Am Donnerstag, 19. März, geht in Oslo einer der aufsehenerregendsten Prozesse Norwegens zu Ende: das Verfahren gegen Marius Borg Høiby. Nach rund sieben Wochen Verhandlung, zahlreichen Zeugenaussagen und intensiver medialer Begleitung steht heute der Abschluss eines Prozesses bevor, der weit über Norwegen hinaus Aufmerksamkeit erregt hat.

Seit dem 3. Februar stand der 29-jährige Bonus-Prinz, Sohn von Kronprinzessin Mette Marit, vor Gericht. Die Anklage umfasst insgesamt 40 Punkte - darunter vier Vergewaltigungsvorwürfe, schwere Körperverletzung, häusliche Gewalt, Drogenvergehen und Verstöße gegen Kontaktverbote. 

Die Staatsanwaltschaft zeichnete im Laufe des Verfahrens das Bild eines Mannes mit einem Aggressionsproblem, der krankhaft eifersüchtig sei, gewalttätig, der „wusste, was er tat“ und bewusst Grenzen überschritten habe - und der davon ausging, dass Gesetze und Regeln „nicht für ihn gelten würden2. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, Høiby habe Situationen ausgenutzt, in denen Frauen schliefen oder nicht bei vollem Bewusstsein waren. 

Der Angeklagte selbst weist die Vergewaltigungsvorwürfe zurück, räumte jedoch einzelne weniger schwere Delikte ein.

Der letzte Tag: Schlussworte und Forderungen

Am letzten Verhandlungstag stehen vor allem die Schlussplädoyers im Mittelpunkt. Bereits in den Tagen zuvor hatte die Staatsanwaltschaft ihr Strafmaß formuliert: sieben Jahre und sieben Monate Haft. Zudem fordert sie eine Verurteilung in 39 von 40 Anklagepunkten. 

Neben der Haftstrafe stehen weitere Maßnahmen im Raum, darunter Kontaktverbote sowie zusätzliche Auflagen. Die bereits verbüßten 63 Tage Untersuchungshaft sollen angerechnet werden. 

Die Verteidigung hingegen kritisiert die Auslegung der Beweise und sieht weiterhin Zweifel an zentralen Vorwürfen.

Emotionale Szenen im Gerichtssaal

Wie mehrere Medien berichten, war der Prozess immer wieder von emotionalen Momenten geprägt. Høiby selbst zeigte sich zeitweise stark belastet, sprach von öffentlicher Ächtung und davon, sich wie ein „Monster“ zu fühlen.  Zuletzt soll er sehr abwesend gewirkt haben, zeigte keinerlei Reaktionen und zeichnete die meiste Zeit etwas vor sich hin.

Auch Aussagen mutmaßlicher Opfer sorgten für große Aufmerksamkeit. Sie schilderten teils detailliert ihre Erlebnisse, die laut Staatsanwaltschaft „tiefe Spuren“ hinterlassen hätten - bis heute. 

Die Öffentlichkeit verfolgt den Prozess mit ungewöhnlich großem Interesse - nicht zuletzt wegen Høibys familiärer Verbindung zur norwegischen Königsfamilie.

Ein Urteil lässt auf sich warten

Mit dem heutigen Tag endet zwar die Beweisaufnahme und die Phase der Plädoyers, doch ein Urteil wird noch nicht sofort erwartet. Aufgrund der Vielzahl und Schwere der Vorwürfe könnte die Entscheidung des Gerichts erst in einigen Wochen oder Monaten verkündet werden.