Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

AmazonasgebietRegenwälder in Flammen: Bolsonaro beschimpft Umweltschutzorganisationen als "Krebs"

Trotz eines Verbots von Brandrodungen und eines massiven Militäreinsatzes steht der Regenwald im Amazonasgebiet weiter in Flammen.

Tag des Amazonas: Die Wälder brennen weiter
Tag des Amazonas: Die Wälder brennen weiter © AP
 

Allein ist den ersten Septembertagen wurden im brasilianischen Amazonasgebiet rund 1000 Feuer registriert, wie aus den Daten des Weltrauminstituts Inpe hervorgeht. Präsident Jair Bolsonaro bezeichnete indes Umweltschutzorganisationen als "Krebs".

Im August waren es fast 30.000 Brände gewesen. Am Samstag begeht Brasilien den Tag des Amazonas und erinnert damit an die Gründung der Provinz Amazonas durch Prinz Pedro II. im Jahr 1850.

Umweltbehörden wurden entmachtet

"Brandrodungen sind zwar derzeit offiziell verboten, doch es geht ungebremst weiter. Die Umweltbehörden wurden entmachtet, Polizeibehörden kontrollieren kaum und Verstöße haben keine Konsequenzen", sagt Juliana Miyazaki von der Gesellschaft für bedrohte Völker. "Auslöser der Waldbrände sind meist illegale Rodungen. Es wird entwaldet, das Holz trocknet, dann wird Feuer gelegt. So werde neue Flächen für wirtschaftliche Aktivitäten wie das Agrobusiness frei."

"Ihr wisst, dass die NGOs mir nichts zu sagen haben", sagte der rechtsextreme Präsident Bolsonaro in seiner wöchentlichen Facebookübertragung. "Ich bin streng mit diesen Leuten, aber ich schaffe es nicht, diesen Krebs zu töten, den die meisten NGOs darstellen."

Bolsonaros Zorn wurde insbesondere durch die Kampagne "Defundbolsonaro.org" (etwa: Entzieht Bolsonaro die Gelder) geweckt, die eine Umweltgruppe diese Woche gestartet hatte. Potenzielle Investoren werden damit aufgerufen, ihr Engagement in Brasilien von der Verpflichtung zum Schutz des Amazonas-Regenwaldes abhängig zu machen. Im Juni hatten bereits internationale Investmentfonds mit einem Gesamtvolumen von vier Billionen Dollar (3,38 Billionen Euro) von der brasilianischen Regierung einen Kurswechsel in der Umweltpolitik gefordert.

Mitte Juli hatte die brasilianische Regierung das Abbrennen von Flächen im Amazonas-Gebiet eigentlich für 120 Tage untersagt. Zur Überwachung des Verbots wurden Soldaten in die Region geschickt. Dass Bolsonaro die Abholzung und Brandrodung allerdings tatsächlich eindämmen will, darf bezweifelt werden. Der Ex-Militär hat immer wieder betont, die Region künftig noch stärker wirtschaftlich nutzen zu wollen.

An der starren Haltung in Brasilien könnte sogar die größte Freihandelszone der Welt zwischen der EU und dem südamerikanischen Wirtschaftsbündnis Mercosur scheitern. Angesichts der anhaltenden Abholzung des Regenwaldes sei die Unterzeichnung des Abkommens derzeit kein gutes Signal, sagte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zuletzt. In Frankreich, Irland und Österreich wird der Vertrag ohnehin kritisch gesehen.

Auch in anderen Ländern im Amazonasbecken herrscht Alarmstimmung: In Kolumbien würden bewaffnete Gruppen die Wildhüter aus den Schutzgebieten vertreiben, berichtete die Umweltschutzorganisation WWF. "Illegaler Holzhandel, Bergbau und Landraub sind attraktive Möglichkeiten für diese kriminellen Organisationen, sich zu finanzieren", sagte die Kolumbienexpertin beim WWF, Julia Gorricho. "Darunter leiden wird nicht nur die Natur, sondern auch die Menschen vor Ort, insbesondere Indigene." Die Entwaldung in Kolumbien stieg in den ersten vier Monaten des Jahres um rund ein Drittel im Vergleich zum gleichen Zeitraum in 2019.

Kommentare (5)
Kommentieren
WASP
1
19
Lesenswert?

Sanktionen

Statt immer nur auf Putin zu zeigen sollte sich die westliche "Werte-Gemeinschaft" einmal um diesen Typen kümmern. Dieser Indigenen Mörder und Umwelt-Zerstörer gehört sofort sanktioniert. Ich weiß aus eigener Erfahrung, daß in Russland auch nicht alles gut ist, aber wo ist es das schon. Aber wenn ich jetzt Moskau mit Rio de Janeiro vergleiche, sind da Welten dazwischen. Wie gesagt, meine eigenen Erfahrungen. Ich versuche beim Einkauf Produkte mit Palmöl zu vermeiden.

zweigerl
5
4
Lesenswert?

Pardon für P?

Ich weiß jetzt nicht, warum man die längst überfällige globale Verurteilung dieses selbstgefälligen Machos und unbedenklichen
Zerstörers des Regenwalds, nachweislich die "Lunge der Welt", die autokratische Selbstherrlichkeit Putins pardonieren soll, der seine Gegner vergiftet und keinen Finger rührt für die globalökologischen Probleme. Von einer Mithilfe der Lösung des Migrationsproblems gar nicht zu reden.

WASP
1
11
Lesenswert?

Nicht verstanden?

Mir geht es um kein Pardon für P. Ich habe das nur als Vergleich dargestellt. Wie schnell sich alle Westler immer gegen Putin einig sind. Bei Bolsnaro ist das scheinbar egal. Das gilt auch für Gestalten wie dem Sultan oder die Saudis. Da vermisse ich auch die Geschlossenheit. Alles klar jetzt?

ichbindermeinung
1
12
Lesenswert?

regenwaldschädliches Palmöl verbieten und Mercosur

schon längst hätte man das regenwald-/klimaschädl. Palmöl zumindest für alle Produkte, die in Ö in Verkehr gebracht werden, verbieten können und obendrein das klimaschädliche Mercosurabkommen

Mezgolits
4
1
Lesenswert?

Die Entwaldung in Kolumbien stieg ...

Vielen Dank - und wie viele Tonnen Kohle werden
aus Kolumbien - in die EU importiert? Erfinder M.