Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

CoronavirusLehrer wollen Ausweichquartiere, Schüler Schichtbetrieb

Bei steigenden Infektionszahlen müssen Schüler und Lehrer ihre Tage in teils überfüllten Klassenräumen verbringen. Dort sei Lüften manchmal wegen der baulichen Voraussetzungen gar nicht möglich.

PK BMBWF ANL. ARBEITSTREFFEN MIT G�D: KIMBERGER / FASSMANN
Lehrervertreter Paul Kimberger bei Unterrichtsminister Faßmann © (c) APA/HANS KLAUS TECHT
 

Angesichts steigender Infektionszahlen wollen Lehrer- und Schülervertreter den Unterricht an den Schulen anders organisieren. "Die Lage an den Schulen spitzt sich zu", betont der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG) im APA-Gespräch. Um Standorte mit einer beengten Raumsituation zu entlasten, sollen diese deshalb einen Teil des Unterrichts in Ausweichquartieren abhalten. Bundesschulsprecherin Alexandra Bosek spricht sich für eine Umstellung auf Schichtbetrieb aus.

Das schlechte Wetter habe die Lage an den Schulen verschärft, so Kimberger zur APA. Die Infektionszahlen in der Gesellschaft seien insgesamt gestiegen, es sei die Zeit der grippalen Infekte und Schüler und Lehrer würden ihre Tage in teils überfüllten Klassenräumen verbringen. Dort sei Lüften manchmal wegen der baulichen Voraussetzungen gar nicht möglich.

Die Folge: "Wir haben schon sehr viele Schüler und Lehrer in Quarantäne", sagt Kimberger. An manchen Standorten gebe es deshalb Probleme, den Unterricht aufrecht zu halten. Laut Zahlen des Bildungsministeriums ist die Zahl der von den Gesundheitsbehörden geschlossenen Klassen aber weiter überschaubar: Sie ist in den vergangenen zwei Wochen von 69 auf 199 (bei insgesamt 55.000 Klassen) gestiegen - eine Zahl, die Kimberger viel zu gering erscheint. Der Grund für die Quarantäne sei freilich in den meisten Fällen langes Warten auf ein - ohnehin meist negatives - Testergebnis. Hier müssten die Gesundheitsbehörden noch schneller werden und endlich einheitlich vorgehen.

Ausweichmöglichkeiten gefordert

Um das Infektionsgeschehen an den Schulen zu verringern, spricht Kimberger sich für die Nutzung von zusätzlichen Räumlichkeiten wie ohnehin leer stehenden Veranstaltungsräumen von Gemeinden oder von Vereinen aus. Das ist schon derzeit möglich, für die Anmietung wäre laut Bildungsministerium der Schulerhalter (und damit bei Pflichtschulen die Gemeinden) zuständig.

"Wenn sich die Situation weiter zuspitzt, sollte man zumindest einen Schichtbetrieb in Betracht ziehen, bevor wir wieder in die Situation eines generellen Lockdowns kommen", so Kimbergers Vorschlag für Bezirke mit besonders hohen Infektionszahlen. Bei der Coronaampel des Bildungsministeriums ist die Möglichkeit von Distance Learning und Schichtbetrieb bei Ampelfarbe Orange nur für die Oberstufe vorgesehen. Die Regierung hat zuletzt immer wieder betont, dass die Schulen so lange wie möglich offen bleiben sollen.

Eine möglichst rasche Umstellung auf generellen Schichtbetrieb fordert unterdessen Bundesschulsprecherin Bosek von der ÖVP-nahen Schülerunion. Bei den Oberstufen seien hier keine Probleme zu erwarten. Für die Jüngeren müsse es dabei auch an jenen Tagen Betreuung geben, an denen sie eigentlich keinen Präsenzunterricht haben. "Die Maturaklassen haben wirklich Angst vor einem zweiten Lockdown", betont sie.

Auch im Unterricht selbst ortet sie Änderungsbedarf: Sie plädiert gegenüber der APA für eine Einschränkung des Sportunterrichts, wo die Schülergruppen durchmischt würden, niemand Masken trage und auch kein Abstand eingehalten werde. Laut Coronaampel des Bildungsministeriums ist ab der Farbe Gelb (die derzeit an den meisten Schulen gilt) Unterricht in Turnhallen nur unter Auflagen (kleine Gruppen, Belüftung, keine Kontaktsportarten) erlaubt.

Die Einhaltung der grundsätzlichen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen (Abstandhalten, Händewaschen) funktioniert laut Bosek bei den Oberstufenschülern ganz gut, in den Unterstufen allerdings nicht. Sie würde sich wünschen, dass die Schüler regelmäßig vom Klassenvorstand an die aktuell geltenden Regeln erinnert und dabei auch über die Infektionslage an der jeweiligen Schule informiert werden, um sowohl Nachlässigkeit als auch unbegründete Ängste der Schüler zu verhindern.

Probleme ortet Bosek beim Thema Lüften: "Es wird ziemlich viel gelüftet und dadurch nehmen die Erkältungen bei Schülern zu." Auch Kimberger räumt ein, dass es hier an manchen Schulen offenbar Probleme gebe. Er wünscht sich deshalb eine Klarstellung von Bildungsministerium und Bildungsdirektionen, wie laut Empfehlung von Virologen und Fachleuten am besten gelüftet werde.

Handlungsbedarf sieht er übrigens nicht nur in den Schulen selbst, sondern auch bei der Anfahrt: "Die Schulbusse sind total überfüllt, da kann keinesfalls der Abstand eingehalten werden", kritisiert er. Allerdings habe es hier im Vergleich zum Schulbeginn da und dort Verbesserungen gegeben, indem die Koordination verbessert und zusätzliche Transportmittel zur Verfügung gestellt wurden. Die Elternvereine Österreichs haben am Dienstag in diesem Zusammenhang eine Petition gestartet. Sie fordern, dass im Schulbus jedem Kind ein gesicherter Sitzplatz zur Verfügung stehen muss. Derzeit würden Kinder unter sechs gar nicht gezählt und bei Unter-14-Jährigen zählen drei Kinder als zwei Personen. Das führe dazu, dass in einem Bus mit 50 Sitz und 37 Stehplätzen derzeit bis zu 130 Kinder transportiert werden dürften.

Ein "Tohuwabohu" beim Umgang der Regierung mit den Schulen hat unterdessen FPÖ-Bildungssprecher Hermann Brückl am Dienstag in einer Aussendung ausgemacht. "Obwohl viele Schuldirektoren Konzepte vorlegen, die einen geregelten und vor allem sicheren Schulbetrieb ermöglichen würden, werden dennoch immer wieder Schulen geschlossen." Außerdem müssten Kinder "oft stundenlang bei geöffneten Fenstern dem Unterricht folgen". Er forderte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) angesichts des geringen Infektionsgeschehens an den Schulen dazu auf, er solle "mehr Weitblick und Rationalität walten lassen".


Corona: Wie verhalte ich mich richtig?

Wenn Sie bei sich Erkältungssymptome bemerken, dann gilt zunächst: zu Hause bleiben und Kontakte zu Mitmenschen meiden! Tritt zusätzlich Fieber auf oder verschlechtert sich der Zustand, dann sollte das Gesundheitstelefon 1450 angerufen werden. Bei allgemeinen Fragen wählen Sie bitte die Infoline Coronavirus der AGES: 0800 555 621 .
Die Nummer 1450 ist nur für Menschen mit Beschwerden! Es gilt: Zuerst immer telefonisch anfragen, niemals selbstständig mit einem Corona-Verdacht in Arztpraxis oder Krankenhaus gehen!

Coronavirus-Infopoint

Kommentare (18)
Kommentieren
Lamax2
7
18
Lesenswert?

Viel zu viel an Unsicherheit und Panik

Kinder sind bis fast an die 14 Jahre keine großen Gefahrenquellen. Die Schule sollte möglichst ohne übertriebene Angst und Panik ablaufen. Kranke im Herbst hat es schon immer gegeben und oft waren Klassen halbiert. Kranke sollte einfach zu Hause bleiben und die anderen in Ruhe lernen dürfen.

gb355
1
5
Lesenswert?

Na ja...

Meine Worte!!!!

maxlgu
21
9
Lesenswert?

Sie sollen Unterrichten

Es wäre doch gut wenn unsere Lehrer die Kinder unterrichten würden und das machen das andere auch tun....
Arbeiten für ihr Geld....
Ich muss für mein Geld auch arbeiten aber dieser Ober Gewerkschafter hat die Weißheit anscheinend mit der Muttermilch schon aufgenommen....

erstdenkendannsprechen
1
17
Lesenswert?

können sie lesen?

die lehrer unterrichten.
und die allermeisten sehr gut.
und in zeiten wie diesen ist das schwerstarbeit.
aber sie wissen es wohl besser....

herwig67
22
21
Lesenswert?

Ausweichquartier? Überfüllte Klassen?

Was hat Faßmann bis jetzt gemacht???? Es gibt Schülerhöchstzahlen pro Klasse, alles andere ist nicht zulässig. Oder bestimmt hier auch Wunderwuzzi Kurz die Regeln (mir scheint fast so..alles tanzt nach seiner Pfeife)? Außerdem betrifft dies nur Bundesschulen (HAK HTL BRG) oder auch die Landesschulen ( MS) und Gemeindeschulen (VS)?
Offenbar hat Kurz und Faßmann im Sommer geschlafen um jetzt wieder drangsalieren zu können. Auch eine Art von SM oder psychischer Störung.

gb355
1
5
Lesenswert?

Na,ja

Nicht geschlafen, aber sie verstehen von dieser Materie nichts....
Die Schulsituation sollte sowieso in der Autonomie der Gemeinden/Schulleitung liegen.
Oder will man wirklich die nächsten Jahre so weiterwurschteln, das Virus wird nicht aussterben!!

goje
8
67
Lesenswert?

Was haben die Verantwortlichen, egal ob Gewerkschafter

oder Minister im Sommer gemacht? Das ist doch vollkommen absurd, jetzt darauf zu kommen.

Irmiernst
35
31
Lesenswert?

Bauliche Voraussetzungen??

Es wird ja wohl keine Klassenzimmer ohne Fenster geben, oder ? Und dass der Gewerkschafter für einen Lockdown in den Schulen ist verwundert nicht wirklich.
Was das für die Kinder + Eltern bedeutet dürfte offenbar ziemlich wurscht sein.

Ba.Ge.
0
6
Lesenswert?

Klasse ohne Fenster

sollte es keine geben - hoffentlich, aber mMn könnte es hin und wieder der Fall sein, dass der Verkehrslärm etc den Unterricht zu sehr stört oder etwas in die Richtung...

erstdenkendannsprechen
5
44
Lesenswert?

manche fenster lassen sich nicht öffnen - das wurde schon so gebaut.

auch aus sicherheitsgründen.
davon abgesehen sind in den klassen meiner kinder dauernd welche verkühlt. auch kein wunder. heizen (weils jetzt kalt ist - besonders in der früh) - lüften (zug) usw.
das warme anziehen hilft schon ein bisschen, aber es ist alles andere als suboptimal.
organisatorisch ist man gleich schlau wie im märz - man hat einfach die zeit verschlafen.

herwig67
4
5
Lesenswert?

Also

sollte dies zutreffend sein, dann sollte man die Fenster rasch ersetzen.

Klgfter
43
8
Lesenswert?

aus sicherheitsgründen nicht öffenbar ....

wo lebst du das du sowas verbreitest ? zumindest kippen wird immer möglich sein - und wenn es eine niedrigenergieschule ist dann wird eh automatisch ausreichend gelüftet !

also reiss dich am riemen mit deinen (Horror)geschichten !

checker43
1
18
Lesenswert?

Klgfter

Ja, das stimmt. Es gab immer wieder Schüler, die aus den Fenstern in den Freitod gesprungen sind, deshalb lassen sich viele Fenster in oberen Stockwerken nicht mehr öffnen.

Alfa166
5
2
Lesenswert?

Dafür gibt es andere "bauliche Maßnahmen".

Man nehme zb eine Haftanstalt, dort lassen sich die Fenster auch öffnen, nur damit die "Bewohner" dort nicht rausfallen bzw springen sind da eben als Bauliche Maßnahm gitter vor den Fenstern. Natürlich meine ich nicht, dass Schulen nun zu Gefängnissen umgebaut werden sollten, nur wenns anders nicht geht dann muss eben mal ein Gitter vors Fenster....

jost4513
9
43
Lesenswert?

Wieder die Schulen

... Alle 2 Wochen kommen die Schulen wieder in den Fokus... Solange bis die Kinder wieder zu Hause sind... Meine Tochter geht jetzt in die 2. Klasse... Hat also die 1. Nur bis Mitte März in der Schule verbracht, es mussten Kinder zurück gestellt werden, weil sie sich auch ohne Corona schwer getan haben.. Wie soll das werden wenn jetzt wieder alle daheim lernen sollen? Das kanns ja auch nicht sein?

erstdenkendannsprechen
9
5
Lesenswert?

sie meine, das liegt daran,

dass über die situation an den schulen berichtet wird - dh. dass sie "im fokus" stehen?

pietrok5
12
47
Lesenswert?

Was hat BM Faßmann im Sommer gemacht ?

Es waren Monate Zeit, den Schulbetrieb vorzubereiten. Aber außer "regelmäßig Lüften" ist dem Minister NICHTS eingefallen. In der Praxis sieht das so aus: Heizung voll aufgedreht, Kinder verschwitzt. Dann Fenster auf und nach Möglichkeit Durchzug. Da verkühlen sich Kinder erst recht, und werden dann "auf Verdacht" nach Hause geschickt. Ich habe Kinder in verschiedenen Schulen, und ein wirklich normaler Schulbetrieb ist nicht möglich. Jeden Tag fehlen ein paar, weil man mit einer einfachen Verkühlung zuhause bleiben muß/soll.
Der Schichtbetrieb im Frühjahr (mit Betreuungsmöglichkeit) für jüngere Schüler hat gut funktioniert. Homeschooling in den meisten Fällen auch, aber der Hr.Faßmann hat es leider nicht geschafft, ein paar Laptops zu beschaffen für die, die einen brauchen.
In anderen Ländern werden Seminarräume von Hotels als zusätzliche Unterrichtsräume angemietet. Das hilft den Hotels, und arbeitslose Lehrer haben wir angeblich genug.
In fast allen Ländern Europas werden Schulen mittlerweile als "Corona-Tauschbörsen" bezeichnet. Die (symptomlosen) Schüler tragen das Virus in die Familien, aber Herr Faßmann meint es sei umgekehrt.
Wenn sich die Zahl der geschlossenen Klassen alle zwei Wochen verdreifacht, wo sind wir dann im Januar oder Februar ?

beneathome
3
24
Lesenswert?

Bei den Finanzen herrscht dünne Luft,

und je dünner die Luft, umso breiter wird der Interpretationsspielraum. Das Virus freut sich.