Double Cork 1080 – was sich anhört wie ein Ersatzteil für ein Auto, ist eigentlich ein Freestyle-Trick im Ski- und Snowboard, der Nevio Rainer seit einem Jahr beschäftigt. „Ich wollte diesen Trick ausprobieren und habe mir dabei das Schlüsselbein gebrochen“, erklärt der 15-Jährige. Freestyle-Skifahren ist eine Wintersportart, bei der Athletinnen und Athleten mit Skiern akrobatische Sprünge, Tricks und rasante Fahrten über speziell präparierte Pisten, Schanzen oder Buckelpisten zeigen. „Ich hab bis heute keinen Double Cork 1080 geschafft, das ist mein großes Ziel. Bis zum Ende der Saison möchte ich das hinkriegen“, betont Rainer.

Rainer ist Nachwuchs-Freestyler und holte sich vor Kurzem den Sieg im Freeski-Slopestyle-Landescup. Nach drei Bewerben am Nassfeld, der Turracher Höhe und in Velden konnte sich Rainer den Gesamtsieg in der Kärntner Meisterschaft holen. Durch seinen Erfolg wird der Feldkirchner im Herbst in den Landeskader von Kärnten aufgenommen.

„Durch einen Freund meiner Eltern bin ich mit acht Jahren zum Freestyle gekommen. Das hat mir eigentlich so viel Spaß gemacht, dass ich weitergemacht habe“, erklärt der Feldkirchner. Respekt und Angst vor den Sprüngen hatte der Schüler am Anfang schon: „Aber das legt sich. Mittlerweile fühlt es sich wie Freiheit an. Meine Mama und meine Oma haben noch große Angst, wenn ich neue Tricks oder waghalsige Sprünge ausprobiere. Mein Vater steht eher am Pistenrand, feuert mich an und filmt meine Sprünge“, erklärt Rainer mit einem Lächeln und fügt an: „Ich bin aber dankbar, dass mich meine Familie so tatkräftig unterstützt. Meine Eltern fahren mit mir zu jedem Wettbewerb und zum Training.“ Mit zwei Jahren ist Rainer zum ersten Mal auf den Skiern gestanden. Sport begleitete ihn von klein auf. Nach zwei Saisonen im Eishockeyverein und zwei Jahren im Fußballklub, entdeckte er jedoch seine große Leidenschaft – das Skifahren.

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Die Saison startet für den Schüler immer im Oktober. „Ich trainiere jedes Wochenende auf der Turracher Höhe. Ab und zu geht es auch in den Absolut Park nach Flachau.“ Unter der Woche gibt es Trampolintraining und Ausdauertraining im Fitnesscenter. Rainer ist auch Mitglied im Freestyle Club Villach, wo auch wöchentliches Training auf dem Programm steht. Im Sommer trainieren die Mitglieder des Clubs am Föderlacher Baggersee. Hier gibt es eine Wasserschanze und zwei Wettkampftrampoline. „Mit Rennanzug und Skiern in den See zu springen, war am Anfang etwas komisch, aber mittlerweile ist es Routine.“

Großes Vorbild von Rainer ist Maêj Švancer,  ein tschechisch-österreichischer Freestyle-Skier. Bei den Olympischen Winterspielen holte sich Švancer die Bronzemedaille. Damit sorgte er für die erste Medaille eines österreichischen Freestyle-Skiers in der Geschichte der Olympischen Winterspiele. Doch auch Rainer hat schon eine Vorbildfunktion. Schwester Alina blickt zu ihrem großen Bruder auf und fängt schon an, über Schanzen zu springen. „Ebenso will ein Freund von mir mit dem Freestyle beginnen. Das ist schon recht cool.“ Und auch in den sozialen Netzwerken ist Rainer kein Unbekannter. Seine Videos auf TikTok haben mittlerweile 114.000 Likes.

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Rainers Ziel? „Ganz klar, ich möchte einmal Profi-Freestyler werden. Es wäre mein Traum mit dem Freestyle mein Geld zu verdienen.“ Nervös vor einem Sprung ist Rainer nicht. „Wenn ich ehrlich bin, wenn ich losfahre, habe ich meine Kopfhörer im Ohr und höre Musik. Beim Sprung blende ich alles aus und konzentriere mich. Sobald ich lande, höre ich die Musik wieder.“ Am liebsten hört er Deutschrap, zum Beispiel Haftbefehl. Der Schüler der Polytechnischen Schule hat aber auch einen Plan B, sollte es mit dem Profi-Sport nichts werden: „Ich fange nächstes Jahr voraussichtlich eine Lehre als Betriebslogistikkaufmann beim Bundesheer an. Vielleicht habe ich danach die Chance in das Heeressportzentrum zu wechseln.“ Die nächsten Ziele sind weitere Teilnahmen an FIS-Bewerben und die Teilnahme an der „World Rookie Tour 2027“, wo sich Freestyler aus der ganzen Welt in ihrem Können messen.