Irgendwann in den 1980ern trafen sich in einem New Yorker Delikatessengeschäft zufällig zwei Männer aus der Immobilienbranche. Donald Trump und Steve Witkoff kannten sich flüchtig, hatten einige Jahre zuvor miteinander zu tun gehabt. Deshalb sprach Trump den anderen Mann an. Er habe gerade kein Geld bei sich, könnte Witkoff ihm ein Schinken-Käse-Sandwich bestellen? Witkoff konnte. Als die beiden sich acht Jahre später das nächste Mal trafen, erinnerte sich Trump an die Geste. Seitdem sind er und Witkoff Freunde.

Das Sandwich hat sich für den 68-jährigen Milliardär ausgezahlt. Heute ist er einer der zentralen Akteure in der Außenpolitik der USA. „Sondergesandter der Vereinigten Staaten für den Nahen Osten“ lautet sein offizieller Titel, doch sein Einfluss geht weit über die Region hinaus. Witkoff verhandelt derzeit mit dem Iran über ein neues Atomabkommen, über die Befreiung der israelischen Geiseln und einen Waffenstillstand im Gaza-Streifen. Und er führt die Gespräche über eine Beendigung des Kriegs zwischen Russland und der Ukraine. Am Donnerstag landete sein Flugzeug wieder in Moskau. Direkte Gespräche mit Wladimir Putin stehen auf der Tagesordnung.

Selbst Republikaner sind skeptisch

Witkoff konnte in der Vergangenheit schon einige Resultate für die USA verbuchen. Nach Trumps Wahlsieg, in den letzten Tagen der Biden-Administration, arbeitete Witkoff gemeinsam mit dem Team des scheidenden Präsidenten daran, einen Waffenstillstand und einen Gefangenenaustausch zwischen der Hamas und Israel herbeizuführen. Im Februar gelang es ihm, auch zwischen Washington und Moskau einen Austausch herbeizuführen. Witkoff kann also durchaus Erfolge vorweisen. Trotzdem sehen viele seine Arbeit mit Blick auf den Ukraine-Konflikt skeptisch.

CORRECTION / In this pool photograph distributed by the Russian state agency Sputnik, Russia's President Vladimir Putin shakes hands with US President Donald Trump's envoy Steve Witkoff during a meeting in Saint Petersburg on April 11, 2025. (Photo by Gavriil Grigorov / POOL / AFP)
Viele werfen Witkoff vor, Putin Zugeständnisse am laufenden Band zu machen © AFP

Selbst unter Republikanern im Kongress wirkt der Sondergesandte als zu moskaufreundlich, als zu unerfahren im Umgang mit dem Kreml. So warb Witkoff seit Wochen dafür, den Krieg zu einem schnellen Ende zu bringen, indem man Russland die Kontrolle über weite Teile der östlichen Ukraine überlasse – eine Strategie, die intern zunächst noch auf Widerstand stieß. General Keith Kellogg, formal Trumps Sondergesandter für die Ukraine, soll sich klar dagegen ausgesprochen haben. Doch als die Trump-Administration jüngst ihren Friedensplan für die Region vorstellte, entsprach er deutlich mehr den Vorstellungen Witkoffs – und denen Russlands.

Völlige Loyalität

Der Einfluss des Sondergesandten ist nicht überraschend. Trump verlangt von seinen Untergebenen Loyalität. Und Witkoff gilt als unbedingt loyal – und zwar zum Präsidenten persönlich, nicht unbedingt zu seiner „Make America Great Again“-Bewegung. Schon während Trumps erster Amtszeit übernahm der Immobilienunternehmer Rollen im Umfeld der Administration, etwa in einem Gremium, das die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie bekämpfen sollte. Auch nach Trumps Abwahl hielt er dem Republikaner die Treue. Er unterstützte seinen erneuten Wahlkampf mit großzügigen Spenden, stand Trump zur Seite, als er sich vor Gericht verteidigen musste, spielte mit ihm Golf, als ein Attentäter dem damaligen Ex-Präsidenten in Palm Beach auflauerte. Intern wird er nahezu als Teil der Trump-Familie angesehen. Als Trump im vergangenen Jahr die Vorwahlen der Republikaner gewonnen hatte, schickte er seinen Vertrauten los, um die Partei zu einen. Damit scheint Witkoff einer der wenigen Menschen zu sein, denen Trump wirklich vertraut.

Golf: LIV Golf Bedminster - ProAm Round Aug 10, 2023 Bedminster, New Jersey, USA Eric J. Trump left and Former President Donald Trump right and Dustin Johnson celebrate with Steve Witkoff center on the 18th green during the ProAm round of the LIV Golf Bedminster golf tournament at Trump National Bedminster. Bedminster Trump National Bedminster New Jersey USA, EDITORIAL USE ONLY PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xVincentxCarchiettax 20230810_jcd_cb6_0117
Schulterklopfer unter Freunden: Auch beim Golfen erwarb sich Witkoff Trumps Vertrauen © IMAGO

Diese Nähe weiß der 68-jährige Witkoff zu nutzen. Als etwa die Verhandlungen über einen Waffenstillstand in Gaza stockten, drängte der Berater Israels Premierminister Benjamin Netanjahu so lange, bis dieser nachgab und einer Feuerpause zustimmte. „Der Präsident ist ein großer Freund Israels“, sagte Witkoff laut Wall Street Journal zu Netanjahu, „und jetzt ist es an der Zeit, auch ein Freund zu sein“. Der Premier lenkte ein – denn er wusste: Witkoff spricht für Donald Trump. Und den Präsidenten wollte er auf keinen Fall verärgern.