeit den Osttirolern ein. "Wir haben die Sixties rauf und runter gespielt", erinnert er sich an die schöne Seite von Lienz. Die Kehrseite, das war die Gewalt, die er im Bundeskonvikt erfahren musste. Bis vor drei Jahren schwieg er über die Misshandlungen. "Nach dem Outing haben sich etliche Leute mit zum Teil viel schlimmeren Erfahrungen bei mir gemeldet", sagt er.

Aberwitzig: Der Tod seiner Mutter war 1971 seine Rettung. Weil sein Vater nicht alleine sein konnte, durfte Ossi Huber von heute auf morgen das Konvikt verlassen und gründete "The Gang". 1983 rief ihn sein Freund Reinhold Habernig an und schlug vor: "Mach ma a Band." Schon traten die "Bluesbreakers" auf den Plan und Organisationstalent Huber (an Bass und Gitarre) in Aktion: "Die Tourneen in den USA, zweimal China, Marokko hab' alle ich aufgerissen." In den 1990er Jahren kam "Sterz" und "Is schon still uman See".

Cousine Kriemhild

Weil es im Gegensatz dazu um Ossi Huber nie still war, haben nur wenige sein Abtauchen in die Spiritualität mitgekriegt. "Ich habe das total ernsthaft betrieben, hatte keine anderen Themen mehr", sagt das "rote Schaf im nationalen Huber-Clan". Kriemhild Trattnig ist seine Cousine. Sein Vater Oskar, 28 Jahre lang Bürgermeister von Feldkirchen, wollte ihn als Nachfolger aufbauen. "Um Gottes willen," vertschüsste sich der Ossi.

2003, als er mit Klaus Tschaitschmann bereits im "Huaba"-Projekt steckt, trennte er sich von "Bluesbreakers", schrieb Kochbücher und nachdenkliche Liedtexte. Heute liest er Bücher, die "ich früher weggeschmissen hätte" und ist "dermaßen relaxed, dass mich nichts mehr erschüttern kann". Wer ihm nicht glaubt, liest sein Buch "(M)ein Weg zum inneren Frieden". Dann glaubt man ihm auch, wenn er sagt: "Ich staune über jeden Tag", war er doch "schon auf der anderen Seite". - "Nur fünf Minuten" . . . das Lied, bei dem man im Bierzelt in München die Stecknadel fallen hörte, haute auch Ossi Huber um: Herzinfarkt beim Einsingen.

Eine Konsequenz daraus war die Frühpension. Nach über 39 Jahren in der Bildungsabteilung beim Amt der Kärntner Landesregierung räumte er im Dezember 2012 sein Büro. Die andere Konsequenz ist Bewegung: "Ich walke, laufe, schwimme, radle, klettere, wandere. Alles exzessiv." Sein Therapeut, Ruderer Arnold Jonke, habe ihn da bestärkt.

Neues Hobby neben der Musik (aber die ist wohl eher Berufung) ist die Malerei. Seine Tochter Verena (31), die als Architektin in Wien lebt, hat Ossi Huber dazu ermutigt. "Ich habe ja kein Zeichentalent", betont er, sich als Maler nicht ernst nehmend. Über eine kurze Ehe will er nicht reden. Kein Ruhmesblatt.

Ruhm liefern die Airplay-Charts: "Nur fünf Minuten" war über ein halbes Jahr in der (deutschsprachigen) Hitparade gelistet. Mit "Kum dra ma um" ist "Humus" (die dritte CD erscheint in Kürze) derzeit in den belgischen Airplay-Charts. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass die das verstehen", meint Ossi Huber. Seine Musik geht eben "eine".

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