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Hunger, Folter, BombenLibysche Flüchtlingslager: Menschlichkeit sucht man hier vergeblich

"Manchmal sind die Geflüchteten buchstäblich aufeinander gestapelt, unter entsetzlichen hygienischen Bedingungen und mit großen Schwierigkeiten, an Wasser zu gelangen - ab und zu gibt es überhaupt kein Trinkwasser", berichtet Benjamin Gaudin von der Hilfsorganisation Première Urgence Internationale (PUI).

Ein Internierungslager in Zawiyah © APA/AFP/TAHA JAWASHI
 

Hunger, Zwangsarbeit, Folter: Die Zustände in libyschen Flüchtlingslagern sind schockierend. Nach dem Luftangriff auf ein Lager nahe der Hauptstadt Tripolis mit mehr als 50 Toten Anfang Juli haben Hilfsorganisationen ihre Kritik noch einmal verschärft - und die EU aufgefordert, ihre Zusammenarbeit mit den libyschen Behörden zur Rückführung von Flüchtlingen in das nordafrikanische Land zu beenden.

Nun hat auch die Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete die Aufnahme aller Flüchtlinge aus Libyen gefordert.

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) werden derzeit mindestens 5200 Menschen in offiziellen Internierungslagern in Libyen festgehalten, die meisten von ihnen kommen aus dem Sudan, Somalia und Eritrea. Wie viele in illegalen Lagern in dem von Gewalt und Chaos geprägten Land gefangen gehalten werden, ist nicht bekannt. Rackete sprach von einer halben Million Menschen, "die in den Händen von Schleppern sind oder in libyschen Flüchtlingslagern, die wir rausholen müssen".

Willkür, Hunger und Krankheiten

"Die dort inhaftierten Menschen, hauptsächlich Geflüchtete, sterben weiterhin an Krankheiten, Hunger und sind Opfer von Gewalt, Vergewaltigung und der willkürlichen Behandlung durch Milizen", sagt Julien Raickmann, Leiter von Ärzte ohne Grenzen in Libyen.

"Manchmal sind die Geflüchteten buchstäblich aufeinander gestapelt, unter entsetzlichen hygienischen Bedingungen und mit großen Schwierigkeiten, an Wasser zu gelangen - ab und zu gibt es überhaupt kein Trinkwasser", berichtet auch Benjamin Gaudin von der Hilfsorganisation Première Urgence Internationale (PUI).

Der Sonderbeauftragte für den zentralen Mittelmeerraum des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Vincent Cochetel, kritisiert die EU: "Die europäischen Länder sind in gewisser Weise blind hinsichtlich der Lage der Migranten in Libyen." Die jüngsten Kämpfe hätten die Situation noch verschlimmert, die EU könne mit den mit Libyen vereinbarten Rückführungen nicht einfach weitermachen.

Lage verschlechtert sich

Nach UN-Angaben wurden seit Jänner mehr als 2300 Menschen auf See aufgegriffen und in die Lager nach Libyen zurückgebracht. Weiter verschlechtert hat sich die Lage der Geflüchteten, seit der libysche General Khalifa Haftar im April eine Offensive zur Einnahme von Tripolis startete, bei der laut UNO bereits mehr als tausend Menschen getötet wurden. Haftars Truppen werden auch für den Luftangriff auf das Flüchtlingslager Anfang Juli verantwortlich gemacht.

Für Entsetzen hatten im Februar Bilder des britischen Senders Channel 4 aus von Menschenschmugglern betriebenen Lagern gesorgt: Zu sehen ist etwa, wie ein Mann am Boden liegt und vor Schmerz schreit. An seine Fußsohlen wird ein Bunsenbrenner gehalten. Ein anderer hängt kopfüber von der Decke, auf seinen Kopf ist eine Pistole gerichtet. Die Milizen wollen mit der Brutalität Geld von den Familien der Flüchtlinge erpressen.

Grenzenlose Verzweiflung

Die Verzweiflung unter den Geflüchteten ist so groß, dass im Mai ein Mann von einem klapprigen Boot ins Meer sprang, als er die nahenden Küstenwachen entdeckte, wie eine Aufnahme der deutschen Seenotrettungsorganisation Sea-Watch zeigt.

Hilfsorganisationen machen für die verzweifelte Lage der Migranten auch die Vereinbarung zwischen den EU-Staaten und der libyschen Küstenwache verantwortlich, mit der erreicht werden soll, dass die Migranten keine europäischen Küsten mehr erreichen.

Die EU weist die Kritik zurück. Die Vereinbarung habe die Zahl der nach Italien kommenden Flüchtlinge deutlich verringert, heißt es. Das südeuropäische Land lässt Rettungsboote seit rund einem Jahr nicht mehr in seinen Häfen anlegen.

Die EU-Kommission verteidigt ihren Kurs: Seit 2014 seien rund 338 Millionen Euro für Programme im Zusammenhang mit Migranten in Libyen gesammelt worden. "Wir sind äußerst besorgt über die Verschlechterung der Situation vor Ort", sagte Kommissionssprecherin Natasha Bertaud. Die Kommission sei überdies nicht handlungsfähig, weil einzelne EU-Mitglieder sich nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen könnten.

Im vergangenen Monat forderte der Europarat angesichts der verheerenden Zustände ein Ende der Zusammenarbeit mit der Küstenwache des nordafrikanischen Landes. Die libysche Küstenwache sieht sich derweil selbst als "Opfer" der Fluchtbewegungen. Die Geflüchteten seien eine "Bürde" für das Land, meint General Ayoub Kacem. Der EU warf er vor, sich nicht um ihr Schicksal zu kümmern.

 

Kommentare (22)

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lilith73
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Ursache der Flucht

Es gab ein Gadafi Lybien ohne diese Flüchtlingslager, jetzt gibt es ein zerstörtes Lybien mit Flüchtlingslagern in denen unmenschliche Zustände herrschen.
Warum nehmen die Länder, die Lybien bombardiert haben keine Flüchtlinge auf?

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lieschenmueller
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@lilith73

Weil es mich interessiert hat und das menschliche Gedächtnis in Bezug auf Politik ein schnell vergessendes ist:

Libyen wurde von den USA, Kanada und MEHREREN WESTLICHEN Staaten bombardiert.

Es gab auch Aussprüche von Gadafi, inetwa "wenn ihr euch blöd spielt, schicke ich euch eine riesen Anzahl von Flüchtlingen". Da kann ich keine Quelle nennen, DAS ist mir aber in Erinnerung geblieben.

Soll heißen, die Flüchtlinge gab es natürlich auch. Wieviele - ich weiß es nicht. Aber durch finanzielle Zuwendungen - wahrscheinlich an diesen Diktator - hatten sie wenig Möglichkeiten von dort weg zu kommen. Dieses "wir geben Geld - ihr behaltet die Flüchtlinge" ist doch in der Gegenwart genauso Usus. Auf viele Länder bezogen. Sonst sähe es im schönen Mitteleuropa ganz anders aus ........

Also, bevor Sie Gadafi noch heilig sprechen!

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wahrheitverpflichtet
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und alle wissen es!

diese kurz und fpö wähler wissen es genau so wie wir die es nicht hinnehmen wollen das europa sich wieder mal in das dunklo graue geschichtsbuch eindrägt! HAT NICHT GERADE UNSER kontinent der von unseren vorfahren jahunderte lang die welt versklavt hat ausgebeutet hat eine bring schuld gegen ÜBER der Menschheit als vorbild zu fungieren! IST es nicht zeit den sogenannten Eliten zu zeigen mittels der Abwahl der kurz und FPÖ das wir als Gesellschaft es nicht hinnehmen das ein sich sehender zukünftiger Regierung Chef kurz sich jetzt schon wieder öffentlich hinstellt und uns als Gesellschaft vor gibt nein wir wollen keine Menschlichkeit zeigen in dem man in Euro für ein geeignetes gerechtes verteilen der Flüchtlinge ist. kurz ist die macht über den Kopf gestiegen er nehmt ja schon an das er wieder regieren wirt ja die 2 partein machen sich ja schon aus was sie für Ämter wollen! ES GIBT NUR EINES WEN MAN SOLCHES LEID SIEHT .... ES GEHT UNS ALLE AN!

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leserderzeiten
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War heute im KZ Mauthausen.

Die Zustände in diesem Internierungslager, erinnern mich stark, an das heute gesehene.

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Planck
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Wenn ich mir die Anmerkungen

der üblichen Verdächtigen so anschau', lässt sich verstehen, wieso sich vor und während des zwölfjährigen Reiches keiner gerührt hat.
Und noch besser lässt sich verstehen, warum die Allierten die Anwohner scharenweise durch die Lager getrieben haben, um sie das Grauen mit eigenen Augen sehen zu lassen.

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lieschenmueller
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verstehen

Wenn sehr vielen damals nur mehr der Kitt von den Fenstern blieb, und die nicht die Sicht zurück hatten wie wir (das Unvorstellbare geschah nicht von heute auf morgen, sondern man gewöhnte sich an das Grauen nach und nach, was dem Menschen leider möglich ist) ist das die eine Situation.

Heute, wo keiner Mangel leidet bei uns, man im Geschichtsunterricht nicht geschlafen hat und den Hetzern auf den Leim geht - o.k., dann sind wir angelangt im Österreich des Jahres 2019.

Ich habe jetzt Ihr Posting gelesen, Planck, den Rest erspare ich mir, Sie kündigten den Inhalt ohnehin an. Genauso schenke ich mir momentan das Polit-Gschisti-Gschasti. Zweieinhalb Monate noch die gleiche Leier, kein Bedarf.

Die jetzige Regierung zeigt, man muss Basti und Co nicht nachtrauern. Im Gegenteil.

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Balrog206
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Tja

eine Frage stellt sich auch ! Was machen die üblichen Verdächtigen damit sich die Situation der Migranten verbessert , oder ändert ?? Aber wahrscheinlich bleibt es nur dabei , mit erhobenem Zeigefinger durchs Land bzw div Foren zu laufen !

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lieschenmueller
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@Balrog206

Ich weiß nicht, wen Sie damit direkt meinen. Planck, Irgendeiner oder mich etc.? Oder Parteien?

Wir erstgenannten sind winzig und z .B. österreichische Parteien klein. Welche immer es auch ist.

Das gehört in große Organisationen. EU, UNO etc.

Die könnten jetzt das direkte Elend in den Lagern lindern. Die Gesamtsituation - in etlichen Jahrzehnten noch nicht. Das Geschwafel von Vor Ort und Afrika unter die Arme greifen (Arme in dem Fall fast zweideutig) - ist nicht mehr als Beruhigung bzw. Ratlosigkeit. Wir sehen das Elend der Welt im 21. Jahrhundert. Und Populisten schlagen Kapital aus diesem in Bezug auf Wählerstimmen.

Oder was meinen Sie?

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picciona1
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tja, wie war das jetzt in libyen

eines tages hat die menschenfreundin clinton gefaselt, das libysche volk hat ein recht, dass es gehört wird.
dieses recht gilt natürlich nicht, wenn bombardiert werden soll, in diesem fall wird das lib volk nicht angehört.
und jetzt ist lib in 2 teile geteilt: im westen der sarradsch, international anerkannt, hat blöderweise außerhalb tripolis nichts zu sagen, da regieren die clans.
und im osten der haftar, ein total sympatischer militärgeneral.
und wenn ich das richtig verstanden habe: von osten legen keine schlauchboote ab. der haftar hat seinen teil unter kontrolle.
und das beste zum schluß: diese folterlager sind eigentlich regierungslager. also von sarradsch? also von unserer int. anerkannten einheitsregierung?? stimmt das?

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Wildberry
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picciona1

Und der Ami hält sich schön raus aus der Verantwortung...

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Gotti1958
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Du wilde Beere

Und das gibt uns bzw den Menschen im Mittelmeerraum das Recht, die Flüchtlinge absaufen zu lassen?

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Wildberry
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Gotti1958

Das müssen Sie die Schlepper inkl. Frau Rackete fragen, nicht mich!

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Gotti1958
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Du wilde Beere

Anscheinend hast du meinen Kommentar nicht gelesen, zumindest nicht genau. Nochmal : Schleppern ist es egal, ob die Personen gerettet werden oder nicht. Die Bootsführer haben drei Möglichkeiten, absaufen lassen, nach Libyen zurück oder nach Europa. Über Variante eins brauchen wir gar nicht zu diskutieren. Nach Libyen zurück heißt, die Schlepper machen ein zweites Mal ein Geschäft. Hat jemand einen weiteren Vorschlag?

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cockpit
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So liebe Leute,

und jetzt sagt nochmal, dass die Bootsflüchtlinge zurück geschickt werden sollen, wenn ihr das mit eurem Gewissen vereinbaren könnt!!!

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ugglan
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Alle

wi ssen was ihnen in Lybien blüht und warten nur auf die Abholung vor ! lybischer ! Küste ! Zurück heißt in ihre HEIMATLÄNDER wo diese jungen Männer für ihr Land etwas leisen könnten! Man sieht in Paris was da auf uns zukommt - wer will das?

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hermannsteinacher
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Und wer hat diese Menschen gezwungen,

sich nach Lybien zu begeben?

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fortschritt
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AW: hermannsteinacher

Bingo! Sie haben gewonnen; mit der bislang qualifiziertesten Frage in diesem Forum.

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X22
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Mehrere Gründe

Konflikte und
Terror
Klimawandel und Dürrekatastrophen
Besseres Leben (Da in Europa gute Einkommensmöglichkeiten winken, legen Dörfer zusammen, um einem der Ihren die Passage zu finanzieren – um von den Rücküberweisungen zu profitieren; Kurier)

Fluchtursache: Suche nach Sicherheit (Bundesministerium der Verteidigung D)

Rund 80 Prozent der Menschen auf dem afrikanischen Kontinent haben keine geregelte Arbeit. Durch El Niño wurde zudem die Aussaat für neue Ernten verhindert, weil die Böden staubtrocken und die Brunnen ausgetrocknet sind. Ganze Viehherden verenden. In manchen Staaten kommen Bürgerkriege und Terror von Extremisten hinzu. Viele Menschen kämpfen ums Überleben.
Noch mehr unkluge Fragen?

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cockpit
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Wir alle

?

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Wildberry
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Cockpit

Nach Ihrer Meinung sollen rund 500.000 Menschen sofort aufgenommen werden?

Ok und wer bezahlt die Versorgung für diese Menschen im Asyverfahren? und was passiert nach dem Asylverfahren? Das sind Zig Jahre an hohen Kosten. Krankenhilfe, Wohnbedarf, Kindergeld usw. Ich möchte das meinen Kindern nicht zumuten müssen!

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Gotti1958
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Du wilde Beere

Du denkst auch nur bis zur Nasenspitze. Nur zu sagen, die sollten unten bleiben, ist keine Lösung. Wenn wir alle (weltweit) nicht in Kürze unsere Einstellungen zu Flüchtlingen ändern, werden sich die Kinder von heute mit Grauen an ihre Eltern erinnern. Die großräumige Meinung alle zurück zu schicken, ändert nichts an deren Einstellung. Sie werden es immer wieder versuchen, da sie in ihrer Heimat keine Perspektive haben. Und damit spielen wir sie den Schleppern zu. Immer wieder. Das ist auf Dauer keine Lösung. Ich habe auch kein Allheilmittel, aber ich weigere mich den Rechteckigen zu folgen. Wir wollen Globalisierung, aber es darf nichts kosten. Gut. Dann macht die Grenzen dicht. Dann kommt aber auch keiner mehr hinaus. Aber Europa wird es dann nicht schaffen, zig Millionen Afrikaner aufzuhalten, denn die werden dann übers Land kommen und dann wünsche ich deinen Kindern viel Spaß. Also tun wir jetzt etwas, das zwar etwas kostet, aber noch immer der günstigste Weg für alle ist.

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Balrog206
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Wie

Wärs die Lager Menschenwürdig zu machen ?? Was ist mit der uno usw ?

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