Gleich mehrere Studien – etwa eine aus Schweden, die seit 16 Jahren mit mehr als 280.000 Patientinnen und Patienten durchgeführt wird – bestätigen, dass bei Männern das Herzinfarktrisiko im Winter um bis zu 16 Prozent steigt. Zurückzuführen sei diese Steigerung unter anderem auf das Schneeschaufeln, wie Eva Ornella, Fachärztin an der Abteilung für Innere Medizin am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder St. Veit an der Glan, bestätigt.

Die körperliche Belastung beim Schneeschaufeln zusammen mit dem Einatmen kalter Luft verengt die Hautgefäße und erhöht die Belastung für das Herz. Aber nicht nur die Herzkranzgefäße sind betroffen. Auch die restlichen Gefäße des Körpers verengen sich, das Herz muss mehr Pumpen, der Blutdruck steigt. Bei Menschen mit Risikofaktoren können diese durch arteriosklerotische Plaques ohnehin schon verengt sein. "Durch die Minderversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff kann es zu Angina-Pectoris-Symptomatik kommen und im schlimmsten Fall droht der Herzinfarkt", sagt die Expertin.

Internistin Eva Ornella
Internistin Eva Ornella
© KK/Barmherzige Brüder

Schneeschaufeln nicht unterschätzen

"Durch die körperliche Anstrengung steigt der Sauerstoffverbrauch zusätzlich", erklärt die Internistin. Erstaunlicherweise ist das Risiko sogar noch höher, wenn die Temperaturen knapp unter null Grad liegen. Dann ist der Schnee matschiger und schwerer und das Schaufeln noch anstrengender. Die Anstrengung durch das Schneeschaufeln haben viele Patienten, die ins Krankenhaus St. Veit eingeliefert werden, als Auslöser für "das Herzereignis", wie es im Medizinerjargon gern heißt, selten auf dem Schirm. 

Vorerkrankungen spielen eine große Rolle

Patienten mit einer bekannten koronaren Herzerkrankung oder Angina Pectoris sind besonders gefährdet. "Prinzipiell gibt es fünf große Risikofaktoren für die koronare Herzerkrankung. Der größte ist immer noch das Rauchen, gleich danach kommen der erhöhte Blutdruck (art. Hypertonie), erhöhte Blutfette (Hyperlipidämie) und die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) und Übergewicht (Adipositas)", zählt Ornella auf. Aber auch die familiäre Häufigkeit, das heißt, wenn ein Familienmitglied, mit dem man blutsverwandt ist, einen Herzinfarkt erlitten hat, gilt als Risikofaktor.

Brennen und Engegefühl in der Brust

Typische Symptome für diese Erkrankung sind zum Beispiel ein Druck- oder Engegefühl in der Brust oder ein Brennen in der Herzgegend, das teils bis zur Schulter ausstrahlt. Sollten Brustschmerzen auftreten, sofort aufhören und ins Krankenhaus. "Jeder Brustschmerz gehört abgeklärt", rät die St. Veiter Ärztin.

Unterschiede bei Männern und Frauen

Laut einer schwedischen Studie gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Wetter und einem signifikant erhöhten Infarktgeschehen durch Schneeschaufeln für Männer, für Frauen konnte dies aber nicht nachgewiesen werden. Grund dürfte einerseits sein, dass Männer ganz stereotyp einfach häufiger zur Schaufel greifen. Ein anderer wichtiger Grund ist aber, dass sich der Herzinfarkt bei Frauen anders, häufig mit einer sogenannten atypischen Klinik präsentiert.

"Statt dem typischen Brustschmerz mit Ausstrahlung in den linken Arm klagen Frauen oft über Schmerzen im Oberbauch oder im Kiefer, manchmal zeigt sich auch eine völlig unspezifische Beschwerdesymptomatik wie Kaltschweißigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder allgemeines Unwohlsein", beschreibt die Internistin die Symptome. Das führt leider immer noch zu Fehlinterpretationen. Im schlimmsten Fall kann so ein Herzinfarkt sogar übersehen werden.