„Norma“ erzählt die Geschichte einer gallischen Priesterin, die sich mit einem römischen Kolonialherren eingelassen hat. Der russische Regisseur Vasily Barkhatov macht daraus eine Geschichte darüber, wie es sich in einer Diktatur lebt, in einem ebenso brutalen wie biederen Staat, in dem persönliche und politische Angelegenheiten unauflösbar miteinander verknüpft sind. Zu Beginn, zu den Klängen von Bellinis knapper Ouvertüre, stürmen die neuen Machthaber eine Brennerei, in der Heiligenstatuen fabriziert werden. Zehn Jahre später fertigt man hier Büsten des politischen Führers. Für den muffigen Totalitarismus, der sich gewaltsam breit gemacht hat, wurde merkbar am italienischen Faschismus und an osteuropäischen Diktaturen Maß genommen. Die beklemmende Enge und Spießigkeit in den Einzimmer-Wohnungen, die ständige Drangsalierung und Überwachung haben den Leidensdruck jedoch bereits so anwachsen lassen, dass man nur mehr Momente vor der Entladung steht. Es gärt gewaltig und die Revolution liegt in der Luft.