"Es gab Wochen, da konnte ich meine Kinder in einem Monat nur zehn Tage in den Kindergarten bringen", erzählt Verena Radinger-Peer aus Wien. Kaum habe ein Kind gehustet, waren alle in Alarmbereitschaft. Aufgrund dieser Verdachtsfälle im Kindergarten ihres Nachwuchses wurde dieser immer wieder kurzfristig für Tage geschlossen. Für Eltern eine äußerst schwierige Situation – vor allem, wenn Pflegeurlaub nicht möglich ist und der Urlaub bereits aufgebraucht wurde.

"Die Verzweiflung bei uns und in unserem Umfeld ist groß, darum haben wir eine Petition gestartet", erklärt die zweifache Mutter. Darin wird unter anderem von der Bundesregierung und der Stadt Wien gefordert, die laufenden Unsicherheiten für Eltern zu beseitigen und eine klare Strategie für den Herbst darzulegen. Fast 4000 Unterstützer fand die Petition bereits.

Wien hat nun Regeln für den Umgang mit Coronavirus-Verdachtsfällen für Schulen und Kindergärten in der Bundeshauptstadt definiert. Die Schließung von Gruppen oder gar ganzen Einrichtungen wegen eines Verdachtsfalls soll es nicht mehr geben. "Die vergleichsweise niedrige Infektionsrate bei Kindern wird auch durch zahlreiche Studien bestätigt. Deshalb können wir die Vorgangsweise nun vereinfachen und die Betreuung der Kinder im Sinne aller Beteiligten auch bei Verdachtsfällen aufrechterhalten", erklärte die stellvertretende Landessanitätsdirektorin und Leiterin des Medizinischen Krisenstabs, Ursula Karnthaler.

Die neuen Regeln sehen vor, dass nur noch jenes Kind, das Krankheitssymptome aufweist, abgesondert wird. Enge Kontaktpersonen, also Kinder der gleichen Klasse oder Gruppe, können weiter unterrichtet oder betreut werden. Wenn das Ergebnis beim Verdachtsfall positiv ist, dann werden die engen Kontaktpersonen – also Kinder derselben Gruppe oder Klasse – sehr wohl für 14 Tage nach dem letzten Kontakt zum infizierten Kind abgesondert. Die Gesundheitsbehörde nimmt dann mit den Betroffenen Kontakt auf und leitet weitere Tests in die Wege.
Diese Regeln gelten vorerst nur in Wien, da Kindergärten und Grundschulen Ländersache sind.


Für Radinger-Peer wurde damit das größte Anliegen der Petition bereits erfüllt. Arbeiten müsse man jedoch weiter an der Dauer der Testungen. Außerdem sollten genaue Kriterien definiert werden, was genau ein Verdachtsfall sei. Mittlerweile hat sich auch das Gesundheitsministerium bei der Wienerin gemeldet und zu einem Gespräch im Herbst geladen.

Eine zweite Petition – ins Leben gerufen von der Burgenländerin Katharina Brodnik – fordert zusätzlich auch "mehr Entlastungs- und Unterstützungsmöglichkeiten für berufstätige Eltern in der Krise."

"Wir haben gemeinsam versucht, Homeschooling, Betreuungspflichten und Arbeit zu vereinbaren und auch andere bestmöglich zu schützen", schreibt sie in der Petition. "Wir fordern daher die Bundesregierung auf, sich des Themas Entlastung von Familien anzunehmen und Möglichkeiten zu schaffen, wie Arbeit, Kinderbetreuung und Erziehung leichter zu vereinbaren sind." Konkret formuliert Brodnik zehn Punkte mit Forderungen. Etwa mehr Pflegefreistellungstage, Schaffung der Möglichkeit auf Sonderurlaub und eben auch die Übernahme der Kinderbetreuung in die Agenden des Bundes, damit die Kinderbetreuung in Österreich einheitlich geregelt werden kann.

Etwa 1000 Unterstützer haben bisher unterschrieben, 10.000 sollen es innerhalb eines halben Jahres werden.