Kaum jemand entkam vor knapp elf Jahren diesem Social-Media-Trend. Kreischende Menschen, die sich eiskaltes Wasser aus Kübeln über ihre Köpfe und Körper leerten, dominierten 2014 Instagram und Co. Sie alle machten bei der sogenannten Ice Bucket Challenge mit. Einer Aktion, mit der die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam machen und Spenden sammeln wollten. Rund 194 Millionen Euro sollen so weltweit für die Forschung zusammengekommen sein.

Nun ist die Ice Bucket Challenge offenbar zurück. Eine Gruppe von Studenten der University of South Carolina holte den Social-Media-Trend im März aus der digitalen Versenkung. Allerdings: Ihr Fokus liegt nicht mehr auf ALS. Mit dem Hashtag #SpeakYourMIND wollen die US-Studenten, die zwei Freunde wegen eines Suizids verloren haben, auf Probleme mit der mentalen Gesundheit aufmerksam machen.

In einem Video auf Instagram, das auf dem Kanal von uscmind hochgeladen wurde, erklärt Initiator Wade Jefferson die Hintergründe. Wie einst für ALS soll diesmal das Bewusstsein für mentale Probleme gesteigert und Spenden gesammelt werden, um Programme und Initiativen zu unterstützen.

In den ersten Wochen kamen bereits Tausende Social-Media-User dem Aufruf nach – von Influencern mit großer Reichweite über Bildungseinrichtungen, Vereine und Einsatzorganisationen bis hin zu Privatpersonen. Bei der begleitenden Fundraising-Kampagne von Active Minds gingen bis Ende April knapp 400.000 US-Dollar an Spenden ein. Das Ziel ist 500.000 US-Dollar.

Ice Bucket Challenge „gestohlen“

Während ein Teil das Comeback der Ice Bucket Challenge feiert, gibt es aber auch einen Teil, der eiskalt darauf reagiert – allerdings ohne Wasser. Kritisiert wird zum einen die Einfallslosigkeit der #SpeakYourMIND-Initiatoren, die einfach auf ein altbewährtes Konzept zurückgegriffen haben, das zudem eigentlich auf die Nervenkrankheit zugeschnitten war. Der kurze Schock, den das eiskalte Wasser auslöste, sollte nämlich den Zustand eines ALS-Patienten symbolisieren.

Zum anderen zielt die Kritik auf die Tatsache ab, dass ALS immer noch unheilbar ist und meist zum Tod führt. Die ursprüngliche Ice Bucket Challenge sei also eigentlich noch lange nicht abgeschlossen. Unter anderem bezog die Influencerin Brooke Eby (237.000 Follower), die selbst an ALS leidet, in zwei Videos auf Instagram Stellung:

„Zuzusehen, wie Menschen die ALS Ice Bucket Challenge für einen anderen Zweck stehlen, obwohl es für ALS immer noch keine Heilung gibt und die Krankheit zu 100% tödlich ist. Wütend“, schrieb sie im ersten Video. In den Kommentaren erhielt sie Zuspruch, sah sich aber auch mit Unverständnis konfrontiert. Darum versuchte sie im Folgevideo ihren Standpunkt zu erläutern. Einer ihrer Follower antwortete daraufhin zustimmend: „Es können einem mehrere Dinge wichtig sein. Aber wenn sie eine von der ALS-Gemeinschaft ins Leben gerufene Bewegung nehmen und ihre Bedeutung ändern, bringen sie die Menschen zum Schweigen, für die sie geschaffen wurde. Beginne etwas Neues. Schreibe nicht den Kampf von jemand anderem um.“

Ähnlich kontrovers ging es unter dem Instagram-Video der US-Studenten zu. „Es ist also eure Schuld...“, kommentierte etwa ein User und erhielt dafür bisher mehr als 13.000 Likes.

Ob dafür oder dagegen, die Ice Bucket Challenge ist zurück. Mittlerweile ist sie auch in Europa und dem deutschsprachigen Raum angekommen und damit kann es gut sein, dass in Nachbars Garten bald wieder gekreischt wird.