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Kleine Kinder unter den 50 TotenAnschlag in Neuseeland: Was bisher bekannt ist

Bei einem Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch sind Dutzende Menschen getötet worden. Darunter kleine Kinder. Was bisher zu dem Terrorakt bekannt ist.

Die Trauer nach dem Attentat in Neuseeland ist groß
Die Trauer nach dem Attentat in Neuseeland ist groß © APA/AFP/DAVID MOIR
 

Was ist passiert?

Während des Freitagsgebets eröffnete ein 28-jähriger Australier gegen 13.30 Uhr in der Al-Noor-Moschee im Zentrum des neuseeländischen Christchurch das Feuer auf die muslimischen Gläubigen, 41 Menschen starben. Der Attentäter schoss mit zwei Schnellfeuerwaffen, filmte die Tat mit einer Helmkamera und veröffentlichte die Aufnahmen live im Internet.

Anschließend fuhr er zu einer zweiten Moschee und brachte acht weitere Menschen um. Insgesamt kamen bei den Terrorattacken 50 Menschen ums Leben. Unter den Opfern sind laut der neuseeländischen Premierministerin Jacinda Ardern auch kleine Kinder.

Nach aktuellem Stand der Ermittlungen scheint der Australier die Schüsse in den Moscheen alleine abgefeuert zu haben. Die Polizei hat den Australier und drei weitere Verdächtige festgenommen. Ein Polizeisprecher gab zudem bekannt, dass zwei am Freitag festgenommene Männer keine direkte Verbindung zu dem Anschlag und dem Attentäter hätten. Sie seien an einer Polizeisperre festgenommen worden und hätten Schusswaffen bei sich gehabt, sagte der Sprecher. Der Australier wird wegen Mordes angeklagt. In seinem Wagen  wurde ein Sprengsatz sichergestellt, wie die Polizei am Samstag weiter mitteilte. 

Premierministerin Ardern zufolge hatte der Schütze geplant, seine Tat fortzusetzen, allerdings konnten ihn zwei Beamte in seinem Auto stoppen.

Terror in Neuseeland: Bleibt stark! Kia Kaha!

Nach dem Terrorangriff mit mindestens 49 Toten in der Stadt Christchurch herrscht Entsetzen, Schock und Trauer in Neuseeland. Menschen zeigten jedoch weltweit ihr Beileid und ihre Solidarität mit den Opfern und legten vor Moscheen Blumen und Beileidsbekundungen nieder. Auch der Eifelturm in Paris trug Trauer.

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Die legendäre neuseeländische Rugby-Nationalmannschaft hat den Familien und Freunden der Opfer ihr Unterstützung versprochen. Via Twitter hieß es: "Bleibt stark. Kia Kaha."

Kia Kaha bedeutet in der Sprache der Maori, der Ureinwohner Neuseelands, in etwa: Seid stark. Die All Blacks, wie sie wegen ihrer schwarzen Trikots heißen, gehören seit Jahrzehnten zu den besten Rugby-Nationalmannschaften der Welt.

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Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern besuchte die Moschee und die Opferfamilien und kündigte als Konsequenz aus dem Anschlag eine Verschärfung der Waffengesetze an.

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Neuseeland sei als Anschlagsort ausgewählt worden, "weil wir für Vielfalt, Herzlichkeit, Mitgefühl stehen". Das Land sei "Heimat für die, die unsere Werte teilen. Zuflucht für die, die es brauchen." Und diese "Werte werden nicht und können nicht durch diesen Angriff erschüttert werden", betonte Ardern. Rechtsextremismus verurteilte Ardern scharf.

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Wer sind die Opfer?

Zum Zeitpunkt des Anschlags waren in der Al-Noor-Moschee Muslime aus aller Welt zum Gebet versammelt. Unter den Toten waren mindestens drei Jordanier. Auch kleine Kinder sollen laut der neuseeländischen Premierministerin getötet worden sein. Unter den Verletzten waren ein Saudi-Araber, zwei Malaysier, zwei Türken und mindestens vier Jordanier. Vier Pakistaner wurden verletzt und fünf weitere vermisst, wie das pakistanische Außenministerium mitteilte. Nach Angaben des diplomatischen Vertreters Indiens werden neun Menschen vermisst, die die indische Staatsbürgerschaft haben oder indischer Abstammung sind. 

Unter den Opfern sind auch Flüchtlinge, die erst vor kurzem aus Ländern wie Syrien nach Neuseeland gekommen waren. Zwei Verletzte waren Samstag früh noch in kritischem Zustand, darunter ein vierjähriges Kind.

Rund 42 Verletzte wurden im Krankenhaus von Christchurch wegen Schussverletzungen behandelt, darunter auch kleine Kinder. Andere Gläubige entkamen knapp dem Angriff. Unter ihnen waren 17 Mitglieder des Kricket-Teams von Bangladesch, deren Mannschaftsbus gerade bei der Moschee ankam, als die Schüsse fielen. Seine Spieler hätten gesehen, wie "blutende Menschen aus der Moschee kamen", berichtete Manager Khaled Mashud. Vorsichtshalber seien alle dann im Bus in Deckung gegangen. 

Wer ist der Täter?

Der mutmaßliche Moschee-Attentäter ist am Samstag erstmals einem Richter vorgeführt worden. Dieser legte dem 28-jährigen Australier in der Anhörung offiziell Mord zur Last. Weitere Anklagepunkte dürften noch folgen. Zu dem Gerichtstermin wurde er in Handschellen und weißer Häftlingskleidung vorgeführt. Dabei zeigte er das "Okay"-Zeichen in die Kameras, wie es in der englischsprachigen Welt verbreitet ist: Daumen und Zeigefinger zusammengehalten, die anderen Finger abgespreizt. Nach neuseeländischen Medienberichten äußerte er sich zu den Vorwürfen nicht. Der Australier stellte keinen Antrag auf Freilassung gegen Kaution und bleibt weiter in Gewahrsam. Am 5. April soll er wieder vor Gericht erscheinen.

Zudem blieben zwei weitere Verdächtige in Haft. Ein dritter Festgenommener wurde freigelassen. Dabei handelte es sich nach Angaben der Behörden um eine bewaffnete Person, die nach dem Anschlag lediglich hatte helfen wollen.

Australischen Medienberichten zufolge arbeitete der 28-jährige Australier, bevor er nach Neuseeland kam, als Fitnesstrainer im australischen Ort Grafton nördlich von Sydney. Er war auch Mitglied in einem Schützenverein.

Vor dem Terrorakt veröffentlichte der Australier ein 74-seitiges Hass-Manifest, aus dem deutlich wird, dass der Angriff Muslimen galt. Zugleich ruft er darin zu Anschlägen auf ranghohe Politiker auf, die er als "Feinde unserer Rasse" bezeichnet. Ganz oben auf der Liste stehe Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel, erklärte er.

 Überschrieben ist das Hass-Manifest mit "The Great Replacement" (Der große Austausch). Der Titel geht auf eine aus Frankreich stammende rechtsextreme Verschwörungstheorie zurück, wonach die Bevölkerung in Europa durch Zuwanderer ersetzt werden soll, deren Geburtenrate deutlich höher sei.

Zu wem hatte der Hauptverdächtige Kontakt?

Der australische Regierungschef Scott Morrison hatte den Angreifer am Freitag als einen "extremistischen, rechtsgerichteten, gewalttätigen Terroristen" bezeichnet.

Bulgarien ermittelt, ob der Attentäter Kontakte in dem Balkanland gehabt hat, da auf seinen Waffen Namen von Kämpfern gegen die Osmanen eingraviert seien.

Der Australier  habe im November 2018 Bulgarien als Tourist besucht und sich an historischen Orten aufgehalten, sagte Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow am Freitagabend nach einem Treffen von Regierungsvertretern mit den bulgarischen Geheimdiensten.

Der Attentäter sei anschließend nach Rumänien und Ungarn weitergereist. Er habe nach den bulgarischen Erkenntnissen 2016 auch andere Balkanländer wie etwa Serbien besucht. Bulgarien prüfe nun, was für Kontakte der Mann in Bulgarien gehabt habe.

In einem im Internet kursierenden Video über die Bluttat in Christchurch sind mit Namen und Symbolen beschriebene Waffen des mutmaßlichen Täters zu sehen. Einige Beschriftungen verweisen auf die Belagerung Wiens durch die Türken 1683, die Schlachten im Russisch-Osmanischen Krieg 1877-78 am Schipkapass im bulgarischen Balkangebirge und den Kampf des albanischen Fürsten Skanderbeg (1405-1468) gegen die Osmanen.

Der Angreifer dürfte sich den den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik explizit zum Vorbild genommen haben. "Ritter Justiziar Breivik" nennt der Angreifer von Christchurch den norwegischen Rechtsextremisten - ein Begriff, den Breivik selbst geprägt hat. In seinem 74-seitigen Manifest, das er vor dem Anschlag von Christchurch bei Twitter veröffentlicht hatte, nennt der Angreifer den Norweger eine "echte Inspiration". Er habe zwar nur kurz mit Breivik Kontakt gehabt, er habe aber für seine Anschlagspläne "den Segen für meine Mission erhalten, nachdem ich dessen Mitritter kontaktiert" habe. Belegt ist der angebliche Kontakt zwischen den beiden allerdings nicht.

Gibt es eine Verbindung nach Österreich?

Vor einem bis nach Österreich reichenden rechtsextremen Terrornetzwerk haben SPÖ, NEOS und JETZT am Freitag angesichts der Angriffe auf Moscheen in Neuseeland gewarnt und von der Regierung Aufklärung verlangt.

Sie beriefen sich dabei auf einen Bericht des "Standard". Es geht darin um Rechtsextreme in Deutschland und einen Vorfall rund um eine versteckte Waffe am Flughafen Schwechat im Jahr 2017.

Nach der damaligen Festnahme eines deutschen Bundeswehrsoldaten soll, so der "Standard", ein Netzwerk aus aktiven und ehemaligen Soldaten und Polizisten sichtbar geworden sein, die sich in Chatgruppen miteinander über den Tag X austauschten - jenen Tag, an dem die staatliche Ordnung zusammenbricht. Die Terrorverdächtigen von Neuseeland hätten davon Bescheid gewusst. Einer von ihnen habe zu zwei Artikeln des deutschen Auslandssenders "Deutsche Welle" zu diesem Thema verlinkt.

Wie reagiert die Politik?

Als Konsequenz aus dem Terroranschlag mit mindestens 49 Toten verschärft Neuseeland das Waffenrecht. "Unsere Waffengesetze werden sich ändern", versprach Premierministerin  Ardern am Samstag. 

Der Tatverdächtige habe im November 2017 einen Waffenschein erworben. Bei ihm seien fünf Schusswaffen gefunden worden, darunter zwei halbautomatische, die er legal habe erwerben können, sagte sie.

Weltweit löste die Tat Entsetzen aus. Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Attacke sei gegen Muslime gerichtet und damit auch ein Anschlag auf die neuseeländische Demokratie. US-Präsident Donald Trump sicherte Ardern in einem Telefonat jedwede Hilfe der USA zu.

Trump sieht auch nach dem Anschlag keine wachsende Gefährdung durch einen rassistisch inspirierten weißen Nationalismus. "Ich denke, das ist eine kleine Gruppe Menschen", sagte er am Freitag in Washington

Bundespräsident Alexander Van der Bellen twitterte: "Die Terrorattacke in Christchurch ist eine schreckliche und barbarische Attacke auf Menschen, die beten (...) wollten." Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) betonte: "Mein herzliches Beileid gilt den Verletzten, den Familien der Opfer und dem neuseeländischen Volk."

Nach dem Moschee-Anschlag hat Kanada den Schutz für islamische Gotteshäuser verstärkt. In Toronto und Montreal, den kanadischen Städten mit den größten muslimischen Gemeinden, verstärkte die Polizei die Sicherheitsvorkehrungen für die mehr als hundert Moscheen dort, wie sie der Nachrichtenagentur AFP mitteilte. In Quebec und anderen Orten wurden ähnliche Schutzvorkehrungen getroffen.

Kommentare (1)

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SoundofThunder
4
6
Lesenswert?

Stimmt mich nachdenklich wenn der Täter in seinem Manifest schreibt:

Bruderstaat Österreich.

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