Ein Jahr BauzeitÖBB investieren 110 Millionen Euro in Karawanken-Bahntunnel

110 Millionen Euro fließen in die Sanierung und Modernisierung des zweigleisigen Eisenbahntunnels durch die Karawanken. Dieser soll auf ein Gleis rückgebaut werden. 2020 wird mit Bauarbeiten begonnen.

Das Tunnelportal auf Kärntner Seite
Das Tunnelportal auf Kärntner Seite © Kleine Zeitung/Weichselbraun
 

Der 7976 Meter lange, zweigleisige Karawankentunnel wurde – gemeinsam mit der Karawankenbahn – am 30. September 1906 eröffnet. Er verbindet Österreich mit Slowenien. Aufgrund seines fortgeschrittenen Alters ist eine Sanierung und die sicherheitstechnische Aufrüstung des Tunnels notwendig geworden.

"Nach dem Abschluss eines Staatsvertrags zwischen Österreich und Slowenien wurde die Modernisierung beschlossen und die Planung umgehend eingeleitet", sagt ÖBB-Pressesprecher Christoph Posch. Die Besonderheit dabei ist, dass es sich um ein "Joint Venture" zwischen beiden Staaten handelt, wobei sowohl die Planung als auch die Bauumsetzung von Österreich ausgehend durch die ÖBB umgesetzt werden. "Es zählt zu den größten Projekten der ÖBB in den nächsten Jahren", sagt Posch.

Rückbau auf ein Streckengleis

Aufgrund des Tunnelprofils ist ein Einbau von Randwegen - notwendig für die Sicherheit - nicht möglich, daher wird die derzeit zweigleisige Strecke auf ein Streckengleis rückgebaut. "Die zukünftige Kapazität genügt mittel- bis langfristig auf das zu erwartende Gesamtverkehrsaufkommen", sagt Posch. Zusätzlich soll das alte Bauwerk an den Stand der Technik angenähert werden.

Der Startschuss für das Bauvorhaben könnte bereits 2020 erfolgen und wird etwa ein Jahr dauern. Rund 110 Millionen Euro sollen in das Projekt investiert werden, 50 Millionen entfallen auf Slowenien.

Die Höhe des Betrages begründet Posch wie folgt: "Aufgrund der Länge von acht Kilometern, der umfangreichen Sanierungen und des Rückbaus ist der Betrag nötig. Im Vorfeld wurden genaue Erkundungsmaßnahmen durchgeführt, die in den Arbeitsumfang aufgenommen wurden."

Streckensperren möglich

Das Projekt beinhaltet neben den Rückbau des Streckengleises, den Einbau einer Deckenstromschiene, die Erneuerung der Wasserhaltung und der Tunnelsohle, teilweise Sanierungsarbeiten am Tunnelgewölbe mit Ankerungen und Spritzbeton sowie die punktgenaue Sanierung von Schadstellen. Während der Bauumsetzung kann es zu Streckensperren kommen. "Auf den Fahrplan wird sich der Rückbau nicht negativ auswirken", sagt Posch.

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Danke für Ihr Verständnis.

CuiBono
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Die Aufrechterhaltung des laufenden Betriebs

ist bei solchen Projekten immer ein Problem und extremer Verteuerungsfaktor.

Es wäre viel besser und langfristig auch ökonomischer, eine komplette neue zweite Röhre zu bauen und dann die alte zu sanieren.
Der Zeithorizont für sowas sind ohnehin 20+ Jahre.
Danach hätte man aber zwei vollwertige Tunnel und wäre bestens ausgestellt für die Zukunft.

Wenn unsere Altvorderen auch so zögerlich investiert hätten, würden wir heute den Semmering noch mit Pferdefuhrwerken queren.

Aber in Eventzeiten wie diesen - burn the cash.
Investitionshorizont ein-zwei Jahre, maximal eine Legislaturperiode.
Generationenübergreifendes Verantwortungsgefühl: Null.

The show must go on.

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georgXV
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Österreichische Bummel Bahnen

bei den Österreichischen Bummel Bahnen ist eben LEIDER sehr, sehr vieles möglich !!!
Ein unverantwortlicher und kurzfristig gedachter Wahnsinn die bestehende Zweigleisigkeit bei laufendem Betrieb auf ein Streckengleis zurückzubauen !!!

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kropfrob
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Entschuldige, aber das ist wohl ...

... lächerlich für eine Strecke, auf der derzeit gerade mal 5 Zugpaare im Personenverkehr fahren und der aufgrund der Randlage auch im Güterverkehr keine überragende Bedeutung hat. Das würde das 20fach kosten und (wie Sie schon schreiben) die 20fache Zeit dauern. Und dazwischen müsste man wahrscheinlich den alten Tunnel bereits sperren, weil die Betribssicherheit nicht mehr gegeben ist.

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CuiBono
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@kropfrob

Sie scheinen mehr und vor allem Konkretes zur Auslastung und wirtschaftlichen Bedeutung dieses Tunnels zu wissen und ich gebe gerne zu, mein Wissen darüber hält sich in Grenzen.

Unter der Prämisse, dass Ihre konstruktiven Angaben stimmen:
gerne "Grün".

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Lodengrün
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Alles kein Geld

wenn man die Parteienfinanzierung oder das persönliche Portefeuille unserer Granden betrachtet.

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joektn
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Demnächst wird die S5 kommen

Laut neuen Verkehrsdienstevertrag des Landes wird zwischen Villach und Jesenice ab 2020 die neue S5 Linie kommen und auch das Fernverkehrsangebot wird wieder erweitert. In Jesenice hat man zudem Anschlüsse nach Nová Gorica. Der aktuelle Fernverkehr wurde auf Betreiben der kroatischen Bahn entsprechend reduziert, daher enden teils die Züge an der Grenze in Dobova, ein paar Kilometer vor Zagreb. Die HZ möchte aber nach der Krise wieder das Angebot ausbauen.

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CuiBono
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@joektn

Danke, sehr interessant.

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