Mit der Überführung des Leichnams von Papst Franziskus in den Petersdom am Mittwoch tritt die Kirche offiziell in eine neue Phase, jene der Vorbereitung auf das Konklave. Diese Phase stellt die Kirche nicht nur in liturgischer, sondern auch in organisatorischer Hinsicht vor große Herausforderungen. Weil die Zahl der wahlberechtigten Kardinäle ein Rekordhoch von 135 erreicht hat, ist der Vatikan mit logistischen Problemen konfrontiert.
Das Gästehaus Santa Marta, in dem Papst Franziskus seit Beginn seines Pontifikats 2013 gewohnt hatte, wird im Vorfeld des Konklaves umgestaltet. Das Problem ist, dass es in der Residenz nicht Plätze für alle Kardinäle gibt, die während des Konklaves von der Welt abgeschirmt werden sollen. Die Räumlichkeiten, die der Papst als eigene Wohnung nutzte, sind seit Franziskus‘ Tod am Ostermontag versiegelt und stehen den Kardinälen nicht zur Verfügung. Die Folge ist, dass die Kardinäle auf zwei Gebäude verteilt werden müssen, verlautet aus im Vatikan: Das Gästehaus und eine Dependance, die sich gegenüber liegen.
Franziskus hielt sich nicht an Höchstgrenze
Die aktuell 135 wahlberechtigten Kardinäle übersteigen bei weitem die von Paul VI. in der apostolischen Konstitution „Romano Pontifici Eligendo“ (1. Oktober 1975) festgelegte und von Johannes Paul II. bestätigte Grenze von 120. Franziskus hielt sich nicht an die Höchstgrenze und ernannte zusätzliche Kardinäle. Viele Kardinäle kennen daher einander nicht. Das Zusammensein im Gästehaus ist darum besonders wichtig, um Beratungen im Vorfeld des Konklaves zu führen.
Vor der von Johannes Paul II. gewünschten Renovierung war das Gästehaus Santa Marta ein päpstliches Lazarett für Cholerakranke, das sich innerhalb der Mauern des Vatikan befindet. Im Jahr 1884 wurde der kleine Palast Santa Marta auf Geheiß von Leo XIII. zu einem „Lazarett für die päpstlichen Familien und die Bewohner der Viertel in der Nähe des Petersdoms“ umgestaltet. Santa Marta wurde auch zum Zufluchtsort für viele Juden in den Jahren der nationalsozialistisch-faschistischen Verfolgung.
Franziskus wollte nicht im Apostolischen Palast leben
Johannes Paul II. ordnete 1998 die Renovierung an und machte es zum „Haus für das Konklave“, in dem Kardinäle aus der ganzen Welt während der Papst-Wahl übernachten können. Der Pole ließ das fünfstöckige Gästehaus mit 106 Suiten, 22 Einzelzimmern und einem größeren Apartment ausstatten. Auch Franziskus wohnte hier, nachdem er 2013 zum Papst gewählt wurde. Er wolle weiter unter Menschen bleiben, hatte er nach der Wahl sein Bleiben im Gästehaus begründet. Zudem bietet das relativ moderne Haus mehr Annehmlichkeiten als die ehrwürdigen, aber doch eher unpraktischen Räume des Apostolischen Palastes aus dem 16. Jahrhundert.
Franziskus belegte mit seinen engsten Mitarbeitern fast das ganze zweite Stockwerk des Gästehauses. Seine private Wohnung umfasste aber nur ein Schlaf- und Arbeitszimmer sowie ein Bad. Die Wohnung wurde inzwischen versiegelt.