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InterrailGrenzenlos reisen mit nur einem Bahnticket

Mythos Interrail: Seit mehr als 40 Jahren macht sich die Jugend auf eigene Faust mit einem Bahnticket auf den Weg, um Europa zu erkunden. Vieles läuft dabei nicht immer nach Plan, wie sich fünf Kärntner Interrailer erinnern.

Reisefreiheit auf Schienen: Noch immer ein Hit bei jungen Erwachsenen
Reisefreiheit auf Schienen: Noch immer ein Hit bei jungen Erwachsenen © Fotolia/Robert Dering
 

Matura oder Studium bestanden. Und was nun? Viele entschließen sich für eine Reise quer durch Europa. Interrail ermöglicht Reisefanatikern innerhalb eines Monats zahlreiche Länder Europas kennenzulernen. Die Idee ist mehr als 40 Jahre alt, die Nachfrage nach Interrail ist nicht gesunken. Seit Beginn des Europatickets gab es 2017 ein Plus von 11,7 Prozent – das sind rund 287.000 Menschen – haben sich auf die Reise gemacht.

Die EU fördert mit der Aktion „Discover EU“ (Entdecke Europa) Interrail-Interessierte. In diesem Jahr wurden 15.000 Freitickets an 18-Jährige vergeben. Das Projekt wird mit zwölf Millionen Euro unterstützt, ab 2021 soll es noch mehr Geld geben. Laut den Projektleitern könnte bereits im Herbst eine neue Bewerbungsrunde gestartet werden, dieses Jahr sollen mindestens 20.000 und höchstens 30.000 junge Europäer auf die kostenlose Reise geschickt werden. Interrail bietet den Reisenden ein Streckennetz von rund 250.000 Kilometern in 30 europäischen Ländern an. Jeder kann zwischen drei verschiedenen Pässen frei wählen.

„Beliebte Destinationen von Kärnten aus sind Hamburg, Wien, Berlin, Paris oder Prag. Zu den meistbefahrenen Strecken gehören: Kopenhagen-Hamburg, Berlin-Prag, Wien- Budapest oder Amsterdam-Berlin“, sagt ÖBB-Pressesprecher Herbert Hofer. Mit der Digitalisierung stieg auch die Zahl der Online-Buchungen. So gab es 2016 rund 131.500 Buchungen via Internet, der Rest buchte in Reisebüros oder am Schalter.
Ein ähnliches Angebot bietet das Busunternehmen „Flixbus“ an. Für nur 99 Euro soll man mit Bus und Bahn quer durch Europa kommen. Das „InterFlix“-Ticket bietet fünf Direktfahrten an beliebigen Tagen auf dem gesamten Streckennetz an. Für Reisefanatiker stehen mehr als 1700 Ziele in 28 europäischen Ländern zur Auswahl.

Zur Info

Seit 1972 kann jeder mit einem Interrail-Pass Europa mit Bahn und Bus zu einem Pauschalpreis erkunden. Innerhalb eines Monats können unterschiedlich viele Reisetage genutzt werden.
Global-Pass: Über 40.000 Reiseziele in 30 Ländern. Ermäßigung für Reisende bis 27 Jahre. Verschiedene Preisklassen für Jugend, Erwachsenen und Senioren. Beispiel: Jugendticket 2. Klasse für einen Monat fortlaufend für 510 Euro.
One-Country-Pass: 31 verschiedene Länder. Beispiel: Griechische Inseln ab 155 Euro oder Finnland ab 105 Euro
Premium-Pass: Italien ab 124 Euro oder Spanien ab 148 Euro. Vorteile: kostenlose Reservierung, Mehrgenerationen-Reisen
Mehr Informationen zu den Angeboten: www.interrail.eu und interflix.flixbus.de

Maturareise 1989: In Zeiten des Euroschecks

Ende der 1980er wurde ein Interrailer noch mit vielen Schwierigkeiten konfrontiert. „Aus dem eigentlichen Monat wurden nur drei Wochen, weil ich wegen eines fehlenden Auslandskrankenscheins nicht nach Spanien durfte. Außerdem gab es kein Internet, kein Telefon und natürlich war Österreich noch kein Mitglied der EU“, sagt Walther Primus. Seine Reise verlief so: Von Klagenfurt nach Paris, weiter an die Atlantikküste, Biarritz, Bordeaux, St. Tropez, Nizza, Marseille, Monaco, Monte Carlo, Mailand und Italien. „Wichtigstes Reiseutensil waren Euro-Schecks, welche in die jeweilige Landeswährung gewechselt wurden.“

Sommerreise 2016: Angst vor Überraschungen

Die Schwestern Magdalena und Theresa Prisslan waren 2016 unterwegs. Die Route führte über Wien, Prag, Berlin, Köln, Amsterdam, Südengland, Callet, Brüssel, Paris, Barcelona, Madrid und Schweiz wieder nach Hause. „Einige Aufenthalte waren nicht geplant, aber dafür umso schöner. Man muss improvisieren“, sagt Magdalena. Auch sie haben einiges von der Reise mitgenommen. „Wir mussten lernen spontan zu sein und den Moment zu genießen. Dazu lernt man sich mit weniger zufriedenzugeben“, erzählen die beiden. Obwohl der Spaß und die Abenteuerlust im Vordergrund stehen, müsse man besonders als Frau Acht geben. „Man sollte sich nie kopflos in eine Situation stürzen. Auf Bahnhöfen sollte man Ausschau nach Polizisten halten, wenn einem zwielichtige Gestalten folgen“, sagt Magdalena. Die Herausforderung für so einer Reise ist auch die Überwindung von Ängsten. „Ich war mit meiner größten Angst konfrontiert: nicht zu wissen was kommt und sich auf Ungewisses einlassen“, sagt Theresa.

Maturareise 2018: Kein passender Zug nach London

Auch die frischgebackenen Maturantinnen Isabella Fresner und Linda Oberheber waren schon unterwegs. „Zuerst wollten wir nach Australien fliegen, das war uns aber zu teuer. Mit Interrail sind wir trotzdem einen Monat unterwegs gewesen und haben so viel von Europa gesehen“, erzählt Fresner. Die Mädchen starteten in Amsterdam, dann ging es nach Brüssel, London, York, Edinburgh und Glasgow. Bereits nach dem ersten Abschnitt ihrer Reise haben die beiden einiges gelernt. „AirBnB-Ferienwohnungen sind ein günstiger Hostelersatz. Dann: nicht zu viel einpacken, nie ohne Desinfektionsmittel und Reisebesteck reisen und besser in Supermärkten Essen einkaufen als in Restaurant gehen.“ Im Zuge der Reise stößt man auch an seine Grenzen. „Es gab keinen Zug nach London, der für uns gepasst hätte. Also sind wir nach Brüssel. So übernachteten wir in einem belgischen Hostel und sind mit einem tschechischen Bus durch den Eurotunnel nach England.“

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