„Der Motorradfahrer schoss zwischen zwei unserer Autos durch. Es sah wirklich dramatisch aus.“ Die Stimme von Viktor Lindner, Obmann der Trachtenkapelle Steinfeld/ Drau, klingt noch angeschlagen. Mitten am Weg zu einer Marschwertung wurde er mit seiner Gruppe am Freitag hautnah Zeuge des schrecklichen Unfalls.

Lenker flog zehn Meter durch die Luft

Was war passiert? Ein 53-jähriger Deutscher überholte kurz nach 17.30 Uhr mit seinem Motorrad im Gemeindegebiet von Gitschtal einen Klein-Lkw, der bereits einen Lkw überholte.

Vor einer Rechtskurve - das Motorrad befand sich zu diesem Zeitpunkt unmittelbar neben dem Klein-Lkw - kamen auf der Gegenfahrbahn Autos entgegen. Es war der Konvoi an Privat-Pkw der Trachtenkapelle mit über 40 Personen.

Das Motorrad touchierte daraufhin den Klein-Lkw auf der Fahrerseite, kam ins Schleudern und fuhr geradeaus auf ein drei Meter tiefes und mit Steinen ausgelegtes Filterbecken zu. „Der Motorradfahrer schoss praktisch zwischen unseren Autos durch“, erklärt Lindner. In der Folge durchschlug das Motorrad einen Maschendrahtzaun, flog etwa zehn Meter durch die Luft und prallte in einen Gegenhang, heißt es im Polizeibericht.

In Tracht für Erstmaßnahmen zum Unfallopfer

Der Lenker des Motorrades blieb mit schweren Verletzungen neben dem Motorrad liegen. Ein Freund des Verunfallten, der Lkw-Lenker leisteten Erste Hilfe - darüber hinaus aber die Trachtenkapelle. Genauer gesagt: Eine Ärztin aus deren Reihen. „Wir wussten sofort, dass sich eine Ärztin unter uns befindet. Sie ist auch gleich losgestartet - in Tracht. Sie hat sich nur die Schuhe ausgezogen, ist hinunter zum Schwerverletzten in den Graben und hat die Erstmaßnahmen ergriffen“, schildert Lindner.

Für die Trachtenkapelle Steinfeld/ Drau rückte ihre Marschwertung deutlich in den Hintergrund, der Schock nach dem Unfall sitzt tief
Für die Trachtenkapelle Steinfeld/ Drau rückte ihre Marschwertung deutlich in den Hintergrund, der Schock nach dem Unfall sitzt tief © ZVg

Dementsprechend spricht man vonseiten der Trachtenmusiker von einem „unglaublichen Glück im Unglück“. Schnell war auch das Rettungsteam vor Ort - Bekannte der „Trachten-Ärztin“, die selbst im Bezirkskrankenhaus Spittal arbeitet. Wegen der Schwere der Verletzungen wurde der Motorradlenker vom Rettungshubschrauber C7 ins UKH Klagenfurt geflogen.

Im Einsatz standen auch die Rettung, die Freiwillige Feuerwehr von Weißbriach sowie drei Streifen der Polizei Hermagor. Die B87 war während der Unfallaufnahme und Bergung des Verletzten für eine Stunde gesperrt.