Es zeichnete sich längst ab: Ob der steigenden Infektionszahlen von Reiserückkehrern aus Kroatien bzw. einem Anstieg in dem bei österreichischen Urlaubern äußerst beliebten Land rät Österreichs Regierung nun von Reisen dorthin ab: Die Reisewarnung tritt am Montag in Kraft, wie das Außenministerium mitteilte.

Das bedeutet: Urlauber, die sich derzeit in Kroatien befinden, werden dringend aufgerufen, heimzukehren. Zudem wird Österreichern davon abgeraten, jetzt noch in das Land zu reisen. Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) sprach von einem "dringenden Appell". Die Zahlen sind eindeutig: Am Donnerstag gab es in Kroatien bereits 180 Neuinfektionen, am Freitag waren es dann bereits über 200, wie Dario Markas von der Tageszeitung Večernji list berichtet.

Selbst Kroatiens Chef-Epidimologe Krunoslav Capak zeigte sich zuletzt überrascht, wie mühelos sich das Virus auch während der Sommermonate verbreitet. Dass die Zahlen durch den Tourismus, von dem Kroatien zu einem Gutteil lebt, steigen werden, schien klar – allerdings nicht in diesen Dimensionen. In Kärnten etwa wiesen 16 von 22 Neuinfektionen Kroatien-Bezug auf.

Als besondere Problemquelle gelten Strandpartys und Nachtklubs, zu die es feierfreudige Urlauber und Einheimische zieht, als gäbe es Corona nicht. Vor allem dort wird der Virus "weitergereicht". Die zwei größten Cluster findet man derzeit in Split an der dalmatinischen Küste und in Zagreb: Dass es auch die Hauptstadt trifft, liegt daran, dass viele Junge, die am Meer ihren Urlaub verbrachten, den Virus nach Zagreb mitbringen.

Kroatiens Regierung reagierte: Bars und Nachtklubs dürfen ab sofort nur noch bis Mitternacht geöffnet bleiben. Diese Maßnahme des nationalen Krisenstabs bleibt zehn Tage in Kraft. Sofort regte sich bei den Lokalbetreibern heftiger Widerstand – viele ließen wissen, unter diesen Vorgaben gar nicht mehr aufzusperren.

Als positiv wird in Kroatien die Tatsache bewertet, dass die Infizierten derzeit im Durchschnitt erst 34 Jahre alt sind – was für sie meist einen milden Krankheitsverlauf bedeutet. "Nur" zehn Menschen hängen an Beatmungsgeräten.

Mit wachem Auge verfolgt man die Lage naturgemäß auch in Slowenien: Bojana Beovic, Leiterin der Expertengruppe, die die slowenische Regierung in der Corona-Krise berät, kündigte wörtlich an, ein "wesentlich strengeres Regime" an der Grenze zu Kroatien vorschlagen zu wollen.

Offiziell sind aktuell 3000 reiseregistrierte Österreicher in Kroatien – es dürften aber viel mehr sein. Eine Reaktion von Kroatiens Regierung zur Reisewarnung stand am Freitag noch aus. Schallenberg hielt fest, dass man sich "die Entscheidung nicht leicht gemacht habe".