Marlene ist eine junge Frau aus Wien. Wie viele andere auch war sie kurz vor der Ausschulung orientierungslos, was ihren Berufsweg anging. „In der Schule wurde ich auf Sindbadaufmerksam. Am Anfang wusste ich noch nicht, ob das für mich das Richtige ist“, erzählt Marlene.
Aber mit Conny, ihrer Mentorin, schrieb sie Bewerbungen, gemeinsam wurden sie bei vielen Firmen vorstellig und fanden einen perfekten Lehrplatz. Mehr als 1500 solcher Beziehungen schuf das Wiener Unternehmen Sindbad seit 2016, nun wird das Programm auch in Kärnten zur Verfügung gestellt.

„Am 20. November starten wir mit der ersten Staffel“, sagen Sabrina Reibnegger und Johanna Zwittnig, die den Standort in Klagenfurt aufbauen. Mit „Staffel“ ist ein Acht- bis Zwölf-Monate-Rythmus gemeint, in dem Entwicklungsberater mit ihren Klienten arbeiten. 1:1-Mentoring nennt sich das. Einerseits gibt es Mentoren, also eine Art Entwicklungsberater.

Den 20- bis 35-jährigen Bürgern werden schließlich Mentees zugeteilt. Dabei handelt es sich um Schüler aus sozialen Brennpunktschulen, Migranten, Teenager aus benachteiligen Familien oder einfach um Jugendliche mit Startschwierigkeiten. „Mentor und Mentee treffen sich mindestens einmal pro Monat – beim Essen oder einer Freizeitaktivität und bauen eine Beziehung auf“, schildert Reibnegger. Und Zwittnig ergänzt: „Die Mentoren helfen in der Folge gratis ihren Schützlingen am Bildungsweg, beim Schreiben von Bewerbungen oder bei der Lehrstellensuche.“

„Wir verschaffen Dir keinen Job, keinen Nachhilfelehrer, keine Beförderung. Aber wir bringen Dich mit jemanden in Beziehung“, erklärt Matthias Lovrek, Operativer Vorstand der Sindbad Holding die Philosophie. Zuhören, interessiert sein, lernen wollen und Stütze sein, seien wesentliche Faktoren im Leben. Was Sindbad in den letzten fünf Jahren mit den Standorten in Wien, Baden, Linz, Graz und Innsbruck auf die Beine gestellt hat, ist ein Social Business. Der Verein lebt von Sponsoren, Spenden und öffentlichen Förderungen.

Infoabend beim Uniwirt

Das müssen Reibnegger und Zwittnig in Kärnten erst auf die Beine stellen. Beim Land, bei der Stadt, und bei unterschiedlichen Unternehmen klopfen sie aktuell um Gelder an. Im Lakeside Park wird das Büro als Coworking-Space eingerichtet. Die ersten Mentoren wurden aus dem Freundes- und Bekanntenkreis gewonnen. Am Mittwoch um 18.30 Uhr findet für Interessierte ein Informationsabend beim Uniwirt statt. Mit 20 Mentoren und 20 Jugendlichen wollen sie heuer in Klagenfurt starten, im Frühjahr soll eine zweite Staffel mit 30 Mentoren folgen.

Sabrine Reibnegger (links) und Johanna Zwittnig von Sindbad Klagenfurt
Sabrine Reibnegger (links) und Johanna Zwittnig von Sindbad Klagenfurt © Hannes Krainz

„Im Herbst gehen wir an die Neuen Mittelschulen und Polytechnischen Schulen, um den Jugendlichen unser Programm näher zu bringen. Die Eltern müssen einwilligen“, so Zwittnig. Die beiden Mütter aus St. Veit haben Erziehungs- und Bildungswissenschaften in Klagenfurt studiert und machen sich nun mit Sindbad selbstständig. Sie sind überzeugt, dass sie die Klienten auch tatsächlich erreichen. Eltern haben weniger Bedenken, wenn Studenten oder Arbeiter helfen würden und nicht jemand von einer Behörde.

Vierstufiges Rekrutierungsprogramm

Besteht da nicht die Gefahr, dass Leute ohne sozialpädagogische Ausbildung auf schwierige Jugendliche losgelassen werden? „Nein, es gibt ein strenges, vierstufiges Rekrutierungsverfahren, laufend Workshops und Supervision,“ betont Reibnegger.

Die Zahlen belegen den Erfolg des Projekts: 85 Prozent der Mentees, die das Programm abgeschlossen haben, wurden in eine weiterführende Ausbildung vermittelt. 57 Prozent der Befragten sagen, dass die Mentoren ihnen bei der Berufswahl entscheidend geholfen haben. Und 80 Prozent der Mentorenteams bleiben auch nach Ende des Programms miteinander in Kontakt.