In Dalmatien haben die Einsatzkräfte am Donnerstag weiterhin gegen einen am Vortag zwischen den Ferienstädten Vodice und Šibenik ausgebrochenen Waldbrand gekämpft. Die Lage war in der Früh ruhiger, das Feuer breitete sich nicht mehr unkontrolliert aus, berichtete der kroatische Zivilschutz laut Medien. Mehr als 300 Feuerwehrleute und 50 Soldaten waren im Einsatz, unterstützt von fünf Löschfahrzeugen.

Mehrere Straßen blieben am Donnerstag gesperrt. Der Waldbrand im Hinterland von Vodice hatte Busch, Wälder, Olivenhaine und Weinberge auf rund 3.300 Hektar Land erfasst. In den Dörfern Zaton und Raslina fingen rund 20 Häuser Feuer, das Schadensausmaß muss noch festgestellt werden. Unter der Bewohnern gab es Berichten zufolge keine Opfer, einige Feuerwehrleute erlitten leichte Verletzungen.

In der Nacht auf Donnerstag war die Lage am kritischsten an der Umfahrungsstraße von Vodice. Die Einsatzkräfte verhinderten die Ausbreitung des Feuers in Richtung der Kleinstadt. Eine Entspannung für die Helfer gab es am Donnerstag nicht: Sorgen machte ihnen der Wind, der gegen Mittag aufkommen und das Feuer wieder anfachen könnte.

Mehr als 100 Feuerwehrleute mit 42 Löschfahrzeugen seien im Einsatz, schrieb das lokale Nachrichtenportal "sibenik.in". In der Ortschaft Zaton herrschten Panik, mehrere Häuser fingen Feuer, undurchdringlicher Rauch legte sich über den Ort, berichtete ein Reporter des Portals. Die Rauchschwaden waren auch im wenige Kilometer entfernten Šibenik zu sehen.

Wald- und Buschbrände sind in Kroatien im Sommer häufig. Begünstigt werden sie auch jetzt durch die anhaltende Trockenheit. Erst am letzten Wochenende hatte ein Brand nahe der Stadt Pula auf der Halbinsel Istrien 40 Hektar Vegetation vernichtet.

Gluthitze und Waldbrände in Südeuropa

Die Hitzewelle und anhaltende Dürre in den südeuropäischen Urlaubsländern führt zu immer mehr Bränden in ausgetrockneten Wäldern. Das Problem verschärft sich zusehends, da in Italien und Frankreich in den kommenden Tagen Temperaturen von bis zu 40 Grad erwartet werden. Auf Sizilien und Sardinien gilt am Donnerstag noch immer weitgehend eine erhöhte Waldbrand-Warnstufe. Der Waldbrand auf der griechischen Insel Samos konnte indes noch nicht unter Kontrolle gebracht werden.

Urlauber und Bewohner in weiten Teilen Italiens müssen für das kommende Wochenende mit großer Sommerhitze rechnen. Betroffen sind laut italienischer Luftwaffe – sie ist für den offiziellen Wetterbericht zuständig – unter anderem die Toskana, das die Hauptstadt Rom umgebende Latium, der Osten Siziliens und Sardinien.

In Italien waren zuletzt Feuerwehrkräfte immer wieder zu Wald- und Buschbränden ausgerückt, etwa in Südtirol, der Toskana sowie in und um Rom. Es herrscht seit Wochen eine extreme Dürre. In fünf nördlichen Regionen entlang des Flusses Po verhängte die Regierung wegen der Trockenheit bereits den Notstand. Weitere Regionen könnten folgen, wie Landwirtschaftsminister Stefano Patuanelli am Mittwochabend im Parlament sagte.

Bereits ab Freitag stiegen die Temperaturen in der Ebene entlang des Flusses Po in Norditalien auf 36 bis 40 Grad Celsius – die dortigen Gegenden und der Po leiden derzeit unter extremer Trockenheit. Der Wasserstand liegt stellenweise weit unter dem Mittelwert aus den Vorjahren. Die Behörde für die Überwachung des längsten Stroms Italiens fordert deshalb weiter, Wasser aus den großen Seen, wie dem bei Touristen beliebten Gardasee, abzuleiten. Der dortige Gemeindeverband lehnte das in der Vergangenheit jedoch ab.

Hitze auch in Spanien und Portugal

In Spanien finden Ventilatoren derweil reißenden Absatz: So kletterten in Bilbao im Norden des Landes die Verkaufszahlen nach Medienberichten um mehr als 50 Prozent in die Höhe. In 16 der insgesamt 17 autonomen Gemeinschaften Spaniens sollte am Donnerstag weiterhin Hitzealarm gelten, in fünf dieser Regionen teilweise sogar Alarmstufe Rot.

Die Regierung Portugals ordnete wegen der aktuell herrschenden Hitzewelle bis Freitag eine erhöhte Alarmbereitschaft für Rettungskräfte an. "Die Wettervorhersagen für die nächsten Tage bleiben mit Blick auf die Brandgefahr äußerst besorgniserregend", betonte Regierungschef António Costa. Nach Angaben des Zivilschutzes kam ein Mensch bei einem Feuer in der Ortschaft Murtosa ums Leben.

Waldbrand erreicht Olivenbäume in Zentral-Portugal
© (c) AP (Armando Franca)

In Frankreich erwarten Meteorologen bis Ende Juli einen Dürrerekord. Zwar hatte es in der zweiten Junihälfte vielerorts Unwetter mit viel Regen gegeben, doch der Effekt ist weitgehend verflogen – und die Böden trocknen wieder aus. Aktuell kämpfte die Feuerwehr an der Atlantikküste weiter gegen einen großflächigen Waldbrand in den Pinienwäldern südlich von Bordeaux. Die französische Premierministerin Elisabeth Borne forderte ihr Kabinett auf, sich auf die Auswirkungen der Hitzewelle auf die Bevölkerung vorzubereiten, die voraussichtlich bis mindestens Anfang kommender Woche anhalten wird.

Feuerwehren kämpfen gegen einen Brand in den Pinienwäldern südlich von Bordeaux
© (c) AP

Selbst in Großbritannien rechnet die britische Wetterbehörde Met Office ab Sonntag mit Temperaturen von über 35 Grad in England und Schottland. Die Briten wurden von den Wasserversorgungswerken dazu aufgerufen, jeden Tropfen zu sparen und nur so viel Wasser für ihre Tasse Tee zu erhitzen, wie sie brauchen.

Löschhelikopter auf Samos abgestürzt

Bei der Bekämpfung eines großen Waldbrands auf der Insel Samos ist am Mittwoch ein Löschhelikopter aus bisher unbekannten Gründen ins Meer gestürzt. Zwei der vier Besatzungsmitglieder hätten nur tot geborgen werden können, berichtete am Abend der Staatssender ERT. Der rumänische Pilot sei in kritischem Zustand ins Krankenhaus gebracht worden, nach dem vierten Besatzungsmitglied werde noch gesucht.

Im äußersten Westen der Insel Samos war am Mittwochmittag ein großer Waldbrand ausgebrochen. Dem Onlineportal Samos Voice zufolge waren 14 Löschzüge, drei Löschflugzeuge und zwei Löschhubschrauber im Einsatz.