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MusterungJeder dritte Kärntner ist für Wehrdienst untauglich

Hohe Untauglichkeitsrate in Kärnten trifft nicht nur Bundesheer, sondern auch die sozialen Einrichtungen, die Zivildiener beschäftigen.

© Markus Traussnig
 

Die jungen Männer werden bei der Stellung eineinhalb Tage lang auf Herz und Nieren geprüft. Dabei müssen sie sich Blut-, Seh-, Gehör- und Belastungstests sowie psychologischen Untersuchungen unterziehen. „Für viele ist die Musterung die erste gesamtheitliche Gesundenuntersuchung“, sagt Christoph Hofmeister, Sprecher des Militärkommandos Kärnten. Am Ende zeigt sich, wer tauglich, vorübergehend untauglich oder untauglich ist. In ganz Österreich treten jedes Jahr rund 50.000 (2018 waren es 46.500) stellungspflichtige Männer zur Musterung an, in Kärnten sind es rund 7000. „In den vergangenen zwei Jahren lag die Tauglichkeitsquote bei 67 Prozent“, sagt Hofmeister.

Jeder dritte Kärntner ist somit untauglich und für den Heeresdienst nicht geeignet. Ebenso wenig für den Wehrersatzdienst. Denn der neunmonatige Zivildienst kann auch nur von jenen geleistet werden, die bei der Stellung für tauglich befunden wurden. Gründe für die steigende Untauglichkeit seien österreichweit ähnliche, erklärt Hofmeister: „Sie liegen vor allem bei Einschränkungen des Bewegungs- und Stützapparates.“ Außerdem seien Essstörungen, Asthma, Neurodermitis, Sehbeeinträchtigungen oder Unverträglichkeiten problematisch. „Auch psychologische Faktoren spielen eine Rolle. Depressionen und schwere Persönlichkeitsstörungen können ebenfalls Gründe für eine Untauglichkeit sein“, sagt Hofmeister.

Daten & Fakten

14.591 Zivildiener wurden 2018 in ganz Österreich den Trägerorganisationen zugewiesen. Das sind 300 weniger als im Jahr 2017 und 600 weniger als 2016.

17.200 Junge Männer, die 2018 für tauglich befunden wurden, meldeten sich 2018 in Österreich zum Präsenzdienst, 13.500 zum Zivildienst.

Die sinkende Anzahl der Rekruten ist auch den geburtenschwachen Jahrgängen zu verdanken. Dass immer mehr Kärntner untauglich sind, wirkt sich nicht nur auf das Bundesheer aus, sondern vor allem auf Einrichtungen wie Rotes Kreuz, Caritas, Diakonie oder Samariterbund, die Zivildiener beschäftigen.

1700 Organisationen sind es österreichweit, in Kärnten rund 80. Tendenz leicht steigend. „Vor allem kleine Einrichtungen wie Kindergärten suchen vermehrt Zivildiener. Wobei meistens nur ein oder zwei aufgenommen werden“, sagt Ferdinand Mayer, Leiter der Zivildienstserviceagentur des Bundesministeriums für Inneres. Von dort aus werden die gemeldeten und zur Verfügung stehenden Plätze an Zivildiener vermittelt.

Wobei das Angebot weit größer als die Nachfrage ist. „In Kärnten wurden 747 Plätze als Bedarf gemeldet und 639 zugewiesen. Das ergibt eine Bedarfsdeckung von 85,5 Prozent“, erklärt Mayer.

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