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CoronavirusAppelle für weniger Druck beim Heimunterricht

Für viele Familien bedeutet die Beschulung daheim allerdings eine große Belastung - vor allem für jene, die ohnehin schon weniger Ressourcen und damit schlechtere Bildungschancen haben. Experten plädieren dafür, Druck rauszunehmen.

© APA/ERWIN SCHERIAU
 

Mit den Schulschließungen haben Österreichs Lehrer ihren Unterricht vielfach mit viel Kreativität und Engagement auf Fernlehre und digitale Kommunikation umgestellt. Für viele Familien bedeutet die Beschulung daheim allerdings eine große Belastung - vor allem für jene, die ohnehin schon weniger Ressourcen und damit schlechtere Bildungschancen haben. Experten plädieren dafür, Druck rauszunehmen. Ab 11.30 Uhr wird Bildungsminister Heinz Faßmann heute über weitere Schritte und Maßnahmen an Schulen und Universitäten in der Corona-Krise informieren, wir berichten live.

Lehrer stünden gerade vor einem Spagat, wie eine Volksschullehrerin aus Wien-Meidling der APA schildert: Während die Eltern vor einer Überforderung der Kinder mit zu vielen Aufgaben warnen, hieße es von Schulleitung und Bildungsministerium: "Ihr werdet weiter bezahlt, ihr müsst leisten."

Konflikte und Frust

Eine Verlängerung der Schulsperren nach Ostern werde die Eltern vielfach an die Grenzen bringen, fürchtet sie. "Das Konfliktpotenzial wird größer, die Frustrationstoleranz geringer."

Bildungswissenschafter Stefan Hopmann (Uni Wien) warnt in einem Gastkommentar in der Wochenzeitung "Furche" überhaupt vor einem "Hurra-Optimismus der politisch Verantwortlichen" in Bezug auf den Fernunterricht. Der Nutzen von E-Learning hänge massiv davon ab, ob jemand den Schülern bei ihren Aufgaben helfen kann und ob sie über einen geeigneten Arbeitsplatz, unbegrenzten Internetzugang, die notwendigen Materialien und Hilfsmittel verfügen. Es seien auch nicht alle Schüler in der Lage, ihr Lernen allein zu organisieren.

Lernen unter Katastrophenbedingungen

Dazu komme, dass beim Lernen unter Katastrophenbedingungen - vom Krieg bis Tschernobyl - auch jene in ihrer Lernbereitschaft eingeschränkt sind, die keine auffällige Symptomatik zeigen. "Das Wichtigste, was Familien in dieser Situation geben können, ist ein Gefühl von Gemeinschaft und Geborgenheit, dem nichts wichtiger ist, als den Kindern und Jugendlichen bei der Bewältigung dieser ungeheuren seelischen Belastung zu helfen. (...) Die Erwartung, Familien sollten ihren Alltag am Stundenplan und den Leistungsanforderungen der Schule ausrichten, ist in diesem Sinne ein massiver Anschlag auf die Bedingungen familiärer Fürsorge."

Druck und Stress vermeiden

Ähnlich klingt das bei Bildungswissenschafter Urs Moser von der Uni Zürich. "Es gilt, Druck und Stress zu vermeiden", sagt er im Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung". Viele Eltern seien durch die neue Situation genug gefordert. "Die Eltern sollen emotionale Unterstützung bieten, das Gespräch suchen, aber nicht die Lehrperson spielen - auch weil sie fachlich und didaktisch überfordert sind."

Verzicht auf Zentralmatura

Hopmann plädiert in der "Furche" dafür, den Schülern als sinnvolle Beschäftigung auch weiter Lernmaterial und andere Online-Angebote zur Verfügung zu stellen, es dürfe aber niemandem durch Leistungen beim E-Learning ein Nachteil entstehen. Auch auf Schularbeiten, Tests und Abschlussprüfungen wie die Zentralmatura sollte bis zum Jahresende verzichtet werden. "Wer das, wie das Ministerium zur Zeit, verweigert, handelt vorsätzlich sozial ungerecht und pädagogisch unverantwortlich", so seine Kritik.

Auch mit Wiederbeginn des Unterrichts könne man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, einen normalen Unterricht solle es vor den Sommerferien nicht mehr geben. So schlimm ist das aus Hopmanns Sicht aber ohnehin nicht. Der mögliche Ausfall betreffe gerade einmal drei Prozent des Unterrichts einer durchschnittlich 100 Monate dauernden Schullaufbahn.

Appell an Eltern: "Nicht zu ernst nehmen"

Die Ganztagsvolksschule Vereinsgasse in Wien-Leopoldstadt hat unterdessen auf ihrer Facebook-Seite selbst an die Eltern appelliert, die Schule in der aktuellen Situation nicht zu ernst zu nehmen. Es sei in Ordnung, wenn die Kinder nicht alle Lernübungen schaffen oder die Eltern ihnen nicht alles erklären können. Die Familien sollten auch keinesfalls wegen der Lernaufgaben streiten. "Wenn Corona vorbei ist, wird sich kein Kind daran erinnern, welche Lernübungen es daheim gemacht hat. Aber jedes Kind wird sich daran erinnern, wie es sich in dieser Zeit daheim gefühlt hat!", heißt es hier.


Corona: Wie verhalte ich mich richtig?

Wenn Sie bei sich Erkältungssymptome bemerken, dann gilt zunächst: zu Hause bleiben und Kontakte zu Mitmenschen meiden! Tritt zusätzlich Fieber auf oder verschlechtert sich der Zustand, dann sollte das Gesundheitstelefon 1450 angerufen werden. Bei allgemeinen Fragen wählen Sie bitte die Infoline Coronavirus der AGES: 0800 555 621 .
Die Nummer 1450 ist nur für Menschen mit Beschwerden! Es gilt: Zuerst immer telefonisch anfragen, niemals selbstständig mit einem Corona-Verdacht in Arztpraxis oder Krankenhaus gehen!

Coronavirus-Infopoint

Kommentare (5)

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Lehrere als Helfer

Ich plädiere dafür, dass Lehrer den Schülern und Eltern als Kontaktpersonen zur Verfügung stehen sollten, um bei Fragen zu Lernmethoden und zum Umgang mit dieser Situation behilflich zu sein. Die Kinder haben es in dieser Situation an sich schon wer genug, klar zu kommen. Statt endlos die üblichen Aufgaben zu verteilen, könnte es so ablaufen: Die Schüler suchen sich Themen, die sie interessieren und bearbeiten diese je nach Alter und Bildungsstand. Die Lehrer stehen zur Verfügung, wenn Fragen sind - E-Mail oder Telefon oder Messagingdienst. Mein Sohn - 8 Jahre - interessiert sich plötzlich für die Geografie und die Länder dieser Welt, liest in Büchern darüber und fragt seine Eltern Löcher in den Bauch. Er hat angefangen, ein "Buch über die Welt" zu verfassen und malt und liest und schreibt. Die Schule aber gibt vor, dass er täglich seitenweise Lernwörter abschreiben soll. Da frage ich mich: Was hat in dieser Ausnahmesituation Priorität?

jasager
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Videoeinheiten

Ich verstehe ohnehin nicht, warum nicht Videounterricht abgehalten wird. In unserer Schule passiert das 1x wöchentlich in nur einen Fach. Das bedeutet, die technischen Voraussetzungen sind da. Warum macht man das dann nicht täglich? 2 Einheiten würden sich organisatorisch leicht ausgehen und so könnte in jedem Fach zumindest 1x wöchentlich eine Art Unterricht stattfinden.

himmel17
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Jeder glaubt sein Fach sei das wichtigste

Das kennen wir ja. Nur bei den Schülerinnen und Schülern kommt dann alles zusammen. Deshalb: Weniger ist mehr!

Ifrogmi
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seit jahren, ...

... eigentlich seit jahrzehnten, wird auf die lehrerInnen eingeprügelt, wie faul, wie unprofessionell, zu wenig förderung, zu wenig forderung, usw.
jetzt kriegen die eltern einen teil (!) dessen ab, was an schulen in grossgruppen über 20, garniert mit allen nuancen an kreativem verhalten, erarbeitet wird und es ist einigen zu viel.
die meisten werden auch mehr schicken als sie selbst für notwendig halten um diesen sehr speziellen eltern, die ständig nörgeln, kritisieren undf hetzen, den wind aus den segeln zu nehmen.
es ist wie in der politik: eine realitätsferne, aber laut schreiende minderheit treibt sie vor sich her. und sie lassen sich treiben.

47er
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Ich habe dir weder rot noch grün gegeben,

obwohl du teilweise recht hast. Ich kann mich noch an meine Schulzeit zurückerinnern, da hat es einen Geographielehrer gegebn, der zu Unterrichtsbeginn z. B. über griechische Sagen erzählte und die Orte jener Zeit erwähnte. Anschließend sollten wir die Stätten im Atlas suchenund herauszeichnen, viele sind mir heute noch im Gedächtnis. So sollte lernen sein, gerechte Strenge ist wichtig, Ausgrenzung, Bevorzugung, Mobbing sind kontraproduktiv.