Irland startete das BIA-Experiment erstmals im Jahr 2022, als Reaktion auf die weitreichenden Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Kunst- und Kulturszene. Es sollte Kunstschaffende in ganz Irland finanziell absichern und ihnen ermöglichen, sich stärker auf ihre künstlerische Arbeit zu konzentrieren.

Im Rahmen dieses Pilotprojekts wurden etwa 2000 Künstler aus Bereichen wie Musik, Film, Tanz und Literatur per Losverfahren ausgewählt. Sie erhielten drei Jahre lang ein bedingungsloses Grundeinkommen in Form eines wöchentlichen Stipendiums von 325 Euro (rund 1400 Euro vor Steuern). Ursprünglich sollte die Testphase im August 2025 enden, wurde aber von Kulturminister Patrick O’Donovan bis Februar 2026 verlängert.

Vielversprechende Ergebnisse

Die wissenschaftliche Begleitung des Programms, die auch eine Kontrollgruppe von 1000 Personen einschloss, lieferte positive Ergebnisse: Die Zahlungen reduzierten den finanziellen Stress und förderten die psychische Gesundheit der Empfänger. Die Teilnehmenden verbrachten wöchentlich elf Stunden mehr mit kreativer Tätigkeit. Künstler vollendeten häufiger neue Werke, im Schnitt 3,9 mehr als die Kontrollgruppe. Die Wahrscheinlichkeit, im Kunstsektor tätig zu bleiben, stieg um 6 Prozentpunkte. Eine Kosten-Nutzen-Analyse ergab außerdem, dass jeder investierte Euro 1,39 Euro gesellschaftlichen Mehrwert mit sich bringt, was über 100 Millionen Euro an sozialen und wirtschaftlichen Vorteilen generiert.

Angesichts dieser Erfolge kündigte die irische Regierung an, der Haushaltsplan für 2026 werde das Pilotprojekt in ein dauerhaftes Nachfolgesystem überführen. Das permanente Programm soll bereits im September 2026 starten. Die genauen Rahmenbedingungen, einschließlich der konkreten Anforderungen und wie viele Personen dieses Mal das Grundeinkommen erhalten sollen, sind aber noch nicht in Stein gemeißelt. Zunächst muss die irische Regierung dem Plan des zuständigen Ministeriums noch endgültig zustimmen

Viele Experten und Tech-CEOs für BGE

Das wieder erstarkte Interesse an Grundeinkommensprogrammen seit der Corona-Pandemie wird auch durch den Beginn der KI-Revolution befeuert. Einige der führenden KI-Experten, Tech-CEOs und Wirtschaftswissenschafter haben sich bereits für solche Grundeinkommensprogramme ausgesprochen. Der Grund dafür liegt in der Sorge um die Zukunft des Arbeitsmarktes: Das bedingungslose Grundeinkommen (BGE) wird als eine mögliche Lösung gesehen, um den potenziellen Einkommensverlust in der Zukunft zu mildern, wenn Technologie und KI die Produktivität steigern, aber gleichzeitig tausende Jobs wegfallen und Menschen von ihren Arbeitsplätzen verdrängt werden.

Matthew Johnson, Professor für öffentliche Politik an der britischen Northumbria University, sagte in einem Gespräch mit Business Insider, dass es schon immer eine Verbindung zwischen Technologie und dem bedingungslosen Grundeinkommen gegeben habe:

Es gäbe eindeutig einen geschäftlichen Anreiz, diese Mitarbeiter durch Technologien zu ersetzen, die sie keine Gehälter kostet.

Argumente der BGE-Gegner

Gegner des BGE befürchten, ein bedingungsloses Grundeinkommen werde Bürger häufiger zur Untätigkeit verleiten, da der materielle Anreiz zur Aufnahme einer Arbeit sinke. Wenn sich insbesondere für Menschen mit bisher geringem Einkommen Arbeit materiell kaum lohne, würden sich unter anderem nicht mehr genug Menschen finden, um niedrig entlohnte und besonders unangenehme Arbeiten auszuführen. Kritiker verweisen außerdem darauf, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen ein Anreiz zu verstärkter Einwanderung sein könne. Es wird kritisiert, dass durch ein bedingungsloses Grundeinkommen ein hoher Anteil des Volkseinkommens umverteilt würde.