Fiat 500 e im TestVom Dolce Vita an der Steckdose

Ein luftiger E-Ritt mit dem Fiat 500 e durch heiße italienische Nächte.

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Den elektrischen Fiat 500 gibt es auch als Cabrio © OLIVER WOLF
 

Man erntet verliebte Blicke, neidisches Nicken beim Fahren durch die Stadt. Und das mit einer Knutschkugel! Nun, nach 14 Jahren, präsentiert der italienische Autobauer Fiat eine neue Generation des Cinquecento. Angetrieben wird der Kleinstwagen, den es optional in Cabrio oder 3+1-Version mit Zusatztür auf der rechten Seite gibt, fortan ausschließlich elektrisch. Rüttelt man damit an den Grundfesten einer Legende?

Mitnichten. Man führt sie weiter. Den Fiat 500 – diesen putzigen, aber in Wahrheit wahnsinnig sexy anmutenden Wagen – braucht es dringender denn je. Gleißende Asphalt-Schluchten und verstopfte Straßen. Und dazwischen: Dolce Vita. Nenn es einen Beitrag zur Klimawende.

Modellvorstellung: Fiat 500

Wenn ein Auto die Elektromobilität zur Herzensangelegenheit machen kann, dann der der neue Fiat 500. Man schaue sich nur den Augenaufschlag der traditionell runden Glubsch-Scheinwerfer an.

FIAT

Ja, richtig gelesen, nach 13 Jahren stellen die Italiener als Ablöse die dritte Generation in die Auslage – und zwar ausschließlich mit Batterieantrieb. Mit Verbrennungsmotor und der neuen Hybridversion bleibt die alte Version weiter im Programm.

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Die von der EU vorgeschriebene akustische Warnung im niedrigen Geschwindigkeitsbereich ist nicht einfach ein Geräusch, sondern die Titelmelodie aus Federico Fellinis Film „Amarcord“.

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Für seine Metamorphose zum Stromer steht der 500er auf einer ganz neuen Plattform und ist leicht gewachsen, bleibt aber unter der 4-Meter-Marke: Die Karosserie ist jeweils sechs Zentimeter breiter und länger geworden, der Radstand streckt sich um zwei Zentimeter.

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Denn irgendwo muss er ja Platz finden, der Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 42 kWh, der für eine Reichweite von bis zu 320 Kilometern (gemessen nach dem strengeren WLTP-Zyklus) gut sein soll. Der Elektromotor leistet bis zu 87 kW (118 PS), was das Zwergerl in 3,1 Sekunden von 0 auf 50 km/h schnepft. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 150 km/h begrenzt.

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Für das Stromern kennt der 500er drei Fahrmodi: „Normal“ ist wenig überraschend normal, bei „Range“ wird stark rekuperiert, weshalb man Beschleunigen und Bremsen alleine mit dem Gaspedal steuern kann.

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Und dann gibt es da noch die Einstellung namens „Sherpa“: Da tut der Zweitürer alles in seiner Macht stehende, um die Reichweite zu strecken und das im Navi hinterlegte Ziel zu erreichen. Das Tempo auf maximal 80 km/h begrenzen und alle Verbraucher abdrehen, zum Beispiel.

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Beim Thema Laden ist der Kleine äußerst kompetent: Das DC-Schnellladesystem saugt mit bis zu 85 kW am Stromnetz und kann in fünf Minuten rund 50 Kilometer Reichweite tanken. Der CCS2-Anschluss verarbeitet Gleich- und Wechselstrom, mit dem Mode-3-Kabel wird letzterer dreiphasig mit bis zu 11 kW gezutzelt. Die Wallbox für Zuhause wird auf Wunsch mitgeliefert.

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Der Innenraum ist jetzt wesentlich luftiger und nutzt den durch den Wegfall der Schalthebelkonsole frei gewordenen Platz zwischen den vorderen Sitzen für zusätzliche Ablageflächen.

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Freistehend prangt auf dem Armaturenbrett der 10,25 Zoll messende Touchscreen des nagelneuen Infotainmentsystems „Uconnect 5“, das so ziemlich alle Stückerln spielt. Die Sitze sind entweder mit Kunstleder bezogen oder mit Stoffen aus recyceltem Kunststoff, der bis vor kurzem noch im Meer geschwommen ist.

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Oder einfach: Einen Ritt durch enge italienische Gassen und heiße Nächte. Ob zu zweit ineinander verliebt oder alleine verliebt in diese Welt. Wenn man die dicke Sommerluft zu Fahrtwind aufwirbelt und lebhafte Unterhaltungen am Straßenrand mit Elektro-Schnurren durchschneidet, weiß man: Das schönste Gefühl ist es, einer Stadt so nah und doch so fern zu sein.

Fiat 500 e

Preis: ab 29.590 Euro; Icon-Ausstattung ab 30.990.
Motor/Batterie: 70 kW bzw. 87 kW; 23,8 bzw. 37,3 kWh Batteriekapazität; Reichweite 180 bzw. bis zu 321 km mit der größeren Batterieversion.

Natürlich könnte man über die tolle Funktionalität des Elektro-Cinquecentos schwärmen. Zeigen, wieso es keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr braucht. Man könnte aber auch einfach zugeben, dass der neue 500 ein Auto ist, das nicht nach dem Zweck der Reise verlangt, sondern sich einfach losstehlen möchte. Und der Wind zerzaust mein Haar.

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