Dacia Duster im TestWie sich das Diskont-SUV auf der Bühne der Salzburger Festspielen schlägt

Così fan tutte? Nein, so wie Dacia machen es nicht alle. Was man mit einem Duster, munter unterwegs zu den Salzburger Festspielen, so alles erleben kann. Ein Beifahrerbericht.

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Auftritt Dacia Duster im Festspielsommer © MONTAGE: FESTSPIELE/Joensson, OLIVER WOLF
 

Unglaublich, wie viele Dacia Duster man sieht, wenn man als einer der letzten führerscheinlosen Österreicher seit H. C. Artmann selig selbst als Beifahrer in einem solchen sitzt. Wie nennt man so ein Phänomen? Keine Ahnung. Egal. Anno Citroen 2CV und VW Käfer hupte man sich ja noch heiteren Herzens an, wenn zum Beispiel südlich von Jesolo auf der Autostrada Villacher Kennzeichen Villacher Kennzeichen begegneten.

Auf dem Weg von Graz zu den Salzburger Festspielen hätten wir jedenfalls sakrisch oft hupen müssen. Der Dacia im Allgemeinen und der Dacia Duster im Speziellen sind nämlich absolute Lieblinge, nicht nur der Österreicher: 2019 gab es bei uns 3110 Neuzulassungen, und vorigen August wurde das Modell der rumänischen Renault-Tochter mit europaweit 19.451 verkauften Stück im Monat nur vom VW Golf überholt.

Modellvorstellung: Dacia Duster

Der neue Dacia Duster räumt mit all den Details auf, die bei der ersten Generation noch nicht ganz so gepasst haben. Die tragende Struktur ist also unverändert, genauso wie die gut 4,3 Meter Außenlänge.

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Dafür wurde jedes Karosserieteil neu gezeichnet, die Front glänzt dank höher gesetzten Scheinwerfern mit einem deutlich frischeren G’schau.

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Natürlich ist der Preis nach wie vor ein entscheidendes Kriterium. Und da enttäuscht der Duster auf den ersten Blick zumindest nicht. Los geht es bei 11.990 Euro für die Basisversion Access, wobei Basis hier wirklich wörtlich zu nehmen ist.

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Aber: Selbst wer sich etwas gönnen möchte und die beste Ausstattung mit dem stärksten Motor nimmt, kann kaum mehr als 22.000 Euro ausgeben. 

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Die alte hat natürlich auch Nachteile, wie dass sie moderne Assistenzsysteme wie zum Beispiel einen Abstandsregeltempomaten nicht zulässt. Und dass die Motoren unverändert jene des Vorgängers sind.

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Andererseits: Was gibt es gegen die zwei Diesel (90 und 110 PS) und zwei Benziner (115 und 125 PS) einzuwenden? Alle haben sie vier Zylinder, bis auf den Basisbenziner Turboaufladung und gehen durchwegs solide zur Sache.

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Automatik? Klar, gibt es in Form eines deutlich verbesserten EDC-Getriebes, aber nur für den stärksten Diesel. Und Allrad? Jep, auch vorhanden, aber nur mit dem Schaltgetriebe kombinierbar.

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Der Kofferraum wuchs wie auch der Duster an sich natürlich keinen Zentimeter. Die 455 Liter Fassungsvermögen (bei der Allradversion 411 l) sind auch nach heutigen Maßstäben ein tadelloser Wert.

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Im Innenraum erwecken ein neues Armaturenbrett mit großzügig dimensioniertem Touchscreen und Bedienelemente, die sich mindestens so hochwertig anfühlen wie die Schalter und Knöpfe in einem Renault vom neuen Selbstbewusstsein des kleinen Kraxlers.

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Jedenfalls fand ein groß angelegter Technologietransfer von der Konzernmutter Renault statt, der auch Klimaautomatik,  schlüssellosen Zugang, LED-Tagfahrlicht und den Toterwinkel-Warner nach Rumänien spülte.

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1/10

Verwöhnte mögen die Nase rümpfen, aber Puristen nehmen beim Dacia Duster sofort die feine Witterung auf. Così fan tutte? Nein, so wie Dacia machen es nicht alle. 2010 als echter Preisbrecher im Segment der Kompakt-SUVs ins Rennen geschickt, punktet auch die zweite Generation mit einem unschlagbaren Preis-Leistung-Verhältnis, weshalb es auch keine verhandelbaren Rabatte gibt.

Geblieben sind zum Beispiel Bedienungselemente ohne Schnickschnack und trotz knapper Abmessungen ein großzügiges Platzangebot für Mensch und Gepäck. Für Fahrerin und Fahrer ist das Multimedia-System mit Radio, Navigation, 360-Grad-Kamera & Co rasch erkundet. Fescher ist der Duster geworden und muskulöser.

Dacia Duster dci 115 4WD

Preis: ab 17.643 Euro
Motor: Diesel, 1461 ccm, 115 PS, 260 Newtonmeter maximales Drehmoment.
Antrieb: 6-Gang-Getriebe, Allrad.
Verbrauch: 5,6 Liter/100 km.

Den Vorteil, sich nicht aus den Sitzen herauswurschteln zu müssen wie ein Hundertjähriger mit chronischem Bandscheibenvorfall, schätze ich mittlerweile doch sehr. Schon gar, weil ich mir zwischen Affenhitze und Schnürlregen an der Salzach am ersten Festivalwochenende tatsächlich batzig das Kreuz verriss.

Als zweitbester Beifahrer seit Christian Geistdörfer (ja, der von Walter Röhrl) weiß ich, wovon ich spreche. Der zweifache Rallye-Weltmeister Röhrl lobte die Marke Dacia übrigens bei einem Test für unsere Zeitung schon früh und sehr: „Dacia ist eine Perle im Renault-Konzern und eine einzige Erfolgsgeschichte: Zunehmend wird es schick, Dacia zu fahren – wer hätte das gedacht?“

Ja, wer hätte? Mit einer dieser Perlen – dem Duster Comfort Blue dci 115 4WD, wie unser Testmodell kurz und bündig heißt – rollten wir also munter nach Salzburg, wo im Sommer ja hauptsächlich schwarze Limousinen eines Hauptsponsors mit vier Ringen durch den Festspielbezirk kreuzen wie Schlachtschiffe. Mit unserem flinken blauen Aufklärungsboot fühlten wir uns dort aber auch wohl – speziell beim Einparken, bei dem der kompakte SUV ebenso Freude machte wie in engen Gassen und Parkgaragen.

Bei der Rückfahrt „sang“ der Duster auf der Autobahn übrigens ein bisschen, aber schließlich kamen wir ja von den Premieren von „Elektra“ und „Così“, also nahmen wir die Geräusche im Fahrzeuginneren als Nachhall eines musikalischen Wochenendes.

Zum Finale gab es dann noch eine ungeplante Geländeprüfung für unser Modell mit 4WD: Wir wagten uns die letzten paar Kilometer durch den Sturzregen unseres Lebens, im beginnenden Hagel, mit querliegenden Ästen auf den Wegen und ähnlichen Liebreizen. Wir umfuhren hurtigen Lenkradwirbelns Kanaldeckel, aus denen erdbraunes Wasser schoss, und die ansteigende Sackstraße hinauf nach Hause glich eher einem Wildbach in den 3000ern der Dolomiten als 8010 Graz. Augen zu und durch, sagten wir uns (also nur ich mir natürlich, der Co-Pilot).

Vor der Garage unbeschädigt angekommen, schlugen wir ein Kreuz. Und in der Garage hupte uns nach dem Einparken der Dacia zwei Mal an. Mep, mep! Erst dachte ich, vor lauter Freude, gut gelandet zu sein. Aber nein! Er erinnerte mich bloß: Ich hatte einfach vergessen, abzusperren. Danke, Duster!

Kommentare (3)
MS80
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Lesenswert?

Dacia

Kompletter Irrsinn.
Dieses Fahrzeug ist ein reines Billigauto mit der Renault Vorserientechnik.
So weit so gut.
Haptik, Qualität der Kunststoffe und Sitzstoffe sind das Letzte. Das Erlebnis Autofahren wird einem in diesen Autos gründlich ausgetrieben.
Bitte einen echten KFZ Spengler, KFZ Techniker zum Thema Haltbarkeit und Langlebigkeit dieser Karre befragen.
Dann erübrigt sich jegliches Wort über diese Fahrzeuge.

Carlo62
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Lesenswert?

Richtig!

Siehe mein voriges Posting.

Carlo62
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16
Lesenswert?

Wer glaubt,

dass er mehr bekommt als er dafür bezahlt, hat die Gesetze der Wirtschaft nicht verstanden. Der Dacia ist genau so viel wert wie er kostet, oder weniger.