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MauritiusDie Perle verliert ihren Glanz

Mauritius lockt über eine Million Touristen pro Jahr an – Tendenz stark steigend. Doch der Ansturm hinterlässt erste tiefe Spuren.

Mauritius, wie man es auch aus "Universum" kennt
Mauritius, wie man es auch aus "Universum" kennt © ORF
 

Während der Winter große Teile Europas – darunter auch Süditalien oder die griechischen Inseln – so fest im Griff hatte wie seit vielen Jahren nicht mehr, flohen Zigtausende Reiselustige vor Schnee und Kälte auf der Suche nach Sonne und Strand.

Noch vor rund 25 Jahren galt Mauritius als ein exklusives Urlaubsziel, das nur wenigen Privilegierten offenstand. Doch nach und nach nahmen immer mehr Reiseveranstalter die Insel zu leistbaren Konditionen ins Programm auf. Darüber hinaus gerieten zuletzt ehemals beliebte Urlaubsdomizile wie Ägypten, Tunesien oder die Türkei durch Terroranschläge bei den Touristen ins Hintertreffen, was Mauritius nicht nur für Hochzeitsreisende immer interessanter werden ließ. Fast 1,3 Millionen Urlauber zählte die „Perle des Indischen Ozeans“, wie Mauritius in den Hochglanzbroschüren der Reiseveranstalter oft genannt wird, im vergangenen Jahr und damit beinahe gleich viele wie Einwohner.

Die Insel Mauritius

  • Mauritius ist ein Inselstaat im Südwesten des Indischen Ozeans, der aus zwei größeren und mehreren kleinen Inseln besteht.
  • Knapp 1,3 Millionen Einwohner zählt Mauritius, etwas mehr als 150.000 davon leben in der Hauptstadt Port Louis.
  • Die Zahl der Touristen stieg im vergangenen Jahr auf fast 1,3 Millionen an.

Damit aber gab und gibt sich die Regierung unter Ex-Premierminister Anerood Jugnauth - der sein Amt vor Kurzem seinem Sohn Pravind Jugnauth überließ - nicht zufrieden, der Touristenzustrom soll in den nächsten Jahren auf zwei Millionen jährlich anschwellen. Für dieses Ziel wurde auch der Flughafen deutlich vergrößert und neue Hotelkomplexe verwirklicht.

Natürlichkeit geht verloren

Doch das im Tropengürtel gelegene Eiland mit seinen pittoresken Landschaften zollt dem Ansturm an entspannungssuchenenden Urlaubern bereits Tribut – die Perle verliert ihren Glanz. Nicht nur öffentliche Strände versinken zum Teil im Müll, auch abgelegene Wanderwege, die nur mit ortsansässigen Guides zu finden sind, offenbaren schonungslos die Spuren des Massentourismus.

Selbst die Île aux Cerfs, eine unbewohnte und nur per Boot zu erreichende Insel, verlor dank Abertausender Besucher, die im Akkord ans Ufer gebracht werden, Souvenirständen, Strandverkäufern und Wassersportangeboten ihre Natürlichkeit. Trotz der Proteste von Umweltschützern – aber auf Wunsch des Ministers für Tourismus – wurde 1998 von einer Hotelgruppe mit dem Bau eines Golfplatzes begonnen, der nun mit seinen 40 Hektar fast die Hälfte der Fläche bedeckt.

Vor allem die Hotelstrände sind nicht nur von Touristen bevölkert, sondern auch von Souvenierverkäufern, die zum Teil auch äußerst aufdringlich werden können. Von früh bis spät wird versucht, Ausflüge oder billigen Schmuck an den Mann oder die Frau zu bringen.
Strandverkäufer im Dauereinsatz Foto © Felix Steinle

Angst vor Konsequenzen

Die Hauptstadt Port Louis kämpft ebenfalls mit Problemen. Untertags quälen sich Autos und Mopeds durch die Gassen, die Atmosphäre ist laut, die Luft schlecht. Anstatt wie in Touristenorten üblich erst gegen 22 Uhr sperren die Geschäfte bereits um 18 Uhr zu; innerhalb kürzester Zeit gleicht das Zentrum von Mauritius einer Geisterstadt. Nächtliche Übergriffe zwangen manchen Ladenbesitzer zur Aufgabe seiner Einkommensquelle. „Ich rate den Touristen, nach Sonnenuntergang einige Teile der Stadt zu meiden“, erzählt ein Fremdenführer hinter vorgehaltener Hand. Namentlich genannt werden will er wie viele andere aus Angst vor möglichen Konsequenzen nicht.

Nach 18 Uhr wirkt die Hauptstadt Port Louis wie ausgestorben, einheimische Reiseführer raten Touristen, manche Stadtteile dann besser zu meiden.
Port Louis - nach 18 Uhr ein gefährliches Pflaster Foto © Felix Steinle

80.000 Einheimische und somit rund sechs Prozent der gesamten Bevölkerung sollen laut inoffiziellen Zahlen drogenabhängig sein. „Erst vor Kurzem wurde ein Polizist bei dem Versuch, Rauschgift im Wert von rund einer Million Dollar auf die Insel zu schmuggeln, als Drogenkurier enttarnt“, erzählt ein Taxifahrer.

Die Farben verblassen

Auch unter der Wasseroberfläche treten erste Erschöpfungszustände ans Licht. Etliche Tauchreviere offenbaren nicht mehr ihre einstige Vielfalt an Meeresbewohnern, die Farbpalette der Korallen wurde grauer. Für die Speerfischer, die auf einfachste Weise versuchen, ihre Familie zu ernähren, wird die Ausbeute trotz eingeführter Schonzeiten geringer.

Die Unterwasserwelt hat an Farbenvielfalt verloren
Die Unterwasserwelt hat an Farbenvielfalt verloren Foto © Felix Steinle

Viele gute Gründe, den Massentourismus einzudämmen, auf Nachhaltigkeit zu setzen und somit erneuerbare Energien oder Elektromobilität zu fördern. Doch die Regierung scheint die zweifellos noch vorhandene Schönheit der Insel mit einem Ablaufdatum versehen zu wollen – und plant den Bau eines neuen Ölkraftwerks.