Sie wollte dem Pariser Louvre eine Renaissance bescheren, eine Wiedergeburt in neuem Glanz mit milliardenteurem Umbau, doch vier Monate nach dem Diebstahl der Kronjuwelen tritt die Direktorin des Louvre, Laurence des Cars, zurück. Ein Schritt, der überfällig war. Der Jahrhundertraub Mitte Oktober hatte Frankreich vor aller Welt zur Lachnummer gemacht. Bei laufendem Betrieb konnten zwei Männer dank einer Hebebühne in den Saal eindringen, in dem der Louvre die Kronjuwelen der Monarchie aufbewahrte. Rund vier Monate nach dem Diebstahl zieht Laurence des Cars jetzt die Konsequenzen. Ihr erstes Rücktrittsgesuch direkt nach dem Raub hatte Präsident Emmanuel Macron noch abgelehnt. Der erfahrene Kunsthistoriker Christophe Leribault, derzeit Chef in Versailles, übernimmt den brisanten Posten.
Ein Museum steckt in der Dauerkrise
Der Pariser Louvre steckt in einer Dauerkrise und man ist geneigt, die schreienden Missstände im größten Museum der Welt als Metapher für den Zustand Frankreichs zu lesen: Offensichtliche Sicherheitsmängel, warnende Berichte, denen keine Taten folgten, mehrere Wasserschäden mit Überschwemmungen, die Werke zerstörten. Die neun Säle der Galerie Campana mussten Ende des Jahres geschlossen werden, eine Vorsichtsmaßnahme, weil Decken und Böden einzustürzen drohen. Dabei war die Galerie erst vor zwei Jahren wiedereröffnet worden, nach einer Neukonzeption.
Es fehlen weiterhin großflächig Überwachungskameras, es gibt keinen Brandschutz-Masterplan, stattdessen wurde, typisch französisch, das pharaonische Großprojekt „Nouvelle Renaissance“ mit spektakulärem Umbau angekündigt. Der Élysée-Palast hat es auf 800 Millionen Euro beziffert, der französische Rechnungshof schätzt die Kosten auf über eine Milliarde. Letzterer kritisiert auch, dass die Leitung des Museums falsche Prioritäten gesetzt habe. Statt Instandhaltung und Sicherheit seien „sichtbare und attraktive Operationen“ bevorzugt worden, heißt es in einem Bericht, der kurz nach dem Raub veröffentlicht wurde. Die Gewerkschaften wiesen schon seit Jahren auf Notstände hin. Doch sowohl des Cars als auch ihr Vorgänger hätten lieber Werke gekauft, als nötige Investitionen zu tätigen, die man nicht spektakulär in den Medien ankündigen kann.
145 Millionen Euro für neue Kunst
So seien seit 2018 knapp 90 Millionen Euro in Reparaturen, Erhalt und Restauration des 210.000 Quadratmeter großen Stadtpalastes geflossen, während für nicht ganz doppelt so viel Geld Werke gekauft wurden. Gegen die Summe von 145 Millionen Euro, für die Werke gekauft wurden, hatte auch das Kulturministerium nichts einzuwenden. Es ist nachvollziehbar, dass der Erwerb von Jean-Baptiste Siméon Chardins Meisterwerk „Korb mit Walderdbeeren“ für 24,3 Millionen Euro für eine Kunsthistorikerin oberste Priorität hatte. Aber eine Managerin, die das Wohl des Hauses vor Augen hat, hätte darauf verzichten müssen.
Zuletzt sorgte auch noch ein Trickbetrug für Aufsehen: Zehn Jahre lang soll eine Gruppe von Betrügern, darunter Louvre-Angestellte und freiberufliche Reiseführer, Gruppenführungen mit falschen Tickets organisiert haben. Das Geschäft war so lukrativ, dass neben Immobilienankäufen in Frankreich und Dubai auch über 1,4 Millionen Euro in bar beschlagnahmt wurden. Überschattet wurde alles von Dauerstreiks von Mitarbeitern, die unhaltbare Arbeitsbedingungen beklagen, weil die Zahl der Museumswächter und Sicherheitskräfte trotz steigender Besucherzahlen reduziert wurde und Jobs teils outgesourct wurden. Im Dezember und Jänner standen Besucher an mehreren Tagen vor verschlossenen Türen.