Eine ganz spezielle Hochzeit wurde in Kärntens italienischer Nachbarregion Friaul-Julisch Venetien für den heurigen Juni angekündigt. Zum ersten Mal in der Geschichte Italiens heiraten zwei Bürgermeister. Noch dazu gehören beide einer rechten Partei an. Genauer gesagt sind es zwei verschiedene rechte Parteien, nämlich die Fratelli d‘Italia und die Lega. Das ist insofern erwähnenswert, als dass während des Zweiten Weltkrieges unter dem Regime des Faschismus Homosexuelle ähnlich verfolgt wurden wie im faschistischen Deutschland und Österreich..
„Das politische Interesse ist schon erklärbar. Wir sind ja nicht nur Bürgermeister, sondern auch Teil der Mitte-Rechts-Partei. Wir können jetzt einfach nur sagen, dass wir der Beweis dafür sind, dass die Bewegung weiter ist als andere. Friaul-Julisch Venetien zeigt, dass die Zeiten sich geändert haben und dass es möglich ist, derartige Entscheidungen ohne Probleme treffen zu können und dass man nichts verstecken muss. Unsere Entscheidung entspringt einer soliden Beziehung, die wir seit fünf Jahren führen. Ich denke, das ist alles, was persönlich wichtig ist“, zitiert die italienische Nachrichtenagentur „Ansa“ den Bürgermeister der Bezirkshauptstadt Pordenone, Alessandro Basso (FdI).
Er lebt mit dem Bürgermeister von Carlino (im Bezirk Udine), Loris Bazzo (Lega), zusammen mit zwei französischen Bulldoggen und zwei Katzen in Carlino. „Unsere Heirat zeigt ein Überwinden von Grenzen und politische und persönliche Reife. Wir sind beide praktizierende Katholiken. Unserem Glauben als auch unserer politischen Konvention folgend fühlen wir uns traditionellen Familien mit ihren Werten sehr verbunden. Aber das Leben nimmt halt auch andere Wendungen und wir haben uns dazu entschlossen, dieses Leben mit Ehrlichkeit im Tageslicht zu führen“, wird Basso, im Hauptberuf Italienischlehrer und Schuldirektor, weiter zitiert. Er erinnerte auch an die Schwierigkeiten seines künftigen Ehemannes, der zweifacher Vater ist. Man habe viele Angriffe seitens der politischen Linken erfahren, so Basso.
Dazu äußerte sich die Mittelinks-Partei Partito Democratico in Friaul-Julisch Venetien, das einen autonomen Status in Italien besitzt. „Von Herzen alles erdenklich Gute für die beiden Bürgermeister Basso und Bazzo, fernab jeder politischen Polemik. Sie machen gemeinsam einen Schritt, der für sie und ihre Familien wichtig ist und der durch das Gesetz der Zivilen Partnerschaften möglich gemacht wird, das unter einer Mittelinks-Regierung mit Mehrheit beschlossen wurde. Die Mitterechts-Fraktion war dagegen. Aber die Entscheidung der beiden Bürgermeister zeigt, dass die Zeit reif war für ein gutes Gesetz und dass es verstanden wurde“, heißt es laut „Ansa“ in einer Presseaussendung der PD Friaul-Julisch Venetien. Man wünsche sich, dass das Glück von Basso und Bazzo Paare bestärke, „die wegen ihres Status, Vorurteilen oder anderen Gründen ihre Liebe nicht öffentlich leben können, ganz zu schweigen von der Gleichstellung bei Rechten und Pflichten.“