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20 Tote in Texas"Manifest" lässt auf Hassverbrechen schließen

21-jähriger Texaner soll Massaker in Walmart-Supermarkt in El Paso verübt haben. In einem Manifest, das 19 Minuten vor dem ersten Notruf online ging, schrieb er, der Angriff sei "eine Antwort auf die hispanische Invasion in Texas".

© AP
 

Ein Schütze hat in einem Einkaufszentrum in der Grenzstadt El Paso im US-Bundesstaat Texas das Feuer eröffnet und mindestens 20 Menschen getötet. 26 weitere Menschen seien verletzt worden, sagte El Pasos Polizeichef Greg Allen am Samstagabend (Ortszeit). Der mutmaßliche Todesschütze habe sich der Polizei ergeben. Nach offiziellen Angaben handelt es sich um einen 21-jährigen Weißen.

Hassverbrechen

El Pasos Polizeichef Greg Allen sagte, es gebe ein "Manifest", das womöglich auf ein Hassverbrechen schließen lasse. Es sei allerdings noch nicht bestätigt, ob die Kampfschrift tatsächlich von dem 21-jährigen Verdächtigen stammt.

In dem Pamphlet, das dem Täter zugeschrieben wurde, heißt es unter anderem: "Dieser Angriff ist eine Antwort auf die hispanische Invasion in Texas." Der Autor äußert in dem vierseitigen Text seine Unterstützung für den rassistischen Attentäter von Christchurch, der Mitte März in Neuseeland zwei Moscheen angegriffen und 51 Menschen getötet hatte. Die "New York Times" berichtete, der Text sei 19 Minuten vor dem ersten Notruf in El Paso online gegangen.

In dem vom Schützen verfassten Online-Manifest ist nach Medienberichten von einer "hispanischen Invasion" die Rede. Die "unangenehme Wahrheit" sei, dass "sowohl Demokraten als auch Republikaner uns seit Jahrzehnten im Stich gelassen haben", heißt es demnach darin. In dem Manifest äußert der junge Texaner zudem die Erwartung, dass er bei der Tat getötet werde. Sollte er festgenommen werden, sei dies "viel schlimmer" als erschossen zu werden, "weil ich sowieso die Todesstrafe bekomme". Mit der Vorbereitung der Tat soll er wahrscheinlich weniger als einen Monat verbracht haben.

Verbrechen mit politischem Hintergrund

Gilroy (Kalifornien), Juli 2019: Während eines Volksfests eröffnet ein Schütze - anscheinend wahllos - das Feuer und tötet drei Menschen, darunter zwei Kinder. Der Täter wird von Polizisten am Tatort erschossen. Medienberichten zufolge soll er auf Instagram Bezug genommen haben auf Schriften mit rassistischen Ideologien.

Poway (Kalifornien), April 2019: Am letzten Tag des jüdischen Pessachfestes dringt ein Angreifer in eine Synagoge der orthodoxen Chabad-Bewegung ein und erschießt eine Frau. Drei Menschen, darunter der Rabbi, werden bei der mutmaßlich antisemitisch motivierten Tat verletzt. Der Tatverdächtige - ein weißer 19-Jähriger - wird wenig später festgenommen.

Pittsburgh (Pennsylvania), Oktober 2018: Ein Rechtsradikaler erschießt in der "Tree of Life"-Synagoge elf Menschen. Es handelt sich um das folgenschwerste antisemitisch motivierte Verbrechen in der Geschichte der USA.

Fresno (Kalifornien), April 2017: Ein dunkelhäutiger Täter erschießt auf offener Straße drei weiße Männer. Er hatte laut den Ermittlern in sozialen Netzwerken seinen Hass auf Weiße ausgedrückt und rief bei seiner Festnahme "Allahu akbar" (Arabisch für "Gott ist groß").

Baton Rouge (Louisiana), Juli 2016: Ein schwarzer Ex-Marine eröffnet das Feuer auf mehrere Polizisten und tötet drei von ihnen. Der Mann - Medienberichten zufolge hatte er Verbindungen zu radikalen schwarzen Regierungsgegnern - wird schließlich von der Polizei erschossen. Zuvor waren zwei Schwarze in Baton Rouge und Louisiana von Polizeikugeln getötet worden - ein direkter Zusammenhang ist nicht erwiesen.

Dallas (Texas), Juli 2016: Ein schwarzer Ex-Soldat erschießt am Rande einer Demonstration fünf Polizisten. Sein Motiv soll Rache für den Tod der beiden Schwarzen gewesen sein. Die Polizei tötet ihn mit einem Sprengsatz.

Orlando (Florida), Juni 2016: Ein 29-Jährige erschießt 49 Besucher eines Nachtclubs, der bei Homosexuellen beliebt ist. Spezialeinheiten töten ihn bei der Erstürmung des Clubs. Der Attentäter, US-Bürger mit afghanischen Eltern, hatte sich zuvor zur Terrormiliz IS bekannt.

San Bernardino (Kalifornien), Dezember 2015: Ein in den USA lebendes Ehepaar, laut FBI radikalisierte Muslime, erschießt 14 Menschen in einer sozialen Einrichtung und verletzt 21 weitere. Das Paar stirbt im Kugelhagel der Polizei.

Charleston (South Carolina), Juni 2015: Ein 21-Jähriger erschießt aus rassistischen Motiven während einer Bibelstunde in einer Kirche neun schwarze Gläubige. Er wird wegen Hassverbrechen zum Tode verurteilt.

Overland Park (Kansas), April 2014: Ein 73-Jähriger Antisemit erschießt in einem jüdischen Gemeindezentrum und einem jüdischen Seniorenheim drei Menschen. Die Polizei wertet die Tat als rassistisch motiviertes Hassverbrechen. Keines der drei Todesopfer war jüdischen Glaubens.

Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, kündigte bei einer Pressekonferenz an, die Strafverfolgung werde sich nicht nur auf den Vorwurf des Mordes, sondern auch auf den eines Hassverbrechens konzentrieren. Das deutet darauf hin, dass es sich möglicherweise um einen rassistischen Hintergrund handeln könnte. Der Sender CNN berichtete, die Bundespolizei FBI habe ein Ermittlungsverfahren wegen Terrors im Inland eröffnet.

Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador teilte in einer Videobotschaft mit, unter den Toten seien drei Mexikaner. Nach Angaben des mexikanischen Außenministeriums wurden sechs weitere Mexikaner verletzt, darunter ein zehnjähriges Mädchen.

"Schreckliche" Szenerie

Polizeichef Allen sagte, der erste Notruf sei um 10.39 Uhr Ortszeit (18.39 Uhr MESZ) eingegangen. Sechs Minuten später sei die Polizei vor Ort gewesen. Der Szenerie am Tatort sei "schrecklich" gewesen. Ein Polizeisprecher sagte, die meisten Opfer seien in einem Walmart in dem Ladenkomplex von Schüssen getroffen worden. Der Supermarkt sei zum Zeitpunkt des Angriffs voll gewesen. Der Sprecher schätzte, dass sich dort zwischen 1.000 und 3.000 Menschen aufhielten. Der Schütze habe bei der Tat ein Gewehr benutzt. Er stellte sich selbst der Polizei.

El Pasos Bürgermeister Dee Margo sagte, der Verdächtige stamme nicht von dort. Nach US-Medienberichten kam er aus der Stadt Allen nördlich von Dallas, rund 930 Kilometer Luftlinie von El Paso entfernt. El Paso liegt unmittelbar an der Grenze zu Mexiko und hat rund 680.000 Einwohner. Nach Angaben des Bürgermeisters bestätigten sich Meldungen über einen zweiten Schützen nicht.

Der Sender CNN berichtete, Familien hätten in dem Walmart in dem Ladenkomplex für den bevorstehenden Beginn des neuen Schuljahres eingekauft. Auch rund 100 Walmart-Mitarbeiter seien in dem Supermarkt gewesen. Der älteste Verletzte sei 82 Jahre alt. Der Konzern zeigte sich schockiert über die Geschehnisse. Man bete für die Opfer, hieß es in einer Twitternachricht von Walmart.

Aufruf zum Blutspenden

Die Polizei rief die Menschen in El Paso dazu auf, Blut zu spenden. Gouverneur Abbott sagte bei einer Pressekonferenz am Samstagabend in El Paso, es hätten sich Schlangen von Menschen gebildet, die Blut spenden wollten. "Jetzt ist es an der Zeit für Texaner, zusammenzukommen und sich gegenseitig zu unterstützen." Abbott sprach von einer "abscheulichen" Gewalttat.

Tabitha Estrada, Mitarbeiterin eines Ladens in dem Einkaufszentrum, sagte CNN, sie habe sich mit Kunden im hinteren Teil des Geschäfts versteckt gehabt. Viele ihrer Kunden seien aus Mexiko gewesen. "Es ist surreal, dass das in unserer Stadt passiert, weil ich El Paso nie als einen hasserfüllten Ort kennengelernt habe." Sie fügte hinzu, erst vor rund einem Monat habe die Polizei in dem Einkaufszentrum eine Übung für einen möglichen Amokschützen abgehalten.

El Paso: Schießerei in Einkaufszentrum

Tausende Menschen waren am Samstag zum Einkaufen in dem Walmart-Supermarkt neben einem großen Einkaufszentrum in El Paso - die meisten wollten für den bevorstehenden Schulanfang einkaufen.

AP

Der Schütze wurde beim Betreten des Supermarktes gefilmt.

APA/AFP/KTSM 9 news Channel/COUR

Unter den Angestellten und Kunden brach Panik aus.

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Weitere Fotos vom Polizeieinsatz und den ersten Gedenkfeiern samt Protesten gegen Waffengewalt....

APA/AFP/JOEL ANGEL JUAREZ
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Trump: "Hasserfüllte Tat"

US-Präsident Donald Trump nannte die "hasserfüllte Tat" nicht nur tragisch, "es war ein Akt der Feigheit". Es gebe keine Rechtfertigung dafür, unschuldige Menschen zu töten, schrieb er auf Twitter. Trump sagte dem Gouverneur von Texas die volle Unterstützung der Regierung in Washington zu. "Gott sei mit Euch allen!", fügte er hinzu.

Trump wurde nach Angaben des Weißen Hauses laufend über die Lage vor Ort unterrichtet. Der Präsident habe mit Justizminister William Barr und Gouverneur Abbott gesprochen, erklärte Vizesprecher Steven Groves. Kritiker werfen Trump vor, mit seinen Äußerungen Rassismus zu befeuern. Zuletzt sah er sich wegen persönlicher Angriffe auf einen schwarzen Abgeordneten der Demokraten Rassismusvorwürfen ausgesetzt. Regelmäßig greift der republikanische Präsident auch Migranten aus Lateinamerika an, die auf illegalem Wege in die USA kommen wollen.

Streit um schärfere Waffengesetze

In den USA kommt es immer wieder vor, dass in Einkaufszentren, an anderen öffentlichen Orten oder auch in Schulen Menschen durch Schüsse getötet werden. Bemühungen für schärfere Waffengesetze laufen seit Jahren ins Leere - vor allem, weil Trumps Republikaner dagegen sind. Die mächtige Waffenlobbyorganisation NRA bekämpft vehement jeden Versuch, Waffenbesitz stärker zu regulieren. Auch Trump ist dezidiert gegen eine Einschränkung des in der US-Verfassung verankerten Rechts auf Waffenbesitz.

Erst am Dienstag waren zwei Menschen im Bundesstaat Mississippi in einem Walmart durch Schüsse getötet worden. Am Sonntag vergangener Woche hatte ein 19-Jähriger während eines Festivals in der Kleinstadt Gilroy in Nordkalifornien das Feuer eröffnet und drei Menschen getötet. Der Schütze wurde von Polizisten am Tatort erschossen.

Im texanischen Sutherland Springs waren im November 2017 26 Menschen getötet worden, als ein Schütze in einer Kirche das Feuer eröffnete. Der 26 Jahre alte Täter erschoss sich anschließend selber.

Kommentare (9)

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isteinschoenerName
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Nüchterne Zahlen liberaler Waffengesetze:

Am gestrigen Tag 215 des Jahres war das "El Paso Shooting" die bereits 249te Massenerschießung des Jahres 2019 in den USA.

(Quelle: Gun Violance Archive)

Das Gun Violence Archive definiert ein "Mass Shooting" als ein Vorkommnis mit mindestens 4 verletzten oder getöteten Opfern an einem Ort, Täter ausgenommen.

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isteinschoenerName
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Bei uns tritt übrigens auch eine Partei für laschere Schusswaffengesetze ein.

Sie wissen ja sicher schon um wen es sich dabei handelt...

Falls nicht: Es ist unsere Ibiza-Partei. Aka FPÖ.

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isteinschoenerName
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An den Rotstrichler ;-)

Nur ein kurzer Azszug aus dem "freiheitlichen" Handbuch für ihre Führungspersonen und Mandatsträger:

Die FPÖ spricht sich gegen eine Verschärfung des Waffenrechts aus.
Besonders gefährdeten Personengruppen muss ein vereinfachter Zugang zum Waffen­-
pass ermöglicht werden.

Nur mal soviel zur hoch-offiziellen Parteilinie. Was nebenher von einzelnen Funktionären noch so zum Thema verkündet wurde spielt in einer ganz anderen Liga. Ein paar Beispiele gefällig?

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mapem
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Wenn man im Trumpelland Waffen wie Milch kaufen kann,

ist die Wahrscheinlichkeit eben sehr hoch, dass da und dort manche losziehen und drauflosschießen, als ob´s ein Glas Milch trinken.

Und wenn Vilimskys so vom Trumpel schwärmen, wundert´s auch nicht, dass die Blaunen immer wieder von der Aufweichung unserer rigiden Waffengesetze sprechen.

Und wenn oben nix is – und unten a nix is – und man trotzdem eine Antwort geben möchte, wenn einen wer frägt, ob man Links- oder Rechtsträger ist, dann braucht man halt eine Puffn, damit da in der Gegend wenigsten irgendwas baumelt, was man dann meinen könnte – gell …

Und auf wen man schießen sollte, wenn man´s schon tut – das sagen dir durch die Blume eh überall die Trumpel … die loben dann die „ausgezeichnete Polizeiarbeit“, wenn die die Fetzen wieder einmal zusammenklauben müssen.

Tja, so Kreuzerl an der falschen Stelle, produzieren oft Kreuze, die man in einen Erdhügel rammt …

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isteinschoenerName
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Doch irgendwie interessant,

... dass es hier bei jeglicher Äußerung berechtigter (und klar belegbarer) Kritik an den "Vilimskys" der Nation immer sogleich einige Negativ-Bewertungen gibt, aber trotzdem beinah nie irgendwelche (geschweige denn stichhaltige) Gegenargumente.

Sind diese Negativ-Bewertungen etwa gar "fleißig arbeitenden" FPÖ-Bediensteten zuzuschreiben, die jedoch einer ordentlichen (weil potentiell zeitaufwendigen und letztlich ja doch nur sehr entblößenden) Diskussion aus dem Weg gehen wollen?

Oder handelt sich's um schlichte Parteigänger, die zwar mit einer anderen Meinung als der eigenen ein sichtliches Problem haben, aber gleichzeitig keinen Mut zu einem offenen Diskurs aufbringen können? (Und warum nicht?? ...)

Ein diesbezügliches Outing wäre erfrischend! :-)

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Mezgolits
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20 Tote in Texas

Ich würde das Waffenrecht auf kontrollierte Personen begrenzen, die einen begründeten Bedarf haben und würde diesem Verbrecher,
in der Gefängniszelle, mit einem befestigten
Strick, ebenfalls die Möglichkeit geben, sein
eigenes Leben, SELBST zu beenden - oder
lebenslängliche Haft. - Stefan Mezgolits

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lilith73
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scheinheiligkeit der USA Regierung

Ein Präsident der selbst rassistische Äußerungen in der Öffenlichkeit und seinen Regierungsmitgliedern gegenüber tätigt, eine Mauer auf kosten eines anderen Landes bauen will, ist nicht glaubwürdig, dass er in diesem Fall um die Opfer trauert.
So eine Einstellung schürt Hass und bringt vielleicht noch mehr Verrückte dazu Gewaltverbrechen mit rassistischen Motiven zu begehen.
Solche sind in der Geschichte der USA ja lange Tradition KKK.

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gorisoft
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Lieschen

Da stimme ich dir zu und trotzdem sind unsere Politiker dabei noch mehr Hass zu schüren, gegen anders denkende sowie andere Menschen aus anderen Kulturen. Die Medien sollten diesen Hass nicht auch noch verbreiten, die Menschheit hat nichts aus der Vergangenheit gelernt. Wir bewegen uns in der Entwicklung wieder zurück. LEIDER

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lieschenmueller
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Kürzlich sah ich eine Zeichnung, eine Reihe von Menschen aufgestellt,

vorne schwebten welche ins Jenseits (mit dem kann ich persönlich nichts anfangen, aber der Satz dazu hatte eine Symbolkraft), geschrieben: wir wissen nie, welcher aus der Reihe der nächste ist.

Und das stimmt. Es ist nicht zwangsläufig der Älteste aus der langen Schlange, sondern es kann - und das immer - jeden treffen.

Bei ganz normalen, alltäglichen Vorgängen. Wie einem Einkauf in einem Supermarkt.

Wir sind nie gefeit.

Wir nennen sie von der einen Seite Terror - von der anderen Seite Hassverbrechen - es gibt Schlagzeilen, da werden wir in diesem Sinne missbraucht und gelenkt.

Ich sehe darin da oder dort Irre und Verblendete, die Menschen DAS nehmen, das sie haben. Das Leben, das einzige welches jeder hat.

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