Es ist eine der größten Umweltkatastrophen, die Texas je erlebt hat: Nordwestlich von San Antonio, der zweitgrößten Stadt des Bundesstaats, steigt die Zahl der Opfer weiter an. Mindestens 80 Menschen sind bei der Jahrhundertflut ertrunken, darunter 27 Mädchen und ihre Betreuer, die den Sommer in dem christlichen Freizeitlager Camp Mystic verbracht haben, erklärten die Behörden am Montag. Auch Autofahrer und Wohnwagenbesitzer wurden von den anschwellenden Wassermassen des Guadalupe River überrascht. Noch sind hunderte von Rettern unterwegs.
Verantwortliche beschuldigen sich gegenseitig
Aber während noch Kinderleichen aus dem Wasser gezogen werden, beharken verschiedene Verantwortliche einander bereits, wer an der Flut schuld ist: Die Klimaerwärmung oder die Kürzungen bei den Wetterdiensten oder etwa gar – wie es die republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene behauptet – Wettermanipulationen. Sie will es per Gesetz verbieten, Chemikalien in die Atmosphäre zu verbringen, die das Wetter, die Temperatur, das Klima oder das Sonnenlicht beeinflussen. US-Präsident Donald Trump gab auf Fragen, warum die Menschen in der Region, in der an diesem langen Feiertagswochenende in den USA viele am Flussufer campierten, nicht früher gewarnt und evakuiert worden seien, der Vorgängerregierung die Schuld. „Das war nicht unsere Organisation“, sagte er.
Kerr County, inmitten des riesigen Bundesstaats gelegen, ist eine friedliche, ländliche und im Sommer sehr heiße und trockene Gegend. Auf den Hügeln wird Wein angebaut, viele Städtchen haben deutsche Namen wie Fredericksburg oder Luckenbach. Auf den Ranches weiden riesige Kuhherden. Der Guadalupe River, der in den Golf von Mexico fließt, entspringt mittendrin. Nahe der Quelle sind viele Feriencamps, wo Kinder, wie in Amerika üblich, die Sommerferien verbringen.
Dramatische Berichte der Überlebenden
Am Donnerstagabend begann dort ein Platzregen, der das Flüsschen der Nacht zu Freitag in einen reißenden Fluss verwandelte. Mehr als 30 Zentimeter Regen fielen innerhalb kürzester Zeit. Der Wasserspiegel des Guadalupe stieg in 45 Minuten um mehr als acht Meter, auch gespeist von Nebenflüssen, die ebenfalls überquollen. In die Erde, die in der Hitze festgebacken war, konnte das Wasser nicht einsickern. Es war „wie ein schwarzer Wall des Todes“, erzählten Überlebende der Presse.
Die Mädchen im Camp Mystic konnten nur per Hubschrauber entkommen. „Wir wurden von dem Sturm nachts um ein Uhr dreißig aufgeweckt“, berichtete die 13-jährige Elinor Lester. „Als die Retter kamen, gaben sie uns ein Seil zum Festklammern. Wir liefen damit über eine Brücke bis zum Hubschrauber, während das Wasser bis zu unseren Knien hochschwappte.“ Andere Kinder saßen in Baumkronen fest. Der Direktor von Camp Mystic, Dick Eastland, ertrank bei dem Versuch, seine Schützlinge zu retten. Auch die Kleinstadt Kerrville wurde überschwemmt; die Polizei musste Menschen vom Dachboden ihrer Häuser retten.
Manche Meteorologen führen die ungewöhnliche Sturmflut auf den Klimawandel zurück. Shel Winkley von dem Verein Climate Central erklärte, wegen der zunehmenden Hitze steige auch die Luftfeuchtigkeit, so dass Platzregen immer häufiger würden. Die Trump-Regierung hingegen bestreitet, dass es den Klimawandel gibt. Die staatliche Webseite dazu wurde abgeschaltet, weil dort nur das „Worst Case Scenario“ propagiert werde.
Washington wird aber auch vorgeworfen, dass die Regierung die Katastrophe durch Kürzungen bei der staatlichen Wettervorhersage verschärft habe. Der Wetterdienst hatte erst um vier Uhr morgens gewarnt, da war es für viele schon zu spät, und bei manchen kam gar keine Warnung an.
Auch beim Katastrophenschutz und bei den Wald- und Parkhütern hat Elon Musks DOGE-Team Stellen gestrichen. Der Staat Texas und die anliegenden Städte wollten allerdings auch nicht in ein Frühwarnsystem investieren, obwohl dieses Tal des Guadalupe für Sturmfluten bekannt ist. Trump selber zeigte sich schockiert, er versprach föderale Hilfe für die Opfer in dem meistenteils republikanischen Bundesstaat.