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Coronavirus Steigende Infektionszahlen, EU-Reiseampel kurz vor Start

Die Pandemie kostet die Weltwirtschaft laut UNO monatlich 375 Milliarden Dollar, Besserung ist momentan nicht in Sicht. EU-Ampelsystem soll Reisewarnungen in allen Ländern auf gleichen Stand bringen.

© APA (Symbolbild/AFP)
 

Die Zahl der mit dem neuen Coronavirus infizierten Personen ist in Europa weiter kräftig angestiegen. Zugespitzt hat sich die Lage etwa in Tschechien und Polen, wo binnen 24 Stunden 4.457 bzw. 3.003 bestätigte Fälle hinzukamen. Beides sind für die betroffenen Länder Rekordwerte. Es wurden Schritte angekündigt. Dänemark verlängerte unterdessen trotz etwas gebesserter Zahlen seine Maßnahmen gegen die Pandemie.

Vor neun Monaten hörte die Öffentlichkeit zum ersten Mal von Covid-19. Aus diesem Anlass veröffentlichte UN-Generalsekretär Antonio Guterres am Dienstag ein "Kurzdossier". Die Pandemie habe unzulängliche Gesundheitssysteme, gähnende Lücken im Sozialschutz, große strukturelle Ungleichheiten innerhalb und zwischen den Ländern offenbart und vor allem aufgezeigt, "wie schlecht die Welt auf eine globale Pandemie vorbereitet ist", schrieb der UN-Chef.

375 Milliarden Dollar im Monat

Die Pandemie kostet die Weltwirtschaft monatlich 375 Milliarden Dollar (318 Mrd. Euro), berichtete Guterres. Bisher seien etwa 500 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen. Es gebe beunruhigende Anzeichen für neue Wellen. Der Generalsekretär empfahl u.a. eine dringende Kontrolle der weiteren Übertragung von Covid-19 durch bewährte Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit und eine koordinierte globale Reaktion.

"Wie zu befürchten war", stiegen die Zahlen in weiten Teilen Europas, "mit wachsender Tendenz in den vergangenen 24 Stunden", berichtete Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Mittwoch. "In Spanien plus 11.900, in Großbritannien um 14.000, in Frankreich um 11.500, Niederlande plus 9.100", listete Anschober auf.

EU-Länder vor Einigung auf einheitliches System

Die EU-Staaten machen indes Fortschritte bei den Bemühungen um eine bessere Koordinierung der Corona-Reisebeschränkungen. Nach ersten Vorschlägen der Kommission legte nun die deutsche EU-Ratspräsidentschaft einen Plan für ein europäisches Corona-Ampelsystem vor. Regionen würden je nach Infektionsgeschehen farblich markiert sein – grün, orange, rot. Basis ist eine wöchentliche Aktualisierung durch die Europäische Gesundheitsagentur ECDC, die die sogenannte „14-Tage-Inzidenz“ (Fälle pro 100.000 Einwohner) sowie Testraten heranzieht. Einseitige Grenzschließungen und Reisewarnungen im EU-Binnenmarkt sollen so vermieden werden. Der Vorschlag fand gestern auf Botschafterebene viel Zustimmung. Am Freitag können sie darüber abstimmen, kommenden Dienstag könnte der Plan beim Rat der Europaminister angenommen werden.

Die Lage in den Ländern

In Tschechien spitzte sich die Corona-Lage immer weiter zu. 13 Menschen starben zuletzt in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung, was die Gesamtzahl seit Beginn der Pandemie auf 794 erhöhte. "Wir sind in der Phase eines relativ intensiven Anstiegs", sagte Gesundheitsminister Roman Prymula nach Angaben der Agentur CTK. Der 56-Jährige kündigte an, dass er am Freitag radikalere Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus bekanntgeben werde. Zudem wolle er dem Kabinett vorschlagen, Medizinstudenten zum Einsatz in den Krankenhäusern zu verpflichten.

Würde man jetzt nicht handeln, bestünde die Gefahr, dass das Gesundheitssystem bis Ende des Monats zusammenbreche, warnte der sozialdemokratische Innenminister Jan Hamacek. Er schloss indes einen "kompletten Lockdown", also ein nahezu vollständiges Herunterfahren des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens, aus. Im europaweiten Vergleich ist Tschechien mittlerweile trauriger Spitzenreiter bei den Neuerkrankungen.

Tschechien war relativ glimpflich durch die erste Phase der Pandemie gekommen, wurde aber von der zweiten Welle umso härter getroffen. Manche Beobachter machen dafür die Sorglosigkeit der Menschen im Sommer, andere den Schuljahresbeginn verantwortlich. Die Regierung hatte am Montag den Notstand ausgerufen. Es gilt Maskenpflicht in Innenräumen und öffentlichen Verkehrsmitteln. Versammlungen und Veranstaltungen mit mehr als zehn Teilnehmern in Innenräumen und 20 im Freien sind untersagt.

In Polen starben innerhalb von 24 Stunden 75 Menschen, wie das Gesundheitsministerium in Warschau mitteilte - so viele wie nie zuvor. "Wir müssen damit rechnen, dass wir in den kommenden Tagen viele Todesfälle haben werden", sagte ein Sprecher des Gesundheitsministerium. Bei den Neuinfektionen lag der Schwerpunkt mit 527 Fällen in der Region um die Hauptstadt Warschau, aber auch Kleinpolen im Süden des Landes (357) und Schlesien (286) waren stark betroffen.

In Polen haben sich nach offiziellen Angaben bisher 107.319 Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert. 2.792 Menschen starben demnach in Zusammenhang mit dem Virus. Polen hat rund 38 Millionen Einwohner.

Die Zahl der Corona-Ansteckungen ist auch in der Schweiz sprunghaft angestiegen. Nach durchschnittlich 500 Neuinfektionen in der vergangenen Woche meldete das Bundesamt für Gesundheit am Mittwoch für die Schweiz und Liechtenstein 1.077 Ansteckungen (davon drei im Fürstentum) innerhalb von 24 Stunden. Am Vortag waren es 700 neue Fälle. Die Zahl lag zuletzt im April bei mehr als 1.000 Fällen.

Die in Dänemark geltenden Maßnahmen zur Eindämmung der Coronavirus-Ausbreitung werden bis 31. Oktober verlängert. Das gab Gesundheitsminister Magnus Heunicke bekannt. Restaurants, Cafes und Bars im ganzen Land müssen um 22.00 Uhr schließen, es gilt Mund-Nasen-Schutz-Pflicht in Lokalen. Die maximale Teilnehmerzahl für öffentliche Versammlungen wurde auf 50 herabgesetzt und später auf private Veranstaltungen erweitert. Arbeitnehmer werden aufgefordert, wenn möglich im Homeoffice zu arbeiten. Soziale Kontakte sollen die Dänen generell begrenzen und den öffentlichen Nahverkehr in Stoßzeiten meiden.

Lage in Italien

Die italienischen Gesundheitsbehörden haben am Mittwoch einen starken Anstieg bei den Coronavirus-Ansteckungen verzeichnet. 3.678 neue Fälle wurden in 24 Stunden registriert, das sind über tausend mehr als am Vortag. Außerdem wurden 31 Todesfälle gemeldet, am Dienstag waren es 28. Die Zahl der Toten in Italien seit Beginn der Epidemie im Februar stieg somit auf 36.061. Eine Rekordzahl von 125.000 Abstrichen wurden am Mittwoch genommen.

Die Zahl der bestätigten aktiven Fälle kletterte auf 62.576, jene der in Spitälern behandelten Covid-19-Patienten stieg auf 3.782, teilte das italienische Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Auf Intensivstationen lagen 337 Patienten, am Vortag waren es 319.

Die italienische Regierung führt zum Corona-Schutz eine nationale Maskenpflicht auch im Freien ein, wurde bei einer Ministerratssitzung am Mittwoch beschlossen. Die Maßnahme tritt sofort in Kraft. Bisher mussten die Schutzmasken national hauptsächlich in geschlossenen Räumen wie Geschäfte und Büros sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln getragen werden.

Die Regierung will zudem die Kontrollen zur Einhaltung der Maskenpflicht verschärfen. Hinzu sollen die Sicherheitskräfte darauf achten, dass es zu keinen Menschenansammlungen kommt. Italien verlängert außerdem den Ausnahmezustand wegen der Corona-Krise bis Ende Jänner 2021.


Corona: Wie verhalte ich mich richtig?

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Kommentare (1)

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Freeskier
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Wenn......

wir nicht augenblicklich zur Besinnung kommen und alles daran setzen um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, wird unser Wintertourismus eine Katrastrophe noch nie dagewesenen Ausmaßes erleben. Damit wird die Wirtschaft im Allgemeinen einen Einbruch erleben, der an die Nachkriegszeit erinnern wird. Wollen und dürfen wir unseren Kindern und Enkelkindern das antun? Nur damit wir jetzt Party feiern können? So unter dem Motto: Feiert solange es noch geht?!