Die jährliche Strafzettelzählung ist da. Es ist eine meiner Lieblingsmeldungen, weil man so wunderbar viel zwischen den Zeilen lesen kann. Die Ortspolizei hat im Jahr 2025 knapp 450.000 Euro eingenommen, fast alle davon hatten mit dem Straßenverkehr zu tun. Von den 6700 Strafzetteln betrafen 5120 die Falschparker. 23 Strafzettel wurden wegen abgelaufener Zulassung ausgestellt, drei wegen abgelaufenen Führerscheins, drei wegen Missachtung der Vorfahrt, sieben wegen fehlender Versicherung. Schlappe fünf Strafzettel wurden wegen zu schnellen Fahrens ausgestellt – nur fünf im ganzen Jahr? Haben die Polizisten da wirklich scharf genug hingesehen?

Zehn Strafzettel gab es wegen fehlenden Helms, einen einzigen wegen Alkohol am Steuer und zwei wegen zu schnellen Bootfahrens. Alle registrierten Unfälle 2025 (beteiligt waren 17 Autofahrer, zwei Motorradfahrer und sieben Radler) blieben ohne Schwerverletzte. Zwei Führerscheine wurden einkassiert und vier Autos beschlagnahmt. Weitere Strafzettel betrafen etwa illegale Müllentsorgung und ähnliche Verstöße.

Noch einmal zum schnellen Fahren: Viele Geschwindigkeitskontrollen rund um Grado werden von den Carabinieri durchgeführt, die zudem oft außerhalb stationiert sind, etwa in Monfalcone, deswegen werden diese Vergehen in den Grado-Statistiken nicht erfasst. Und ganz wichtig: Carabinieri sind keine Polizisten, sondern eine Militäreinheit. Wer sich mit seinem Speisekartenitalienisch aus einem Strafzettel herausquasseln will, sollte die Damen und Herren in Schwarz auf keinen Fall als „poliziotti“ titulieren.

Ein befreundeter Carabiniere, derzeit auf Auslandsmission in Südamerika als Sicherheitsmann in der italienischen Botschaft (gibt fette Zuschläge), setzt seine Berufsehre besonders radikal durch, wie er mir einmal erzählte. Wenn österreichische Kinder freudig auf ihn zeigen und „Polizist“ rufen, dann beugt er sich herab und flüstert ihnen zu: „Übrigens: Den Weihnachtsmann gibt es nicht.“

Er meinte das nur im Spaß. Hoffe ich jedenfalls.