Hotspot Österreichs "Wiener Neustadt ist bereit, bereit für die größte Testoffensive!"

Wiener Neustadt hat mit 541,2 mit St. Johann im Pongau den höchsten Inzidenzwert Österreichs. Bürgermeister Schneeberger setzt jetzt auf ein massives Testen, und möchte am liebsten eine rasche Durchimpfung der Bevölkerung. Doch er kritisiert auch die Vorgehensweise der Regierung in Sachen Erlass.

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Bürgermeister Klaus Schneeberger (rechts) bei der Pressekonferenz © APA/ROBERT JAEGER
 

Die Entwicklung der Coronavirus-Neuinfektionen in Österreich fällt regional weiter sehr unterschiedlich aus. Laut jüngsten Zahlen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) gab es am Mittwoch zwei Bezirke mit Sieben-Tages-Inzidenzen über 500: Wiener Neustadt und St. Johann im Pongau.

Wie es in Wiener Neustadt weitergehen soll, das präsentierten Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP), Niederösterreichs Rot Kreuz-Präsident  Josef Schmoll, Stadtpolizeikommandant Manfred Fries und weitere Experten am Donnerstagvormittag bei einer Pressekonferenz zur Hochinzidenzgebiets-Verordnung und den damit verbundenen Maßnahmen.

"Wiener Neustadt ist bereit", betonte Schneeberger. "Bereit für die größte Testoffensive Österreichs. Bereit zusammenzustehen!" Zu Beginn der Pandemie sei die Stadt gut dagestanden. Dann kamen einige Cluster - und es wurde auf Contact Tracing gesetzt. "Hatten im Sommer sechs Mitarbeiter dafür, mittlerweile sind es 47." Getestet wurde zuletzt - vor Inkrafttreten der neuen Verordnung - täglich außer Sonntag - 2000 Tests pro Woche. Pro Woche werden 49 Menschen entdeckt, die keine Symptome haben, aber positiv sind.

Beim Ansteigen der Inzidenz wurden sofort weitere Schritte gesetzt: Alle Schulen werden mit Gurgeltests besucht. Vier mobile Teststationen wurden aufgestellt und eine zusätzliche am Bahnhof. Permanente Überprüfungen mit der Polizei laufen, auch nächtliche Schwerpunktaktionen. 200 Homeoffice-Plätze fürs Magistrat geschaffen, eine Corona-Hotline im Rathaus, Bürgerservice läuft online - und dennoch: Gestern gab es eine Sieben-Tage-Inzidenz von 541,2.

Die Ansteckungsrate passiert bei mehr als 50 Prozent im privaten Bereich und in der Familie. Das Problem: Es gibt keine Cluster, die eingegrenzt werden könnten. Betroffen sind mittlerweile vor allem die Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen. Bei den Über-60-Jährigen sei die Ansteckungsrate gering. Die Testrate ist so hoch, dass in Wien auf die Einwohnerzahl umgelegt vier Millionen Tests wöchentlich durchgeführt werden müssten.

Bei der Untersuchung der Abwässer habe es sich gezeigt, dass vor allem die britische Virusmutation in Wiener Neustadt vertreten ist. "Daher wohl auch die hohe Ansteckungsrate", so der Bürgermeister.

Kritik am Bund

"Wir wussten, dass wir Hochinzidenzgebiet sind, aber es kam nichts vom Bund", kritisiert der Bürgermeister. "Erst auf meine Mail hin, erst Freitagmittag, wurde ich von der Generalsekretärin angerufen und sie hat gesagt, dass am Abend der Erlass kommt. Warum Erlass, Verordnung wäre viel schneller gegangen!" Erlass sei ans Land gegangen und nicht nach Wiener Neustadt. "Ich  hab gewusst, das derpack ma net!" Deshalb habe er sich sofort ans Bundesheer um Hilfe gewendet.

Viele Fragen waren offen

+ Was passiert mit Menschen, die positiv getestet werden?
+ Wie kommen Menschen von auswärts zum PCR-Standort?
+ Was macht die Bundespolizei, wenn kontrolliert wird und kein Testergebnis vorliegt?

Am Montag und Dienstag wurde alles unternommen, um die Fragen zu klären, weil ab Donnerstag kontrolliert werden sollte. Erlass wurde am Mittwoch in Verordnung umgesetzt. Jetzt sind 15.000 Testungen pro Tag statt 2000 nötig.

Wie geht es jetzt weiter?

1. Schritt bedeutet: Statt zwei großen Teststandorten gibt es drei - mit 40 Teststraßen, geöffnet von Montag bis Sonntag. Mobile Teststationen bleiben aufrecht, auch Apotheken testen weiter. 218 Soldaten stehen dabei im Einsatz - "zum Helfen, nicht zum Kontrollieren", so Oberst Horst Karas. Das Ziel sei es derzeit, den Inzidenzwert unter 400 zu drücken.

An den Ausfahrtsstraßen stehen Container, wo ebenfalls Tests abgenommen werden können - dabei arbeiten Rotes Kreuz, Feuerwehr etc. intensiv zusammen. Auch die Fachhochschule Wiener Neustadt, Fakultät Gesundheit, wirkt schon seit dem Vorjahr mit.

Was die Situation für das Hilfspersonal noch verschärft: Nächste Woche öffnet auch noch eine Impfstraße.

"Dass alles haben wir in drei Tagen umgesetzt, der Erlass hat fünf Tage gedauert", kritisiert der Bürgermeister. Und ergänzt: "Mehr sage ich nicht!" Seine Befürchtung: Durch das massive Testen werden die Zahlen nicht sinken, sondern noch weiter nach oben gehen.

Wie funktionieren die Kontrollen?

Stadtpolizeikommandant Manfred Fries  erklärt: "Das, was ab Samstag an Kontrollen verlangt wird, stemmt die Polizei nicht allein!" Es wird  stichprobenartig an Stadtgrenzen und am Bahnhof kontrolliert, denn die Entstehung von Staus soll verhindert werden. "Wir wollen die Menschen nicht sekieren, die Verhältnismäßigkeit zählt!" Die Bevölkerung müsse mitmachen. Dass das passiert, zeigt der Andrang der Menschen an den Teststraßen. Wird jemand ohne Tests bei der versuchten Ausreise erwischt, gibt es zuerst eine Abmahnung, dann eine Anzeige.

Für Bürgermeister Schneeberger gibt es nur einen "Game Changer": die Durchimpfung der Bevölkerung. Denn er bezweifelt, dass die jetzt beginnenden Maßnahmen einen raschen Rückgang des Inzidenzwertes bringen werden.


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Ernst Schaflechner
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